Rob...English French

 Sehenswürdigkeiten - Rheinufer


Um 1873 beschlossen die Regierungen von Preußen und Großherzogtum Hessen die Begradigungen des Rheinstromes und die Aufspaltungen der natürlichen Auen. Ziel war, es die Beseitigung von Schiffahrthindernissen. Die Rheinbegradigung wurde in Deutschland zwischen 1817 und 1879 von dem Ingenieur Johann Gottfried Tulla und seinen Nachfolgern zur Begradigung und Schiffbarmachung des Rheins durchgeführt.

Der Rhein
Vor den Eingriffen des Menschen pendelte der Rhein auf einer Breite von sechs bis zehn Kilometern im Oberrheingraben bis zum Rand der Mittelgebirge im Osten und Westen, schnitt sich nach der Eiszeit aber in seinen Ablagerungen ein und hinterließ ein girlandenartiges Hochufer, auf dem sich dann die Siedlungen entwickelten, da man dort - zehn Meter über der Niederung - vor Überschwemmungen sicher war. Rheinufer

Der erste Plan zur Korrektur des Oberrheins durch Oberst Tulla wurde 1809 vorgelegt. Dabei sollten in der Oberrheinebene nördlich von Karlsruhe mittels "Durchstichen" Flussschlingen abgetrennt und das Flussbett auf 200-250 m eingeengt und vertieft werden, sowie Dammanlagen zum Schutz gegen Überschwemmungen angelegt werden, was den Fluss zur Tiefenerosion zwingen und den Wasserspiegel senken sollte. Das Durchstechen verkürzte die Strecke zwischen Basel und Bingen um 81 km! Einige Zahlen, die von Tullas Nachfolgern nach dem Abschluss der Arbeiten am Ende des 19. Jahrhunderts zusammengestellt wurden, können die Größenordnung des Vorhabens noch einmal summarisch veranschaulichen: Danach betraf die Korrektion von der Schweizer bis zur hessischen Grenze insgesamt eine Überschwemmungsfläche von über 66000ha, von denen bis 1883 knapp 19000ha höherwertig genutzt werden konnten als zuvor (also z.B. als Ackerland statt als Wald). Von den etwa 10000 ha früherer Überflutungsfläche, die trockengelegt werden sollten, waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits über zwei Drittel verlandet. Die Wertverbesserung des Bodens wurde auf 34 bis 39 Mio. M. geschätzt. Die Investitionen in den Flussbau am Oberrhein waren kaum präzise zu erfassen, lagen jedoch mit Sicherheit deutlich höher als diese Summe. Sie umfassten allerdings auch langfristig wirksame Maßnahmen wie etwa die Steindeckung der Ufer. Ein weiterer, noch weniger zu quantifizierender Effekt war die unbezweifelbare Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse in den Uferregionen, wo Malaria und Typhus deutlich zurückgingen.

Tulla, der "Bändiger des wilden Rheins"
Rheinufer Johann Gottfried Tulla (20.3.1770 bis 27.3.1828) wurde nach einer vielseitigen ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung und ausgedehnten Studienreisen, die ihn u. a. zur Bergakademie Freiberg und nach Paris führten, 1797 als Ingenieur in den Dienst des badischen Markgrafen Karl-Friedrich übernommen. 1807 gründete er die Ingenieurschule in Karlsruhe, die 1825 in der Polytechnischen Schule aufging, dem Vorgänger der TH Karlsruhe. 1817 wurde Tulla zum Ober-Wasser- und Straßenbaudirektor ernannt, 1823 wurde ihm die gesamte badische Wasser- und Straßenbauverwaltung unterstellt. Neben seinen Arbeiten für die topographische Vermessung Badens, für die Einrichtung eines Pegelsystems am Rhein und seinen Nebenflüssen sowie für den Straßenbau widmete er sich ganz der Begradigung des Oberrheins. Mit zwei Denkschriften von 1812 und 1822 sowie der 1825 publizierten Abhandlung Über die Rectification des RheinsÉ2 begründete, berechnete und rechtfertigte er das Vorhaben. Dem bald nach seinem Tod schon legendären "Bändiger des wilden Rheins" wurden bereits im 19. Jahrhundert zwei Denkmäler errichtet, noch heute tragen zahlreiche Straßen und öffentliche Gebäude in Baden seinen Namen.