
Da sich heute weder am Mauerwerk noch im Innenraum der Hattenheimer Burg Anhaltspunkte finden, aus denen sich deren Alter exakt bestimmen läßt und auch entsprechende Urkunden nicht vorliegen, liegt die Entstehungsgeschichte und das genaue Alter der Burg weitgehend im Dunkeln. Es ist davon auszugehen, daß vor dem Bau des Wohnturms die Burg aus einer kleineren befestigten Anlage bestanden hat und die Gründung der Burg um 1100 erfolgte. Gründer der Burg waren die "Herren von Hattenheim", über die jedoch keinerlei gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Erst mit dem Übergang der Burg in das Eigentum der Freiherrn Langwerth von Simmern im Jahre 1411 betreten wir sicheren Boden bezüglich der Eigentumverhältnisse und der weiteren Entwicklung der Burg. Rund 300 Jahre diente danach die Hattenheimer Burg den Freiherrn Langwerth von Simmern als Wohn- und Stammsitz. Nachdem jedoch 1711 die Familie den Stockheimer Hof in Eltville gekauft hatte, nahm die Familie dort ihren Wohnsitz. Seitdem stand die Hattenheimer Burg leer und nur das aus dem 17. Jahrhundert stammende Nebengebäude war bewohnt. In den folgenden Jahrhunderten war die gesamte Burganlage dem Verfall preisgegeben und im Hattenheimer Volksmund sprach man nicht mehr von der Burg sondern wenig respektvoll vom "Bau". Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Wille zum Erhalt des zwischenzeitlich völlig heruntergekommenen Bauwerks durch die Erneuerung des Daches durch den Freiherrn Langwerth von Simmern dokumentiert.
Von da an dauerte es noch einmal 20 Jahre bis ab 1979 die Hattenheimer Burg in der Verantwortung des Burg- und Verschönerungsverein Hattenheim e. V. restauriert und ausgebaut wurde. Dabei blieb die Burg im Eigentum der Freiherrn Langwerth von Simmern, wurde aber vom Burg- und Verschönerungsverein in Erbbaupacht übernommen. In unzähligen Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit und vielfältiger Unterstützung von privater wie auch öffentlicher Seite entstand so Schritt für Schritt die Hattenheimer Burg in ihrem heutigen Zustand als zentrale, kulturelle Begegnungsstätte und romantische Kulisse unter anderem für das "Weindorf" während der Schlemmerwoche und dem Burg- und Winzerfest, das jedes Jahr im August stattfindet.
Darüber hinaus stehen die Räumlichkeiten der Burg auch für private und Vereinsfeiern als Veranstaltungsort zur Verfügung. Die Hattenheimer Burg gehört wie die wesentlich bekanntere Burg Vollrads zu den sogenannten Turmburgen. Durch die Lage im Ortskern wird sie jedoch in ihrer durchaus monumentalen Wirkung stark beeinträchtig.
Der Wohnturm, dessen Mauern rund einen Meter stark sind und dessen Innenmasse rund sieben auf elf Meter betragen, hatte ursprünglich vier Stockwerke, die durch Balkenlagen getrennt waren. Der ursprüngliche Zugang befand sich im Obergeschoß und konnte bei einem eventuellen Angriff hochgezogen werden. Es wird angenommen, dass die Burg früher nicht nur von einer Mauer, sondern auch von einem Wassergraben umgeben war. Eine Zerstörung der Burg hat erkennbar nicht stattgefunden. Allein der ehrenamtlichen Arbeit der Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Restaurierung und den Ausbau der Hattenheimer Burg in den vergangenen Jahren eingesetzt haben, ist es zu verdanken, dass in der mehr als tausendjährigen Weinbaugemeinde Hattenheim ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung nicht nur erhalten, sondern in den historischen Mauern ein neuer kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt des örtlichen Lebens geschaffen werden konnte.