Rob...English French

 Vita - Weihbischof Langwerth von Simmern


Weihbischof Gottfried Johann Weiprecht Langwerth von Simmern

Die Weihbischöfe waren einst ordentlich geweihte Bischöfe, die auf Grund politischer Wirren wie z. B. der Eroberung der hiberischen Halbinsel durch muslimische Truppen ihre Heimatdiözesen verlassen haben. Im Heiligen Römischen Reich fanden sie bei ihren lateinischen Amtsbrüdern Asyl. Oft kam dies den Oberhirten sehr gelegen, da sie die höheren Weihen nicht empfangen konnten oder wollten. So übernahmen die geweihten Bischöfe die Aufgaben der Sakramentenspendung wie die Firmung und die Priesterweihen. So entstand der Begriff und dann das Amt des Weihbischofs. Vor allem die Regensburger Bischöfe aus dem Hause Wittelsbach nutzten die Hilfe der Weihbischöfe, da sie fast nie persönlich im Bistum weilten.

Einer der wichtigsten Weihbischöfe dieser Zeit war Gottfried Langwerth von Simmern (1669 - 1741)

Weihbischof Gottfried Johann Weiprecht Langwerth von Simmern (Godefridus Langwertus de Simmern) wurde am 19. Dezember 1669 in der Burg zu Hattenheim geboren. Im Jahre 1687, im Alter von 17 Jahren, konvertierte er.

In Regensburg ordinierte er am 29. Juni 1698 zum Priester. Am 10. Mai des Jahres 1717, im Alter von 46 Jahren, wurde er zum Bischof von Regensburg und bestimmt als Bischof von "Germanicopolis". Am 11. Juli 1717, ordinierte er zum Bischof von "Germanicopolis.

Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern starb am 19. Juni 1741, im Alter von 71 Jahren als Bischof von Regensburg.

"Der nun folgende Bericht wurde von Frau Faust, Frau des verstorbenen Erwin Faust aus Hattenheim, dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Erwin Faust recherchierte schon zur damaligen Zeit sehr intensiv und besuchte auch aus diesem Grunde, gemeinsam mit seiner Frau, die Stadt Regensburg:"

GOTTFRIED LANGWERTH VON SIMMERN
von Erwin Faust

Mit Gottfried Langwerth von Simmern, dem Germaniker und Konvertiten aus einem alt eingesessenen rheingauischen Adelsgeschlecht, war um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert dank päpstlicher Provision eine umsichtige, energische und von unerschüttlicher Treue zur Kirche geprägte Persönlichkeit ins Regensburger Domkapitel aufgenommen worden, deren Tätigkeitsschwerpunkt von Anfang an im Bereich der Bistumsverwaltung lag.

Zunächst Mitglied des bischöflichen Konsistoriums, seit 1704 auch Offizial und Generalvisitator, sammelte der junge Domherr und Priester in der Not des Spanischen Erbfolgekriegs jene reiche pastorale Erfahrung, die aus all seinen späteren Reformmaßnahmen in der ihm 1716 überantworteten Diözese spricht.

Zur Bistumsadministration für die minderjährigen Fürstbischöfe Clemens August und Johann Theodor gesellten sich seit 1717 die Amtspflichten eines Weihbischofs und Präsidenten des Geistlichen Ratskollegiums. Im Rahmen dieses vielfältigen Aufgabenbereichs war Langwerth von Simmern lebenslang um eine Neubelebung, Festigung und Vertiefung des religiös-sittlichen Lebens bei Klerus und Volk bemüht. Wichtigste Grundlage für die pastoralen Entscheidungen des Bistumsadministrators wurde die 1723/1724 veranlasste "Designatio parochiarum", eine große, bislang ungedruckte Bestandsaufnahme des Bistums in fünf Foliobänden.

Naturgemäß galt die besondere Hirtensorge des Konvertiten, den konfessionell gemischten Einsprengseln der Diözese, namentlich den Sultanpfarreien im Herzogtum Sulzbach. Seinem sprichwörtlichen Eifer für die katholische Religion entsprang auch die tatkräftige finanzielle wie ideelle Mithilfe bei der Errichtung eines schottischen Missionsseminars in Regensburg, dass 1718 bei St. Jakob erstand und in der Folgezeit zu einem tragenden Pfeiler der schottischen Exilkirche auf dem Kontinent wurde. Daneben traten mit der Gründung von Waisenhäusern und Armenschulen und mit dem Feldzug gegen die religiös sittliche Verwilderung des vagabundierenden Volkes sozial karitative Maßnahmen, die von hohem persönlichen Einsatz zeugen. Diesem wiederum korrespondierten eine äußerst bescheidene, ja kärgliche Lebensführung und eine vom starken Drang zur Innerlichkeit geprägte Frömmigkeitshaltung. Alles in allem eine Gestaltung des Lebens und Wirkens, bei der der Wahlspruch "Fa ea, quae moriens facta fuisse voles" nicht frommen Phrase war, sondern Ausdruck innerster Gesinnung und tiefster Motivation. Man kann nur ahnen, was Seelenhirten dieses Schlages als Vorbilder, Anreger, Bischöfe im eigentlichen Sinn des Wortes für die Ausbildung einer spezifisch bayerischen Barockfrömmigkeit bedeutet haben. Noch Regens Georg Michael Wittmann wird Langwerth von Simmern den "heiligen Weihbischof" nennen und ihm nacheifern."

Weihbischof Gottfried Johann Weiprecht Langwerth von Simmern Das Fürstbistum Regensburg befand sich seit 1579 in den Händen nachgeborener Prinzen aus der Dynastie der bayerischen Wittelsbacher. Darunter auch die bereits erwähnten minderjährigen Kirchenfürsten Clemens August (1716 - 1719) und schließlich der Herzog Johann Theodor (1719 - 1763), der "Kardinal von Bayern".

Der aufgeweckte junge Herzog, den man im Juli 1719 sechzehnjährig das schriftliche Versprechen, geistlich werden zu wollen, abgenommen und die Erste Tonsur erteilt hatte, verspürte keine Neigung zum geistlichen Stand. Seinem Vater schrieb er am 14. August 1721 in einem erschütternden Brief, sein Beruf sei einzig und allein in der Welt zu verbleiben; er dürfe daher die ihm um der "glor des Hauses" willen aufgedrängte Stellung eines Bischofs nicht annehmen. Max Emanuels Reaktion darauf bezeugt einmal mehr, mit welch unbeugsamer Härte er seine politischen Ziele verfolgte. Jede weitere Diskussion über die Berufsfrage abschneidend, drohte er dem von Gewissenqualen geplagten Sohn sogar die völlige Zurücksetzung in der Familie an, falls er die väterlichen Absichten mit ihm zu durchkreuzen wage. Der so unbarmherzig beschiedene hat daraufhin die väterlichen "dispositiones", wenn auch wider Willen, erfüllt.

Das im Leben Johann Theodors, die Ausübung bischöflicher Funktionen, eine recht untergeordnete Rolle spielte, mag daher nicht überraschen. Gewaltsam in die reichskirchliche Laufbahn gedrängt, zu früh der Staatsraison des Stammhauses hingeopfert, waren für ihn die Bistümer mit ihrem geistlichen Aufgabenbereich lediglich Anhängsel der Hofstifte, deren es möglichst viele zusammenzuraffen galt; zu Regensburg gesellte sich 1727 das Hochstift Freising und 1744 das Fürstbistum Lüttich. Priester und Bischof war er eben nur gezwungenermaßen geworden, um Fürst und Landesherr sein zu können, und hierin unterschied er sich nur wenig von zahlreichen Reichsbischöfen seiner Zeit, denen der Fürstenhut auch weit mehr bedeutete als die bischöfliche Inful. Aus diesem Hintergrund wird man sich auch davor hüten müssen, den "ungeistlichen" Lebenswandel eines Fürstbischofs von damals im Falle Johann Theodors mag man auf seine 1727 beziehungsweise um 1737/1738 geborenen beiden Töchter verweisen oder auf sein späteres Verhältnis zur Weihbischof Gottfried Johann Weiprecht Langwerth von Simmern Hofdame Josepha Karolina Sedlnitzki Gräfin von Choltiz mit heutigen moralischen Maßstäben zu messen und von daher ohne weiteres auf fehlende Frömmigkeit und ausschweifende Lebensführung zu erkennen. In seiner Bischofsstadt an der Donau hat Johann Theodor nie residiert; die Kathedrale von Regensburg scheint er lebenslang nicht betreten zu haben. Hochstift und Bistum Regensburg "regierte" er vielmehr aus der Ferne, von München, Ismaning oder Freising her, in späteren Jahren zumeist von seinen Schlössern im Lüttischer Land oder gar von Versailles aus.

Das dabei von ihm keinerlei seelsorgerlichen Impulse ausgingen, wird man ohne Einschränkung feststellen müssen. Gleichwohl haben während seiner Regierung die ihm anvertrauten Bistümer, also die geistlichen Jurisdiktionsbezirke, unmittelbaren Schaden nicht gelitten. Der Grund hierfür ist in einer seit Generationen eingespielten Kompetenzverlagerung der geistlichen Jurisdiktionsgewalt zu suchen. Die Bistumsverwaltung lag bei dem vom Fürstbischof eingesetzten Geistlichen Ratskollegien, und diese leisteten zusammen mit den gleichfalls vom Diözesanherrn benannten Generalvikaren und Weihbischöfen verantwortungsvolle Arbeit. Unter ihnen so vorbildliche Weihbischöfe wie Gottfried Langwerth von Simmern.

Dies rechtfertigt den Versuch, die Geschichte eines Bistums, eines geistlichen Territoriums, nicht von seinem glanzvollen fürstlichen Repräsentanten her aufzuhellen, sondern von einer Persönlichkeit zweiten Ranges. Gemessen an den farbenprächtigen Bildern der adeligen Reichskirche und Reichsprälaten, mag das Leben und Wirken der Weihbischöfe farblos, arm an augenfälligen Ereignissen und daher einer eingehenden Darstellung unwürdig erscheinen. Ihr Wirken vollzog sich nicht in glanzvoll repräsentativen Räumen, nicht in prunkvollen Auftritten und festlichen Empfängen, nicht auf der Bühne der großen Politik und in welthistorischen Verantwortungen. Es verliert sich auf weite Strecken in der Anonymität des Alltags, ist daher auch schwerer geschichtlich zu fassen als jenes der geistlichen Fürsten aus den großen Dynastien des Reiches und erscheint dennoch für eine objektive Bewertung der Reichskirchengeschichte kaum weniger bedeutungsvoll.

Das Leben und Wirken Langwerths von Simmern fand bislang wenig Beachtung. Eine ausführlichere Darstellung erfuhr es lediglich durch Heinrich Freiherrn Langwerth von Simmern in dessen Schrift „Aus Krieg und Frieden". Unter dem Titel "Ein katholischer Prälat um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts'. Gottfried Weiprecht Langwerth von Simmern" versuchte der Verfasser, das Leben des namhaften Konvertiten aus seinem Geschlecht an Hand von Briefen und Notizen im Familienarchiv nachzuzeichnen. Soweit auf die Regensburger Tätigkeit des Weihbischofs eingegangen wird, stützt sich der Verfasser auf schriftliche Mitteilungen des Spitalpfarrers Johann Angerer (um 1880). Hierbei haben sich zahlreiche Missverständnisse und Irrtümer in die Darstellung eingeschlichen.

Mein Beitrag stützt sich im wesentlichen auf eine Arbeit Karl Hausbergers, die im Wintersemester 1971/1972 von der Katholischen Theologischen Fakultät der Universität München als Doktor Dissertation angenommen wurde und auf dessen "Geschichte des Bistums Regensburg - Vom Barock bis zur Gegenwart" (ISBN 3 7917 1188 1).

[Die Familie und das Elternhaus]

Quellen:
Erwin Faust - Gottfried Langwerth von Simmern,
David M. Cheney "The Hierarchy of the Catholic Church"