
Gottfried Langwerth von Simmern war Wohltäter der Armen
1969 war es genau dreihundert Jahre her, dass der spätere Regensburger Weihbischof Gottfried Johann Weiprecht Langwerth von Simmern auf der Hattenheimer Burg der Langwerths geboren wurde.
Durch die Heirat seines Großvaters mit der überzeugten Protestantin Maria Philippa von Grorod (vom Hof Grorod bei Schierstein) wurde die bis dahin katholische Familie protestantisch. Es muss den jungen Weiprecht viele Schwierigkeiten gekostet haben, bis er seinen Lieblingswunsch, zu konvertieren und auch noch dazu Karthäuser Mönch zu werden, erfüllen konnte. Sein Pate, der damalige Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim, hat ihm wohl dabei geholfen.
Gottfried, wie er sich dann nannte, muss ein ganz außergewöhnlicher Schüler und Geistlicher gewesen sein, weil er (was damals bestimmt viel bedeutete) mit 23 Jahren bereits vor Papst Innozenz XII. und dem gesamten Kardinalskollegium predigen durfte. Nun soll allerdings die Verwandtschaft, die seinen Übertritt missbilligte, recht stolz auf ihn gewesen sein. Er wollte aber nicht mehr viel vom Rheingau wissen und ist einzig nach dem Tode seiner Mutter, die in der protestantischen Kirche in Schierstein beigesetzt wurde, nur noch einmal Hattenheim zurückgekehrt. Schon damals muss er sich seinen Gedenkstein in der Hattenheimer Kirche bestellt haben, der dann sogar schon zu seinen Lebzeiten anno 1730 dort errichtet wurde. Seine Bitterlichkeit gegen die Heimat spricht sich deutlich in der Inschrift seiner mit Langwerther Wappen gezierten Grabtafel aus, die wie folgt lautet:
»Aus dem Vaterland verbannt, lebte ich und hatte die Welt verlassen. Das ist der Grund, warum Du dieses Grab leer siehst (Er soll, wie überliefert ist, nach seinem Tod im Jahre 1741 in Kapuzinerhabit gehüllt, in der Kapelle ‚Unseres Herren Rast’ bei Regensburg begraben sein). Die Inschrift geht weiter: »Dieses Denkmal der Erinnerung habe ich zum Gedächtnis des Hinscheidens zu Lebzeiten gesetzt im sechzigsten Lebensjahre. Du, der Du hier vorübergehest, wünsche Dir und mir eine selige Ruhe im Vaterland und lebe wohl«
Nun müssen, nachdem das Lebensende des Regensburger Weihbischofs Langwerth von Simmern bereits vorweggenommen ist, auch noch die Zwischenstationen seines Wirkens und seines Aufstiegs kurz dargelegt werden, um ein vollständiges Bild dieses bedeutenden Sohnes unserer Heimat zu gewinnen.
Wir haben ihn 1717 beim Tode seiner Mutter verlassen. Damals war er bereits Domherr in Erfurt und Visitator der gesamten Diözese. Er hat diese Ämter bereits ein Jahr nach seiner Priesterweihe mit 30 Jahren ausgeübt. Kurz darauf ist er dann Weihbischof der gleichen Diözese geworden. Nun hat er, der trotz eines hohen Amtes arm wie ein Kapuziner lebte, eine ganze Reihe von frommen Stiftungen aus seiner eigenen Tasche finanziert. Wir lesen vom Druck eines Armen Katechismus, von dem er 10.000 Exemplare an Bedürftige verschenkte, von der Gründung eines Waisenhauses in Regensburg, in dem er die Waisen mit Weben und Schreinern beschäftigte. Es soll dort noch eine von ihm selbst gezimmerte Hobelbank vorhanden sein. Ein theologisches Seminar, verschiedene Armen und Altershäuser, Armenschulen und Krankenhäuser hat er gegründet.
Er muss bei alldem ein Spargenie gewesen sein, denn als man ihn nach der Herkunft der vielen Gelder fragte, die für dieses Stiftungen notwendig seien, gab er zur Antwort: »l. Als ich hierhergekommen, bin ich lange Zeit in die Kost gegangen mit einem Bedienten; 2. habe ich in den ersten Jahren keine Pferde gehalten; 3. sehr sparsam gelebt. Keine Weibsgeziefer in Diensten gehabt, sondern Diener, die Weiberarbeit samt Kochen und Nähen verrichtet haben; 5. anstatt Gastereyen zu geben, arme Waisen gespeiset.« Es passt zum Bild dieses Wohltäters der Armen, das er noch als Weihbischof in seinem Garten in einer engen Klosterzelle als Kapuziner in der äußersten Armut gelebt hat.
Hedwig Witte, Kiedricher Autorin und Chronistin des Rheingaus
† April 1991, im Alter von 85 Jahren
Auszüge aus dem Buch "Rheingauer Gestalten, gestalten den Rheingau", von Hedwig Witte und Rolf Göttert.