Schon seit dem ausgehenden Mittelalter steht der Weinbau an den Südhängen des Taunus, wo der Rhein in majestätischer Breite von Osten nach Westen fließt und das Sonnenlicht wie ein Spiegel auf die Rebhänge lenkt, in üppiger Blüte. Die Römer waren es, die die Reben nach dem Norden und somit auch in den Rheingau brachten. Das beweist ein bei Kiedrich gefundenes Winzermesser. Die Franken haben dann den Weinbau weiter fortgesetzt.
In Hattenheim werden schon 1211 im Güterverzeichnis schon 14 genannt. Die Bedeutung des Weinbaues für die Bevölkerung spiegelt sich auch in ihren religiösen Zeremonien. So wurde um 1600 um die Mitternacht vor dem Urbanstag (25. Mai) mit allen Glocken geläutet und das Bild des Heiligen aufgestellt mit Reblaub geschmückt. Morgens um 4 Uhr wurde es wieder zurückgeholt. Der Besitzer des Weinbergs, wo dieses Bild aufgestellt war musste zum Dank den Urbansmännern in einer Wirtschaft ein Essen mit Wein geben. Nach dem Volksglauben war das am Urbanstag herrschende Wetter für die weitere Entwicklung der Trauben maßgebend. Bei schönem Wetter also wurde das Bild des Heiligen im Weinberg aufgestellt, wenn es aber regnete stellte man es in den Rhein. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Weinernte derart schlecht, dass aus Hattenheim zehn Familie nach Neusüdwales in Australien auswanderten, andere gingen nach Amerika.
Danach waren es die Klöster und Kirchengüter, die vom Rheingau aus den Weinbau in Deutschland mit neuen Ideen befruchteten. Nach der Säkularisation übernahmen die großen Adelsgüter diese Rolle, und heute sind es Männer wie Graf Matuschka - Greiffenclau oder Institutionen wie die Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim und die Staatsweingüter in Eltville mit ihren Veranstaltungen in Kloster Eberbach, durch die der Ruf des Rheingauer Rieslings weltweit lebendig gehalten wird.
Noch immer bestimmen die großen Güter, die meisten von ihnen im Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) aktiv, das Bild im Rheingau. Über 300 kleine und große Betriebe vermarkten ihre Weine selbst. Die wenigen Genossenschaften treten kaum in Erscheinung.
Die berühmtesten Einzellagen, ausgezeichnet durch ein besonders günstiges Zusammentreffen von Bodenqualität, Kleinklima sowie Ausrichtung zu Sonne und Rhein, verteilen sich unregelmäßig wie auf einem Fleckerlteppich über die Gesamtrebfläche. Zu ihnen gehören, um nur einige zu nennen, der Rüdesheimer Berg, Geisenheimer Rothenberg, Winkler Hasensprung, Oestricher Lenchen, der 700 Jahre alte Steinberg oberhalb Hattenheims, Erbacher Marcobrunnen am Fluss.
Im Rebsortenspiegel des Rheingaus treten eine ganze Reihe von Namen auf. Aber dem traditionsreichen Riesling, der 80% der Rebfläche bedeckt, ist im Rheingau keine andere Traube ebenbürtig. Selbst Massenträger wie der Müller - Thurgau haben hier keine Chance.
Riesling entwickelt, wenn er ausreifen kann, im Rheingau den Duft und den saftigen Fruchtgeschmack eines Sonnenreifen Apfels. Ein eher niedriger Alkoholgehalt schenkt ihm Eleganz und ein harmonisches Spiel von Frucht und Säure, besonders wenn der Winzer ihm einen Hauch von Restsüße belässt. Große edelsüße Beeren- und Trockenbeerenauslesen sind selten, überwältigen dann aber durch Frucht und Aromafülle. Ihre Langlebigkeit ist legendär.
Spätburgunder ist die Spezialität von Assmannshausen. Der früher bevorzugt lieblich ausgebaute Wein wird heute vom dortigen Staatsweingut auch in trockener, tanningeprägter Fassung angeboten und zeigt in dieser Form bemerkenswerten Adel.