Am 27. Juli 1906 wurde der erste "Verschönerungsverein Hattenheim" aus der Taufe gehoben. Wie in jedem Verein hatte auch dieser mit Anlaufschwierigkeiten zu tun. Man hatte sich zur Aufgabe gemacht, vor allem im Hinblick auf den zu erwartenden Fremdenverkehr, die Rheinuferlandschaft insbesondere zu verschönern.
Hier das Protokoll der Gründungsversammlung:
Protokoll über die erste, zwecks Gründung eines Verschönerungsvereins für Hattenheim abgehaltenen Versammlung.
Angeregt durch die vielen Beispiele und Erfolge anderer Verschönerungsvereine der Umgegend, sowie auf Veranlassung seitens vieler Hattenheimer Einwohner zur näheren Besprechung und Gründung eines Verschönerungsvereins für den hiesigen Gemeindebezirk durch Herrn Bürgermeister Heimes auf heute, Freitag, den 27. Juli 1906 Abends 8:30 Uhr in den Rathaussaal wurde folgendes geleistet.
Nachdem Herr Bürgermeister Heimes mit kurzen Worten auf die Zweckmäßigkeit eines solchen Vereins hingewiesen hatte, wurde die Anfrage gestellt, wie eine evt. Vereinsgründung seitens der Erschienenen aufgenommen werde, worauf sofort 24 der erschienenen Herren den Beitritt erklärten. Damit konnte der Verein als ins Leben gerufen angesehen werden. Im weiteren Verlaufe der Diskussion wurde über die zu bestimmenden Statuten gesprochen. Diese sollen jedoch erst in nächster Sitzung endgültig festgelegt werden. Sodann wurde ein provisorischer Vorstand, welcher aus den Herren: - Bürgermeister Heimes
- Kaufmann Wilhelm Schmidt
- Gastwirt Balthasar Reß
- Jean Claudy
besteht, durch Akklamation gewählt. Hierauf fragte Herr Bürgermeister Heimes an, ob seitens der Anwesenden noch irgendwelche Wünsche oder Anträge gestellt werden, und als sich niemand zum Worte meldete, wurde die Versammlung vom Vorsitzenden mit der Bitte geschlossen zur nächsten Versammlung am Freitag, dem 3. August 1906 Abends 8:30 Uhr recht zahlreich zu erscheinen und auf den Beitritt weiterer Mitglieder nach Möglichkeit hinzuwirken, welchem auch bereitwillig zugestimmt wurde.
gez. Wilh. Schmidt B. Reß Heimes
In der dann folgenden konstituierenden Sitzung wurde Lehrer Köppler zum Kassierer und Schriftführer, August Ettingshausen und Peter Eisenhuth zu Beisitzern gewählt. In der Sitzung vom 6. September wurde beschlossen: - Am Eberbacher Weg auf der Höhe am Kreuz einen Ruheplatz zu erstellen, durch eine einfache Schutzhütte mit Bäumen herum. - Eine Bepflanzung des Reservoirs mit niedrigem Buschwerk, und dort eine Anlage eines Aussichtsplatzes zu schaffen. - Den kahlen Steigturm der hiesigen freiwilligen Feuerwehr mit Kletterpflanzen zu begrünen. Weiter sollte eine Ruhebank am Schloss Reichardshausen erstellt werden und dem Aussichtspunkt auf dem Boss mehr Beachtung zukommen zu lassen. Das Pflanzen von Bäumen von der Pfarrstraße zum Rhein wurde ebenfalls erwogen.
Schon bald nach der Gründung wurde der Antrag an das königliche Wasserbauamt in Bingerbrück gestellt, am Rhein entlang auf strom-staatlichem Gelände 4 Ruhebänke aufstellen zu dürfen. Für die Benutzung des stromstattlichen Geländes mussten jährlich 3,00 Mark durch Vermittlung der königlichen Kreiskasse an die königliche Regierungshauptkasse in Koblenz gezahlt werden. Die Genehmigung hierzu wurde bis 1920 begrenzt. Die Postamente für die Ruhebänke und den Platz herrichten wurden Gefangene der Staatlichen Haftanstalt in Kloster Eberbach durchgeführt.
Auf eine Eingabe des Bürgermeisters Heimes auf Ermäßigung der Gebühren vom 31. März 1914 entschied das königliche Wasserbauamt gütig, eine Herabsetzung auf 1,00 Mark pro Jahr.
1925 begann man mit der Anpflanzung von Bäumen am Sportplatz (damals unter dem Anwesen Wachendorff und der Gärtnerei Gerster.) Da der Weg zur Landebrücke bei Hochwasser nicht mehr begehbar war, wurde dieser entsprechend aufgefüllt.
In der Sitzung vom 24. Juli 1926 war man sich einig, dass man sich zweckmäßigerweise mit dem Verkehrsverein Hallgarten zusammenschließen müsse. Man war sich auch darüber klar geworden, dass die Dorfstraße den zunehmenden Autoverkehr nicht mehr bewältigen könne. Eine Straße nach Hallgarten hinter der Hülsenfabrik wurde auch besprochen.
Am 12. Dezember 1927 erhält die Gemeinde vom Bezirksausschuss die Erlaubnis "aufgrund des § 285 Abs. 2 Ziff. 1 und § 287 Abs. 1 des Wassergesetzes vom 7. April 1913 zu den im Hochwassergebiet des Rheins am rechten Ufer bei Hattenheim zwischen dem Stromstationen km 13.200 und 13.875 auszuführenden Baumpflanzungen und der Geländeaufhöhung hinter dem Agenturgebäude längs des Altangrabens sowie der Aufstellung von 2 Ruhebänken oberhalb des Agenturgebäudes nach Maßgabe der mit dieser Urkunde durch Schnur und Siegel verbundenen 2 Zeichnungen die deichpolizeiliche Genehmigung unter folgender Bedingung erteilt:
Die Bäume dürfen nicht dicht gepflanzt, sondern es müssen größere Zwischenräume vorhanden sein."
1929 holte man die Genehmigung zur Pflanzung von 6 Linden am Ufer in östlicher Richtung ein. Entlang des Althangrabens wurden 8 Pappeln gesetzt und weitere 4 am Auweg. Entlang des Auweges kamen 7 Pappeln zu beiden Seiten zur Anpflanzung, sowie 3 Pappeln nördlich des Agenturgebäudes.
1930 nahm der Verkehrsverein folgende Vorhaben noch in Angriff: am Garten der Gärtnerei Gerster - 2 Lindenbäume, ca. 125 m unterhalb 2 Trauerweiden (hochstämmig), ca. 125 m unterhalb der Badetreppe - 2 Silberpappeln, und unterhalb der großen Akazien - 2 Pappeln. Sponsor für diese Bäume war Herr Carl Ress.
1928 pflanzte man unterhalb der Grundstücke Gossi und der Weinhandlung Ress Kastanienbäume und auf dem Weg zum Rhein Platanenbäume.
1930 mussten dann die Bänke erneuert werden. Auch da ging der Papierkrieg munter weiter. Am 12. Februar 1928 drängt der Besitzer des Hotel Ress, Herr Karl Ress, auf Beseitigung von 2 Bäumen vor seinem Balkon, da seine Gäste keinen freien Ausblick zum Rhein hätten. Ersatzweise wollte er auf seine Kosten 5 Bäume am Sportplatz pflanzen lassen. Die Aufstellung einer Bank durch den Verschönerungsverein, dessen Mitglied er ja war, lehnte er aber kategorisch ab. Er schlug weiter vor auf dem Bleichplatz vor seinem Gelände eiserne Pfosten für das Anbringen von Wäscheleinen auf seine Kosten.
1931 wurde der Althangraben oberhalb 300 m zugeschüttet wegen der enormen Mückenplage nach Hochwassern. Am Auslauf zum Rhein wurde ein Schieber angebracht, um das schnelle Steigen des Wassers abzumildern. Im gleichen Jahr wurde der Neubau der Leinpfad oder Traidelbrücke über den Leimersbach getätigt.
Die letzte Generalversammlung erfolgte am 1. März 1934 im Gasthaus Noll. Dies ist auch das letzte Protokoll des Vereins. Erst am 6.12.1952 hat Bürgermeister Eskelund die Hattenheimer zur erneuten Gründung eines Verkehrs- und Verschönerungsvereins aufgerufen. Etwa 45 Gastwirte, Handwerker und Bürger Hattenheims waren gekommen. Es wurde von allen Seiten begrüßt, dass wieder ein Verein entstehen soll, der sich um die Verschönerung von Hattenheim zum Zwecke der Fremdenwerbung kümmern wolle. Aber bereits am 6.12.1952 trat der Vorsitzende Reß zurück. Damit war das Schicksal des Vereins schon wieder besiegelt. Bürgermeister Eskelund berichtet an den Landrat: "......Heute zeigen all diejenigen, die zum Teil vom Fremdenverkehr leben, keinerlei Interesse an der Mitarbeit und Erhaltung des Fremdenverkehrs. Offensichtlich resultiert diese passive Haltung der infrage kommenden Bevölkerungsteile aus der Überzeugung, dass auch ohne Werbung die Gaststätten und Hotels besucht würden und die Zimmer in der Saison belegt sind......."
Am 30.12.1964 regte der Steuerinspektor a. D. Ernst Sell an, es doch noch einmal zu versuchen. Der Versuch scheiterte erneut, da nur 7 Personen anwesend waren. Ein neuer Anlauf wurde am 28. Juni 1967 genommen. Da dieses Mal 33 Bürger der Einladung Folge leisteten, kam es dann endgültig zur Gründung des neuen Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Vorsitzender wurde Heinrich Gerhard jun. Man befasste sich mit der Ausrichtung eines Weinfestes in Hattenheim. In der Folgezeit bemühte man sich um die Erstellung eines Fremdenverkehrsprospektes. Beim ersten Weinfest soll auch eine Hattenheimer Weinkönigin gekürt werden.