In furchtbar wütend Schrecknis ist der Krieg; die Herde schlägt er und den Hirten.
Der Erste Weltkrieg hatte auch von den Bürgern Hattenheims einen hohen Blutzoll gefordert. Viele Familien waren betroffen.
Folgende Krieger waren auf den Schlachtfeldern Europas geblieben: Albert, Josef Bender, Jakob Burkhard, Anton Distel, Wilhelm Doufrain, Franz Doufrain, Johann Eger, Johann Ettingshausen, Jean Ettings-hausen, Fischer, Emil Gerhard, Joh.II. Gerster, Heinrich, Gerster, Martin, Hausmann, Nik. Herke, Andreas Herke, Johann, Herke, Josef, Herke, Karl, Hermann, Anton, Hermann, Aug.Horne, Tobias Jung, Heinrich Jung, Peter Keipinger, Johann Köppler, Heinrich Köppler, Theodor Leis, Emil Molitor, Jakob Münch, Peter Rau, Hans Rübenach, Wilh.Struppmann, Bapt.Wagner, Johann Weisel, Jakob Wilhelm, Friedrich Wolf, Georg Wolf, Thomas Wolf.
Nach dem Kriege etablierte sich ein Krieger- und Militärverein, der alle Veteranen erfasste. 1932 stellte dieser durch den Vorsitzenden, Bahnhofsvorsteher Jung, an die Gemeinde einen Antrag auf Errichtung eines Kriegerehrenmales am Rhein, dass er auf seine Kosten errichten wolle. Die Gemeinde machte einen Ersatzvorschlag. So sollte die Kapelle auf dem Friedhof in ein Ehrenmal umfunktioniert werden. Doch der Verein setzte sich mit seinem Vorhaben durch und am 26.09.1932 wurde seitens des Bezirksausschusses in Wiesbaden die Genehmigung erteilt, da auch strompolizeilich keine Bedenken vorlagen. Auch hatte die Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim in ihrem Gutachten folgendes festgestellt:
Der Denkmalsplatz liegt in einer so großartigen, heroischen und sogleich lieblichen Landschaft, dass nur diese für die Gestaltung der Umgebung sein kann.
Das Ehrenmal wurde erbaut vom Maurermeister Karl Steinheimer aus Hattenheim. Das Baumaterial wurde aus den Steinbrüchen bei Neudorf (Martinstal) und Hahn herbeigeschafft. Rund um das Denkmal wurden zahlreiche Pappelbäume gepflanzt. Die alte 1848er Eiche umrahmte das imposante Bild.
Am 4. Dezember 1932 konnte dann dieses Denkmal, das der Bildhauer Friessdorf entworfen hatte, eingeweiht werden.
Zur Feier des Tages hatte ganz Hattenheim reichen Fahnen- und Blumenschmuck angelegt. Sämtliche Ortsvereine waren vertreten. Die Ehrenjungfrauen trugen eine große Tannenzweiggirlande. 20 Kriegervereine aus der Umgebung waren mit ihren Fahnen vertreten.
Nach einem Dankgebet durch die Freiwillige Feuerwehr spielte die Kapelle "Ich hat‘ einen Kameraden". Dann erfolgte die Übergabe durch Herrn Bürgermeister Dr. Kranz. Es schlossen sich Ansprachen von Landrat Dr. Mühlhens, Pfarrer Weckbecker und Pfarrer Hopf an.
Das Denkmal sollte ein Mahner für die Lebenden zur und zum Zusammenhalten in Notzeiten sein. Das Gelände hatte Rheinlandkommissar und Botschafter a.D. Freiherr Langwerth von Simmern gestiftet. Das Denkmal, errichtet aus Sammlungen des Krieger- und Militärvereins, zu denen die ganze Gemeinde opferfreudig beisteuerte besteht aus Sand- und Bruchsteinen und trägt die Inschrift "Die Treue ist das Mark der Ehre."
Die Begrüßungsansprache hielt Bahnhofsvorsteher Jung erhebende Worte zum Gedenken an die Gefallenen, die in Feindesland ruhten. Böllerschüsse und Glockengeläut untermalten die Feierlichkeit. Pfarrer Weckbecker sprach dann unter dem Leitgedanken: "Die Treue ist das Mark der Ehre"; den gefallenen Helden des Weltkrieges gebühre vor allem Dank dafür, dass sie in siegreichen Zügen den Krieg in Feindesland getragen und durch ihre Heldentaten den deutschen Namen in aller Länder Mund gebracht hätten, besonders aber dafür, dass sie unser Land vor den Gräueln des Krieges bewahrten. Vielfach würden die Taten der Frontkämpfer nicht ins rechte Licht gesetzt, vor allem nicht das unterstrichen, was unsere Soldaten an Herzeleid und Strapazen zu ertragen hatten. Man denke nicht in der rechten Weise an die Schmerzen der Verwundeten, von Granaten Zerrissenen, der Verschütteten, der Untergegangenen in den U-Booten und auch zu wenig an die Sorgen der Männer und Jünglinge, als sie erfuhren, dass ihre Lieben in der Heimat nicht mehr richtig versorgt werden konnten und als sie im Urlaub bleiche Gesichter und hohlwangige Kinder sahen. Wenn wir der Millionen von Kriegsgräbern gedächten, dann sei s vor allem unsere Aufgabe, dahin zu wirken, dass dem Moloch Krieg keine neuen Hekatomben von Opfern an Menschenleben gebracht würden. Ein Krieg könne über das beste Volk hereinbrechen, und dann sei es seine Pflicht, Leib und Leben für das Vaterland einzusetzen."
Wenn man bedenkt, dass nach diesem Völkerringen bei Arras französische Frauen, im Gedenken an die Heldentaten deutscher Frontkämpfer, ein Mahnmal errichteten mit der Aufschrift: "Dem Gedenken der deutschen Soldaten, die von ihren Lieben beweint werden", so kann man im Nachhinein die Worte des Pfarrers Weckbecker richtig verstehen.
1936 wurde die Anpflanzung von Ligusterhecken am neu erbauten Kriegerehrenmal durchgeführt.
1938 wurden 11 Lindenbäume oberhalb von Schloß Reichardshausen gepflanzt.
Aber alle großen Worte waren nach zwanzig Jahren wieder vergessen, als der Zweite Weltkrieg ausbrach und wieder unzähliges Leid über die Menschheit, insbesondere uns Deutschen brachte. Deshalb war es verständlich, dass die Gemeinde dieser gedachte und entsprechend an der Frontseite des Ehrenmals zwei Tafeln mit den Namen der Gefallenen angebracht. Die Einweihung erfolgte dann am 10. September 1953. Und hier die 57 Namen, die auf den beiden Tafeln zu lesen sind: Albert, Josef Arand, Karl-Heinz Alt, Karl Alt, Robert Arnold, Heinrich Arnold, Peter Becker, Franz Josef Berg, Adalbert Berg, Kurt Berg, Jakob Besier, Anton Besier, Johann Binder, Walter Claudy, Franz Claudy, Johann Diefenhardt, Ludwig Doufrain, Jakob Engelmann,Fr. Ettingshausen, Karl Faust, Johann Foerster, Erich Ettingshausen, Kasp. Gerhard, Hermann, Günther, Joh. Herke, Nikolaus Horne, Heinrich Jäger, Josef Keipinger, Willi Keipinger, Johann Kleinz, Ludwig Knapp, Wilhelm Krack, Karl Krahn, Valentin Kremer, Christoph Leis, Hans Nägler, Kaspar Molitor, Gottfried Petry, Franz Rau, Anna Renz, Heinrich Schäfer, Kurt Schlitt, Josef Schmitt, Karl Schöller, Hch. Schücker, Karl Sterzel, Valentin Strieth, Josef Vogt, Karl Vollrath, Wilhelm Weisel, Franz Windolf, Otto Windolf, Joh. Windolf, Peter Wagner, Herbert Wolf, Georg Pfeffer, Karl Wolf, Nikolaus Wolf, Peter Heimes, K.W.
Zum Jahresende 1996 griff die VdK-Ortsgruppe Hattenheim das Thema der im Zweiten Weltkrieg vermissten Soldaten auf und wandte sich an den Bürgermeister Herrn Hoffmann, mit der Bitte für diesen Personenkreis ebenfalls eine Gedenktafel zu installieren, da nach über 50 Jahren nicht mehr mit einer Rückkehr zu rechnen sei.
Am 27.02.1997 erhielt der VdK Antwort, in der signalisiert wurde, dass die Stadt Eltville dies nachzuholen gedenke. Allerdings wurde der Vorschlag unterbreitet die Inschrift "Den Opfern von Krieg und Gewalt" anzubringen. Das wurde auch damit begründet, dass der Stadt die entsprechenden Finanzmittel fehlten für eine namentliche Aufzählung. Da es im Grunde darum ging, die auf den Namenstafeln der Gefallenen nicht verzeichneten Vermissten, auch von den in Hattenheim lebenden heimatvertriebenen Familien, in gewisser Ehrfurcht zu gedenken, musste die vorgeschlagene Inschrift abgelehnt werden. Stattdessen wurde folgender Schriftzug vorgeschlagen: "Den vermissten Soldaten des 2. Weltkrieges 1939 – 1945." Bei der Anbringung der Tafel war der Schriftführer des VdK, Val. Statzner persönlich zugegen. Am Volkstrauertag 1997 wurde im würdigen Rahmen die Tafel enthüllt. Bürgermeister Hoffmann hatte die feierliche Übergabe übernommen. Für den VdK- Hattenheim sprach dessen Beauftragter Valentin Statzner: Meine Damen und Herren, wir sind heute hier um einen Akt zu vollziehen, der eigentlich lange überfällig ist. Bei der damaligen Erstellung der Ehrentafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges konnte man die Namen der Vermissten noch nicht aufnehmen, da immer noch die Hoffnung bestand, dass der eine oder andere doch noch zurückkehren würde. Wir sind dem Herrn Bürgermeister und dem Magistrat dankbar, dass durch die Anbringung einer Gedenktafel nunmehr auch dieser Personenkreis seine Würdigung erfährt. An fehlenden Finanzmitteln scheiterte allerdings die namentliche Aufführung dieser Kameraden. Wir wollen sie daher heute zur Verlesung bringen: Baronky, Josef Barth, Heinrich Berg, Ludwig Bläser, Adam Bingler, August Destree, Jakob Elpas, Jakob Fiebinger, Franz Follrich, Karl Gebert, Anton Geier, Hermann Günther, Hans Horne, Hans Horne, Max Hoppe, Johann Heidenwälder, Helm. Jacoby, Johann Krahn, Val. Kurth, Ludwig Lebert, Karl Lutz, Karl Lidzba, Alfons Ludwig, Herbert Magerl, Georg Mack, Anton Mürdter, Karl Nucklies, Heinz Peters, Heinrich Pfromm, Hans O. Reich, Otto Ruchow, Manfred Süß, Charlotte Schmidtke,Gertr. Schäfer, Hch. Schäfer, Kurt Seifert, Walter Strieht, Jakob Simon, Johann Schneider, Hans Vollrath, Johann Wengh, Matthias Wenzl, Eduard Wenzl, Wilhelm Weiser, Adolf
Wenn wir uns heute hier versammelt haben, so nicht um dem Unseeligen Krieg in Erinnerung zu rufen, sondern um unseren gefallenen und vermissten Kameraden zu gedenken. Es gibt in der menschlichen Gesellschaft so mancherlei Begriffe als Ausdruck gegenseitiger Verbundenheit, seelischer und moralischer Beziehungen aus verschiedenen Motiven heraus, bedingt durch das Geschehen, durch prägende Umweltverhältnisse, wie die Liebe, die Freundschaft, die Kollegenschaft. Die größte Gemeinschaftsäußerung des gegenseitigen Zusammenhalts, der gegenseitigen Hilfeleistung war und ist ohne Zweifel die Kameradschaft. Die Bedeutung der Kameradschaft ist so eindringlich und immens, dass sie für den, der sie echt erlebt, unauslöslich in der Erinnerung und im seelischen Empfinden bleibt. Jede Kameradschaft entsteht durch engste seelische Verbundenheit, durch die Widerstandskraft und den Behauptungswillen und unter dem Druck außergewöhnlicher Verhältnisse und Umstände. Sie bedeutet damit die instinktmäßige, sittlich veredelte Einstellung zur Lebensbejahung und Lebensbehauptung um überhaupt imstande zu sein, bedrohliche und gefährliche Lebenslagen zu meistern und zu überbrücken. Wie hätten wir sonst bei all den Gefahren und Umständen damals überhaupt überleben können. Kameradschaft entstand im Toben der Schlachten, im Stöhnen der Verwundeten, im Seufzen der Sterbenden. Sie findet ihre höchste Bedeutung im Rufen: "Kamerad, hilf mir!" und ihren hehrsten Ausdruck im Lied vom guten Kameraden, in der seelischen und moralischen Tuchfühlung des einzelnen mit den Kameraden, die gleiches Los und Schicksal gemeinsam in eben dieser Verbundenheit und Kameradschaft tragen. Nicht umsonst ist dieses Lied, diese kraftvolle und doch wehmütige Abschiedsweise unvergänglich und unsterblich geworden, so dass selbst uns alten Kämpen beim Erklingen dieser Weise die Augen feucht werden, in Erinnerung an das gemeinsam Erlebte. Kameradschaft muss durch unsere Einstellung und Haltung bewiesen und gelebt werden. Diese uns übertragene Überlieferung des Kameradschaftsgeistes tragen wir nicht nur mit der sichtbaren Demonstration gemeinsamer Verbundenheit, sondern über uns allen – Lebenden und Toten – weht die unsichtbare Flagge der Hilfsbereitschaft, die uns gegenseitig verpflichtet, im Geiste echter und treuer Kameradschaft!
Bekennen wir uns auch in Zukunft zur Tradition der Kameradschaft zum Frieden. Wir erfüllen damit zugleich eine tiefe Verantwortung gegenüber unseren gefallenen und verstorbenen Kameraden!"
In den letzten Jahren wurden seitens der Stadt auch zwei Ruhebänke aufgestellt.