Bericht - Mehrere Weine vereinen sich


Mit einem leichten Klingeln schieben sich die Sektflaschen in langen Reihen durch die Produktionshalle. Zuerst werden sie mit einem Plastikkorken verschlossen, dann stülpt eine Maschine die weiße Kappe darauf, schließlich wird das Etikett mit dem unverwechselbaren MM-Initial auf das grüne Glas geklebt. Dann werden die bauchigen Flaschen in Kartons befördert und ab geht´s in den Handel. 115,2 Millionen Flaschen hat das Sektunternehmen Rotkäppchen-Mumm in 2006 an allen vier Kellereistandorten produziert. Dafür sind 80 Millionen Liter Wein erforderlich. \"Hier werden die Grundweine für unsere Sektherstellung angeliefert\", sagt Marketingdirektor Peter Claußen und zeigt auf zwei unscheinbare Stutzen an der Wand direkt am Eingangsbereich zum Hof. Die Grundweine bezieht Rotkäppchen-Mumm hauptsächlich aus Spanien, Frankreich und Italien. Sie müssen die richtige Säure aufweisen und dürfen einen nicht zu hohen Alkoholgehalt haben. \"Beim Sekt merkt man Geschmacksfehler schnell, denn die Kohlensäure öffnet die Geschmacksknopsen auf der Zunge\", erläutert Markus Blum. Beim Markensekt möchte der Verbraucher immer den unverwechselbaren Geschmack auf der Zunge fühlen. Deshalb sei eine gleichbleibende Qualität, Menge und Preis entscheidend, so Claußen. Das sei der Grund, warum nicht so viele Weine aus Deutschland in Frage kämen. \"Im Rheingau ist es allein schon das Problem, eine ausreichende Menge zu bekommen, sagt er. Nach der Kontrolluntersuchung des angelieferten Weins im Labor wird er in den Gewölbekeller gepumpt. Hier werden Weine unterschiedlicher Jahrgänge, Rebsorten und Geschmacksprofile zum Cuvée vereint. \"Das ist die Kunst, diejenigen Weine einzukaufen, die verlässlichen den typischen Geschmack der Marke liefern\", so Claußen. \"Entscheidend ist aber die Zunge unserer Kellermeister.\" Weine werden bei Rotkäppchen-Mumm sowohl in Flaschengärung wie in Großraumgärung versektet. Letzteres wurde erst Mitte der 60er Jahre möglich, als säurefeste Großbehälter entwickelt waren. Durch die zweite Gärung, bei der die Reinhefe den zugesetzten Zucker in Alkohol und Kohlensäure aufspaltet, entsteht der Sekt. Sechs Monate muss der Rohsekt beim in Eltville angewendeten Großraumgärverfahren auf der Hefe reifen. Dabei würden 800 geschmacksgebende Stoffe frei, erläutert Markus Blum. Danach wird die Hefe herausgefiltert und die Versanddosage beigemischt. \"Der Sekt ist auf der Höhe der Qualität, wenn er die Kellerei verlässt, das muss der Konsument wissen\", sagt Marketingdirektor Claußen. Der Sektfreund sollte das schäumende Getränk also nicht lange lagern. Übrigens auch nicht liegend aufbewahren, sondern stehend, möglichst kühl und dunkel. \"Bei gleichbleibender Temperatur hält es sich so etwa zwei Jahre\", so Markus Blum. Auch von den gern verwendeten Tonröhren rät er ab. Die Flasche könnte beim Reinschieben beschädigt werden. \"Selbst durch kleine Beschädigungen an der Oberfläche kann die Flasche platzen.\" Schließlich muss sie einen enormen Druck von acht Bar aushalten. Ein Autoreifen bringt es nur auf drei Bar. Deshalb verwenden die Kellereien nur neue Flaschen, keine recycelten. Die Spitzenzeiten des Sektkonsums liegen tatsächlich im Dezember, sagt Clausen, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als noch in den 80er Jahren. Während damals 40 Prozent des Absatzes im letzten Monat des Jahres über den Ladentisch ging, sind es heute nur noch 17 Prozent.

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