Während Sträucher und Bäume nahe des Rheinufers braun und kahl stehen, beugen sie sich in Kloster Eberbach unter der Last eisiger Reifnadeln. Im engen, bewaldeten Tal des Kisselbachs ist es einige Grad kälter. Wohlig ist die Wärme, die einen empfängt, wenn man aus dem großen Klosterhof in den Konversenbau tritt. Die Laienbrüder im Mittelalter konnten davon nur träumen. Im Winter war das Leben im Kloster damals besonders hart.
Im Laiendormitorium finden heutzutage Veranstaltungen statt, ein Aushang macht auf die nächste aufmerksam: \"Ehrenamtliches Engagement in Gesellschaft und Kirche\" heißt der Vortrag mit Meditation, die die Academie Kloster Eberbach im Rahmen der \"Eberbacher Impulse\" am 2. Januar anbietet.
Ansonsten sind im langgestreckten Konversenbau Büro- und Tagungsräume untergebracht. In der Barocketage sitzt die Verwaltung der Stiftung Kloster Eberbach, zwischen den Jahren allerdings mit reduzierter Mannschaft. 15 Leute seien im Dienst, berichtet Büroleiter Michael Palmen. Sie nutzen die ruhigere Zeit, um Dinge aufzuarbeiten, die im üblichen Trubel liegen bleiben. \"Aber meist schafft man selbst das nicht ganz\", sagt Palmen. Bei ihm wie beim Buchungsservice halten sich nun die Anrufe in Grenzen. Mal werde nach Weinführungen gefragt, mal Tagungsräume für Firmenpräsentationen oder Bankette für das nächste Jahr reserviert.
Eine \"Notbesetzung\" hält die Stellung in den Büros des Hessischen Staatsbauamts. \"Baulich geht im Moment im Kloster gar nichts\", berichtet Heinz-Jürgen Nebel. Die ersten Baufirmen, die an der Sanierung des Klosters arbeiten, gehen erst am 7. Januar ans Werk. Die Arbeit höre aber nicht auf, wenn nicht gebaut werde, sagt Nebel.
Auf dem Klostergelände sind derzeit nur die Gärtner aktiv, sie streuen beispielsweise die Wege. Die Parkplätze am Schlosserbau wie am Osteingang sind nur spärlich besetzt, es dominieren heimische Kennzeichen.
Im Kassenraum trifft man einige Besucher: den Kiedricher Peter Heister, der sich Honig aus dem Klosterladen besorgt wie die Obergladbacherin, die mit ihrem Besuch aus Spanien den Rundgang machen möchte.
\"Viele nutzen die Ferien, manche führen ihren Weihnachtsbesuch ins Kloster\", berichtet Kathrin Wischhusen, die heute an der Klosterkasse sitzt. Sie sei sogar gefragt worden, ob Heiligabend offen sei. Das Gästehaus mit seinen 30 Zimmern ist dagegen um diese Zeit geschlossen. Über Silvester jedoch ist das Haus voll, sagt Melanie Gsimbsl. Den Jahreswechsel in ungewöhnlicher Umgebung verbringen, jenseits von Böller-Knallerei, ist unter eher Ruhebedürftigen offenbar beliebt.
Erstmals sind die Türen der Verwaltung der Stiftung Kloster Eberbach, des Abteimuseums und der restlichen Besucherräume in Kloster Eberbach von Montag, 31. Dezember, bis Samstag, 12. Januar, geschlossen. Dann sollen dringende Maßnahmen der Bauunterhaltung erledigt werden, die ansonsten bei regem Besucherverkehr nicht möglich sind.
Wer die Innenräume des Klosters vor dem Jahreswechsel besuchen will, hat dazu nur noch vom heutigen Freitag, 28., bis Sonntag, 30. Dezember, von 11 bis 17 Uhr Gelegenheit. Führungen bieten die Eltviller Gästeführer am Samstag und Sonntag, 14 Uhr, an.
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