Bericht - spendabler Engländer


Das \"gotische Dorf\" - so der Werbeslogan Kiedrichs - zeichnet sich durch seine außergewöhnliche kulturelle Tradition aus. Aber auch heute noch nimmt Kiedrich eine Ausnahmestellung innerhalb der Region ein. Niedrigste Arbeitslosenzahl Es ist die Gemeinde mit der niedrigsten Arbeitslosenzahl in Hessen, obwohl es keinen Großbetrieb am Ort gibt. Es verfügte als eine der ersten Gemeinden im Rheingau über genügend Kindergartenplätze für jedes dreijährige Kind, eine Betreuende Grundschule, in der zur Zeit 50 Kinder des ersten bis vierten Schuljahres von den ersten Schulstunden an wahlweise bis 16 Uhr betreut werden, so dass berufstätige Eltern ihre Kleinen in guter Obhut wissen. Beispielhaft ist auch die Arbeit des Kinder- und Jugendparlaments, eines der ersten in Hessen. Auch vermag die Gemeinde ihre Bürger mit eigenem Trinkwasser zu einen Preis zu versorgen, vom dem andere Kommunen nur träumen können. Mehr Übernachtungen Gute Karten hat das \"Schatzkästlein der Gotik\" im Fremdenverkehr, nicht zuletzt auch dank des Rheinsteigs. Seit dessen Eröffnung sind die Übernachtungszahlen rasant gestiegen, allein 2006 um über 80 Prozent. Denn die Gemeinde verfügt mit gegenwärtig drei Hotels mit Restaurant, zwei Hotels garni, einer Pension und mit mehreren Vermietern von Fremdenzimmern oder auch Ferienwohnungen über eine intakte Infrastruktur im Tourismus. Auch ausreichend Parkplätze sind vorhanden, beispielsweise an der Sonnenlandstraße, dem so genannten Bürgerhausparkplatz. Die gute Anbindung Kiedrichs für den motorisierten Verkehr an die B 42 hilft zwar dem Tourismus, schafft aber auch Probleme wegen des Durchgangsverkehrs zum nahe gelegenen Kloster Eberbach zu den dort stattfindenden zahlreichen Großveranstaltungen. Die Gemeindevertretung hat sich deshalb einstimmig für den Bau einer Umgehungsstraße ausgesprochen. Dagegen ist beim öffentlichen Personennahverkehr noch keine Lösung in Sicht. Im Gegensatz zu den Gemeinden entlang des Rheins verfügt Kiedrich über keinen Bahnanschluss und ist nur mit Bussen erreichbar, so dass die meisten Pendler in den Raum Wiesbaden/Mainz auf das eigene Auto angewiesen sind. Gotisches Dorf Wie die meisten deutschen Kommunen auch, stöhnt das gotische Dorf unter einer völlig unzureichenden Finanzausstattung: Die Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer stagnieren, die Ausgaben steigen. Um über das Notwendige hinaus auch Wünschenswertes verwirklichen zu können, bräuchte die Gemeinde mehr Geld. \"Wir könnten mal wieder einen Baronet Sutton gebrauchen\", meinen viele Kiedricher, anspielend auf den spendablen Engländer, der im 19. Jahrhundert den Ort in ein Musterdorf verwandelt hatte.

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