Seit zehn Jahren führt Marschollek die Klosterschänke mit großem Erfolg. Das Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert kannte er aber schon vorher - aus seinen Anfangsjahren in Frankfurt: \"Damals war ich oft auf Ausflügen hier.\" Gebürtig aus der Oberpfalz, aufgewachsen im Spessart, ist der gelernte Küchenmeister und Hotelbetriebswirt viel herumgekommen: Dubai und England, Österreich, die Schweiz und der Mittlere Osten. Und 1997 dann schloss sich für ihn ein Kreis, als er die Ausschreibung las und mit seinem besonderen Konzept hier den Zuschlag erhielt. Irgendwie sei er ein bisschen nach Hause gekommen, sagt Marschollek - und ein Zuhause ist das Kloster dann auch tatsächlich geworden: Er lebt mit seiner Familie - die beiden Söhne wurden in den zehn Jahren hier geboren - auch beim Kloster, im alten \"Geisgarten\" aus dem 12. Jahrhundert. Ein wunderbares Gebäude, das er komplett sanieren musste, \"es gab noch nicht einmal eine Heizung.\"
In der Klosterschänke dagegen fand er schon logistische Bedingungen vor. Das ehemalige Stallgebäude der Zisterzienser wurde schon seit Anfang des 20. Jahrhundert gastronomisch genutzt. 1931 war es erstmals saniert worden, später führte die Familie Pfaff die Schänke, 30 Jahre lang.
Zwei Jahre wurde die Klosterschänke bis 1999 umgebaut, seither verwirklicht hier Marschollek sein Konzept: Eine hessische, regionale Küche, auch mit Rheingauer Gerichten. Auch hier bezieht er den besonderen Ort mit ein: \"In diesen Gemäuern kann man doch keine italienische Küche anbieten.\" Stattdessen gibt es Speisen aus der \"Klosterküche\", von denen einige bereits zu Klassikern wurden: Hessische Kartoffelsuppe mit Kräutern, hausgemachte Spanferkelsülze mit grüner Soße, \"Eberbacher Vorspeisentrilogie\", \"Eberbacher Weinfleisch\" und saftiges Hirschkalbsgulasch mit Waldpilzen. \"Bei uns soll sich jeder wohl fühlen\", sagt Mathias Marschollek, \"vom Wanderer bis zum Generaldirektor\".
Und damit beide auch miteinander ins Gespräch kommen, gibt es ausschließlich größere Tische - was zusammen mit den eigens in Oestrich-Winkel von einem Schlosser angefertigten schweren Kerzenständern die klösterliche Atmosphäre dieses großen, wunderschönen Raums unter der Kreuzgewölbedecke noch unterstreicht. Manche haben sich hier schon kennen gelernt, erzählt Marschollek, und dann treffen sie sich gern hier wieder.
Auf rund 50 Prozent beziffert er seine Stammkunden. Und die fragen schon sehr frühzeitig an, was eine weitere Besonderheit der Klosterschänke betrifft: Die berühmte Ente. Von Oktober bis Ende März gibt es zusätzlich die Entenkarte, mit Leberknödelsuppe von der Ente, Entenbratwurst und Quittenkraut, mit einer halben Bauernente aus dem Rohr in zweierlei Variationen. Das erste Wochenende ist meistens Stammgäste-Entenessen, erzählt Marschollek. Und sollte sich jemand danach nicht mehr aufrappeln wollen - seit dem Umbau 1997 stehen auch 30 Hotelzimmer zur Verfügung.
Kein Wunder also, dass zahlreiche Gesellschaften und Hochzeiten hier gefeiert werden. Im Gästehaus können bis zu 120 Personen tafeln, dann gibt es noch den Heuboden für Gesellschaften bis zu 70 Personen und zwei kleinere Konferenzräume. \"Heute feiern viele Gäste hier schon Kommunion mit ihren Kindern, die wir auch zur Hochzeitsfeier hier hatten.\"
Sehr gut kommt an, dass es keinen Ruhetag gibt und quasi rund um die Uhr warme Küche. Waren es früher fünf Mitarbeiter, so sind es in der Hochsaison bis zu 45 - und Hochsaison ist in Eberbach von April bis einschließlich Dezember. Im Sommer kommt zu den 120 bis 150 Plätzen drinnen noch die Bewirtung im idyllischen Klostergarten mit nochmal so vielen Plätzen dazu - und natürlich die rund 30 Konzerte in der Eberbacher Basilika. Wer danach noch Hunger verspürt, kann immer in der Klosterschänke einkehren.
Die ist auch ihrerseits Konzertveranstalter: Vor kurzem organisierte Marschollek zusammen mit Chantal ein Konzert in der Lutherkirche - für Bedürftige - \"das war eine ganz, ganz tolle Sache.\" Ebenso wie sein Einsatz für die Wiesbadener Tafel gehört das für ihn mit zu diesem besonderen Ort: \"Das sind Werte, die aus dem Kloster kommen müssen.\"
Da verwundert es nicht, dass viele jetzt am ersten und zweiten Weihnachtstag (Heilig Abend geschlossen) hier mit ihrer Familie speisen. Das war weit im voraus ausreserviert. Nur für Silvester gebe es noch einige wenige Kapazitäten, sagt Marschollek, der über solche Aktivitäten auch in besonderer Weise selbst informiert: Seit anderthalb Jahren gibt er eine großformatige, kostenlose Kloster-Zeitung heraus. Viermal im Jahr stellt sie nicht nur Neuigkeiten aus der Klosterschänke vor, sondern auch Neues und Historisches aus der Region. Schließlich, sagt Mathias Marschollek, \"sitzen wir nicht hier allein auf dem Berg.\"
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de