Bericht - Provozierend hinauskomplimentiert


Nachdem der Eltviller Magistrat das Aus für die Burghofspiele in der Kurfürstlichen Burg beschlossen und SPD-Fraktionschef Matthias Hannes vehemente Kritik an dieser Entscheidung geübt hat, meldet sich nun der Leiter der Burghofspiele, Bruno Brogsitter, zu Wort. Er wirft der Stadt vor, über ihre \"nebulöse\" Pressemitteilung Halbwahrheiten kund getan zu haben und schildert den Sachverhalt aus seiner Sicht. Während Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) mitteilte, man habe der Geschäftsleitung der Burghofspiele den \"roten Teppich ausgerollt\", aber \"keinerlei Entgegenkommen\" geerntet, erwidert Brogsitter: \"Die Stadt hat zu keinem Zeitpunkt uns gegenüber verbindlich auf die Abgabe eines Euros pro Karte für die Sanierung der Burg verzichtet.\" Ganz zuletzt sei dies zwar \"sehr vage\" in Aussicht gestellt worden, aber nur bei gleichzeitigem Verzicht auf den \"ohnehin äußerst bescheidenen\" städtischen Barzuschuss von 4 000Euro. Dieser Beitrag mache lediglich 0,5 Prozent des Gesamtetats der Burghofspiele aus, werde nur nach Einsicht in den Jahresabschluss geleistet und sei für 2007 noch nicht eingegangen. Zum weiteren Streitpunkt, dem Caterer der Spiele (die Stadt forderte einen Gewinnanteil am Erlös), erklärt Brogsitter: Die Burghofspiele hielten deshalb an dem bisherigen Caterer fest, weil er sie \"in mannigfaltiger Weise kostenneutral unterstützt\" habe, etwa durch Bewirtung der Gastensembles. Auch sei dem Gastronomen nach Abschluss der Burghofspiele im Sommer 2007 schon die Zusage für den Rheingau Sommer 2008 erteilt worden. \"Ein vergleichbarer Sündenfall `Steinberg` war mit uns nicht möglich\", spielt Brogsitter auf die wechselnden Position Kunkels zur Steinberg-Kellerei an. \"Als Banker bin ich es gewohnt, das gegebene Wort einzulösen.\" Frühere Absprachen mit Ex-Bürgermeister Bernhard Hoffmann und dem Magistrat seien \"von beiden Seiten mit großer Verlässlichkeit eingehalten\" worden, Hoffmann habe stets anerkannt, dass Eltville fast zum \"Nulltarif\" zur bundesweit beachteten \"Festspielstadt\" wurde. Bei den jetzt zuständigen Personen der Stadt vermisst Brogsitter den \"angemessenen Respekt\", die Verhandlungsführung sei \"äußerst gewöhnungsbedürftig\" gewesen, man habe es darauf angelegt, dass die Burghofspiele das Handtuch werfen. Brogsitter: \"Provozierend wurden wir hinauskomplimentiert.\" Trotz dieser \"wenig erfreulichen Entwicklung\" bestehe noch eine Chance, dass die geplante Eigeninszenierung von Romeo und Julia im Rheingau Sommer 2008 an einem anderen attraktiven Spielort realisiert wird. Wo, will Brogsitter nicht bekannt geben bevor klar ist, ob es funktioniert. Der Regisseur werde Anfang Januar prüfen, ob die Örtlichkeit für die Aufführungen taugt. Am Namen und Markenzeichen \"Burghofspiele\" werde sich trotz möglichen Ortswechsels nichts ändern.

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