Bericht - Rheingau Musik Festival ist auf Expansionskurs


Michael Herrmann kann sich freuen: Der Intendant und Geschäftsführer des Rheingau Musik Festivals (RMF) wird in Eltville einen \"eigenen\" Konzertsaal mit 750 Plätzen bekommen. Das Land Hessen, die Stadt Eltville, der Kreis und die Festival-Stiftung haben sich, wie berichtet, auf die \"Nachnutzung\" des Hauptsitzes der Staatsweingüter geeinigt. Herrmann erobert aber nicht nur Eltville, auch in Frankfurt wird er aktiv und übernimmt die Konzertdirektion \"Pro Arte\": Expansion auf der ganzen Linie. Im Gespräch kündigt Herrmann den Umzug der Büros aus dem Festival-Weingut in Oestrich nach Eltville an. Auf den Rheinblick wird er dann verzichten müssen, kann sich aber mit viel Platz auf dem Eltviller Terrain trösten: Das 15 400 Quadratmeter große Grundstück an der Schwalbacher Straße soll zum Verkehrswert von 2,6 Millionen Euro an die Festival-Stiftung verkauft werden, sieht die gerade unterzeichnete Absichtserklärung (\"Letter of Intent\") vor. In drei Jahren soll das Hauptgebäude der Staatsweingüter als Konzertsaal genutzt werden können. Schloss Johannisberg würde damit keineswegs als Spielstätte überflüssig werden, meint Herrmann. In Eltville könnten Kammerorchester auftreten, für die Johannisberg zu klein und der Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses zu groß ist. Außerdem plant er ein Winterprogramm im neuen Saal, der auch von der Stadt genutzt werden kann. RMF-Veranstaltungen sollen aber Vorrang haben. In Frankfurt nutzt das Festival den großen Konzertsaal der Alten Oper als Spielstätte. Bei 2450 Plätzen lassen sich hier solche Orchester-Gastspiele finanzieren, die bei 1350 Plätzen im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses kaum zu realisieren wären - und der Rheingau wird zum dehnbaren Begriff. Die Frankfurter RMF-Präsenz wird nun durch die Übernahme der Konzertdirektion \"Pro Arte\" ganzjährig institutionalisiert: Am 5. Januar übernimmt Michael Herrmann den Anteil des bisherigen Pro-Arte-Chefs Gerd Reul, im Mai wird Herrmann selbst Geschäftsführer. Er möchte zwischen Pro Arte und RMF \"Synergien\" nutzen, betont aber, dass es sich um \"finanziell vollkommen unabhängige\" Tätigkeitsbereiche handele. Dass er in der Doppelfunktion als RMF-Chef und Pro Arte-Geschäftsführer \"mehr Macht\" auch in Verhandlungen mit Orchestern und Solisten hat, ist Herrmann sehr bewusst. \"Kollisionen\" wie Auftritte der Tschechischen Philharmonie bei Pro Arte und beim \"Rheingau Sommer\" des Konkurrenten Bruno M. Brogsitter möchte er in Zukunft verhindern. In jedem Fall erweitert der Einstieg bei Pro Arte Herrmanns Spielraum. Er kann jetzt zum Beispiel Gespräche mit großen Orchestern führen, \"die wir im Sommer nicht kriegen\". Ein weiterer Vorteil betrifft die Außenwirkung und die Frage, ob es ihm außerhalb der Festival-Zeit nicht langweilig würde: \"Jetzt kann ich endlich den Leuten sagen, was ich im Winter mache\", sagt der künftige Pro Arte-Chef schmunzelnd.

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