60 Auftritte pro Jahr, schätzt Michael Eisen, absolviert der evangelische Posaunenchor Eltville-Erbach. Davon sicher mindestens die Hälfte in der Weihnachts- und Adventszeit inklusive Martinszüge - Hochsaison also für die Bläsergruppe, die seit über 40 Jahren im Rheingau für musikalische Untermalung von Veranstaltungen aller Art sorgt.
Wir treffen den Musiker, der seit fünf Jahren das Ensemble dirigiert, passenderweise beim Weihnachtsmarkt in Eltville, im Langwerth´schen Hof, wo nach Grußworten von Bürgermeister und Weinkönigin mit festlichem Bläserklang die Veranstaltung eröffnet wird. \"Danach heißt es gleich einpacken und nach Schlangenbad aufbrechen, da spielen wir auf dem nächsten Weihnachtsmarkt\", schmunzelt der aus Wiesbaden-Kloppenheim stammende Eisen, der langjährige Erfahrung im Leiten von Posaunenchören hat.
\"Out\" ist das Blechblasen keineswegs, meint er, nur habe mittlerweile nicht mehr jede Gemeinde ihren kleinen Bläserkreis, wie es früher gang und gäbe war. Davon profitierten aber die Eltviller, die zur Zeit über drei Dutzend Aktive zählen und somit auch in kleineren Gruppen stets spielfähig sind. Hierhin kommen Leute aus dem ganzen Rheingau und auch aus Wiesbaden, die sich musikalisch betätigen möchten. Immer wieder stoßen auch Neuzugezogene hinzu und viele Jugendliche lassen sich ausbilden.
Auch ältere \"Jungbläser\"
Sie haben auch beim Eltviller Weihnachtsmarkt ihren ersten Auftritt als \"Jungbläser\", sagt Eisen, dessen Kollegin Barbara Alban sich um die jungen Leute, derzeit sechs an der Zahl, kümmert . \"Jungbläser\" kann aber auch schon jemand in höherem Alter sein, denn auch als Erwachsener könne man problemlos mit dem Spielen von Trompete, Posaune oder Tuba beginnen, Leihinstrumente inbegriffen. Zu Weihnachten und im Advent ballen sich in der Tat die Termine, \"dann teilen wir uns aber auf\", sagt Eisen, denn allein die Eltviller evangelische Kirchengemeinde hat drei Standorte, die alle an der musikalischen Untermalung durch die Blechbläser interessiert sind. Kleinere Gruppen können jederzeit gebildet werden, das sei der Vorteil einer so großen Aktivenzahl, meint der Dirigent, dem die Tätigkeit viel Freude macht.
Er bildet sich auch immer wieder fort , \"es gibt mittlerweile sogar Seminare für Führungskräfte vom Landesposaunenwerk, man muss da auch psychologisch versiert sein, denn die positive Gruppendynamik ist wichtig\", weiß er. Natürlich werden auch regelmäßig neue Stücke herausgegeben, und die sind nicht immer nur ernster Natur, wie das swingende \"Be bell reader dry egg\", das dem Komponisten, Landesposaunenwart Frank Vogel, im Stau am \"Biebelrieder Dreieck\" eingefallen war.
Die Geschichte der Eltviller reicht zurück bis ins Jahr 1963. Damals fragten sich einige Leute der CVJM-Gruppe Eltville, wie sie sich weiter treffen und gemeinsam etwas machen könnten. Gründungsmitglieder waren Horst Ritter, Hannelore und Wolfgang Fischer, Peter Burg, Inge und Helmut Schmidt, Heiner Kilian, Jürgen und Klaus Wahl. Die meisten davon sind heute noch aktiv. Erster Leiter war Günter Fell, der das Amt bis 2000 ausübte. 1973 fand zum ersten Mal die gemeinsame Adventsmusik mit dem katholischen Kirchenchor von St. Peter und Paul Eltville statt. Eine schöne ökumenische Tradition bis heute. 1976 wurden zum ersten Mal Jungbläser ausgebildet. 1988 wurde das 25-jährige Jubiläum groß gefeiert; auch das 40-jährige Jubiläum im Jahr 2003 war ein ganzes Festjahr wert, berichtet Horst Ritter. Michael Eisen und seine Bläser freuen sich auf jeden Termin in der Adventszeit, auch wenn es anstrengend ist.
Warm anziehen
Aber so schöne \"Events\" wie beispielsweise das Turmblasen in Eltville am 22. Dezember geben der ganzen Gruppe Auftrieb. \"Das machen wir aber nur bei wenig Wind\", lacht der Chorleiter. Strenge Winter wie in früheren Jahrzehnten, \"wenn wir die Ventile auch mal mit Schnaps auftauen mussten\", gehörten aber eher der Vergangenheit an. Nichtsdestotrotz heißt es sich warm anziehen, denn auch hier beim Weihnachtsmarkt im Langwerth´schen Hof pfeift der Wind ganz schön um die Trompeten und Posaunen. Dem musikalischen Genuss tut es keinen Abbruch, das Publikum klatscht begeistert nach jedem Weihnachtslied.
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