Bericht - Deutlich über dem Durchschnitt


Bis zum 10. Dezember waren dem Weinbauamt Eltville, einem Dezernat des Regierungspräsidiums Darmstadt, die Traubenernte- und Weinerzeugungsmeldungen vorzulegen. Auf der Basis von rund 90 Prozent der Rheingauer Rebfläche nennt Weinbauamtsleiter Andreas Booß eine durchschnittliche Erntemenge von 90 Hektoliter pro Hektar. Sie liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 78,7 Hektoliter. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es nur 71,9 Hektoliter und im Jahr zuvor deutlich unter 70 Hektoliter. Die Keller waren leer. Winzer und Kunden haben Nachholbedarf und freuen sich, dass Tanks und Flaschenlager wieder aufgefüllt werden. Weinbau-Präsident Klaus-Peter Keßler geht von einer sehr guten Qualität aus. Die Nachfrage könne gedeckt werden. Nachdem die Preise im vergangenen Jahr gestiegen seien, erwartet Keßler, \"dass sie stabil bleiben\". Der Jung-Fasswein werde derzeit für 1,50 Euro pro Liter gehandelt. \"Es war ein Top-Weinjahr, da führt kein Weg dran vorbei\", sagt Booß. Er hat seine persönliche Bezeichnung für den 2007er schon gefunden und nennt ihn \"Winzertraum\". Denn nicht nur die Menge hat gestimmt. Während der mit 140 Tagen ungewöhnlich langen Reifephase, die durch den relativ kühlen Sommer bedingt war, konnte der Riesling sein Potenzial voll ausschöpfen. Einige Winzer hatten mit der Lese schon am 22. September begonnen, wer allerdings bis Oktober wartete, konnte beim Aroma noch viel herausholen. Im Herbst 2006 mit vielen Niederschlägen und feucht-warmem Klima wäre das Abwarten schief gegangen, in diesem Herbst hat es sich gelohnt. Die Tendenz ist eindeutig: Die Lese beginnt immer früher. Im Vergleich zum 30-Jährigen Mittel mit einem Lesebeginn am 11. Oktober beträgt der Vorsprung inzwischen mehr als zwei Wochen.Überrascht war Booß vom großen Unterschied bei der Riesling- und Spätburgunder-Menge. Beim Weißwein waren es 92,7 Hektoliter, beim Rotwein 77,3 Hektoliter. Er führt dies darauf zurück, dass beim Spätburgunder stärker \"ausgedünnt\" wurde, um die Qualität zu steigern. \"Der Riesling geht bei höheren Erträgen nicht so schnell in der Qualität zurück\", so der Weinbauamtsleiter. Aufgrund der Mostgewichte könnten 90 Prozent der Riesling-Ernte als Prädikatsweine vermarktet werden, beim Spätburgunder 85 Prozent. Booß geht aber davon aus, dass die Winzer nur 50 bis 60 Prozent als Kabinett und höhere Qualitäten verkaufen. \"Kein Winzer kann es sich erlauben zu sagen, ich habe keinen QbA mehr.\" Der Weinbauamtsleiter sieht die Chance, dass in diesem Jahr, vielleicht sogar vor Weihnachten, Eiswein gelesen werden kann. Von den Temperaturen in den letzten Dezember-Tagen wird es aber auch abhängen, ob die Wetterfrösche wieder einen neuen Rekord verzeichnen könnten. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Geisenheim im Jahr 1885 gilt 1994 als das wärmste Jahr im Rheingau. Die Durchschnittstemperatur lag bei 11,5 Grad. In diesem Jahr könnten trotz des durchwachsenen Sommers 11,6 Grad erreicht werden, bestätigt Cornelia Perseke-Ockelmann von der Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes in Geisenheim. Im Supersommer-Jahr 2003 waren es 11,4 Grad. Entscheidend für den diesjährigen Temperaturrekord sind die viel zu warmen Wintermonate.

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