Bericht - Geschmack hat viele Farben


Die Frage, wo Franz Keller, Inhaber der Adler-Wirtschaft in Hattenheim, einkauft, beantwortet der Sterne-Koch auf seiner Homepage unter anderem mit dem Hinweis auf Gewürz-Müller in Wiesbaden. Er ist nicht der einzige zufriedene Kunde des Ladens in der Mühlgasse. \"Ganz normale Hausfrauen\" finden hier, was man zum Würzen, Kochen und Backen so braucht: von A wie Anis bis Z wie Zimt. Auch Ungewöhnliches wie beispielsweise den langen Pfeffer, nach dem ein Kunde vor Jahren fragte. \"Er hatte ein Rezept, in dem dieser Pfeffer vorkam, und wir haben ihm das Gewünschte besorgt\", erzählt Gabriele Rittgardt, deren Eltern 1948 den Gewürzladen eröffneten: zunächst in der Wellritzstraße, dann am Michelsberg. 1970 übernahmen Gabriele Rittgardt und ihr Mann Michael das Geschäft und wechselten in die Mühlgasse. \"Wir haben zwei Angestellte, außerdem helfen unser Sohn und meine 92-jährige Mutter im Geschäft.\" Vom Sohn stammt auch die wunderschöne Homepage mit allem Wissenswerten und einem hauseigenem Adventskalender (www.gewuerz-mueller.de). \"Als mein Vater anfing, gab es Gewürze nur in kleinen Tütchen, aber nicht lose; es war für die Leute ganz neu, dass im Schaufenster Schalen mit verschiedenfarbigen Gewürzen standen, viele dachten, es handele sich um Farbpigmente.\" Salz, Pfeffer, Muskat, Lorbeerblatt, Bohnenkraut, Majoran und Kümmel waren in den 40er und 50er Jahren die hierzulande am meisten gebrauchten Gewürze. Wer kannte schon Pfeilwurz und Cumin? Kein Vergleich zum heutigen Angebot. Es ist eine Freude, sich im Laden umzuschauen. In den Regalen findet man Olivenöle, verschiedene Senfsorten, Weine und Sekte, Teemischungen, französische Schokolade, Nougat mit roten Nüssen, kandierte Rosen- und Veilchenblüten. Täglich von früh halb zehn bis abends um halb sieben sei sie mit Abfüllen von Gewürzen beschäftigt, erklärt Gabriele Rittgardt, die nebenbei noch Zeit zum Malen und Zeichnen findet. Vor Weihnachten soll ein von ihr verfasstes und illustriertes Buch für Kinder und Erwachsene erscheinen und im Laden verkauft werden. Während unsere Adventskalendergruppe über Zitronat und Orangeat fachsimpelt, das hier natürlich ganz original in der Schale verkauft wird und tausendmal besser schmeckt als das gewürfelte Produkt im Plastikbecher, steht die Ladentür nicht still. \"In der Vorweihnachtszeit ist es bei uns rappelvoll.\" Besonders gefragt seien Backartikel und Präsente: nette Dinge, die man essen (oder trinken) kann. Schön findet Gabriele Rittgardt, dass ihre Kundschaft bunt gemischt ist - wie ihre Gewürze.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de