Das Jubiläumsjahr der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Winkel gipfelt nach 15 Veranstaltungen in einem Festgottesdienst am Sonntag, 16. Dezember, um 10 Uhr. \"Das Jubiläumsprogramm haben wir auf ein halbes Jahr gestreckt, denn vor Weihnachten will niemand eine Festwoche machen\", erklärt Pfarrer Johannes Hoeltz. Beim Festgottesdienst predigt Propst Sigurd Rink über genau den Text, mit dem Pfarrer Hans-Dietrich Reimann die Kirche am 15. Dezember 1957 einweihte.
\"Die Gemeinde wurde 1891 gegründet, hatte aber bis 1957 nur einen Betsaal in Oestrich\", berichtet Hoeltz. Erst als die kleine Diasporagemeinde im katholischen Rheingau nach 1945 sprunghaft wuchs, weil vor allem aus Tschechien und der Slowakei Flüchtlinge zuzogen, \"war der Bedarf für eine Kirche da\". Sie entstand samt Pfarrhaus, in das für 30 Jahre der selbst aus Breslau geflohene Reimann zog. Nach Michael Stavenhagen und dem Pfarrerpaar Böhm leiten seit 2005 Hoeltz und die Rheingauer Jugendpfarrerin Elke Stern-Tischleder die Gemeinde.
Statt Flüchtlingen sorgen heute zuziehende junge Familien dafür, \"dass die Gemeinde so offen und lebendig ist\". Nur zwei Dinge änderten sich wirklich im Vergleich zu 1957. Aus 350 Mitgliedern wurden durch stetig mehr Zu- als Abgänge 3600 und es gibt im Gegenteil zu früher ein \"sehr gutes ökumenisches Miteinander\" bis hin zu regelmäßigen gemeinsamen Veranstaltungen. Im Gemeindekindergarten sind sogar 80 Prozent katholische Kinder.
Obwohl sich das Gemeindegebiet über alle Stadtteile bis Kloster Eberbach und den Eichberg erstreckt, \"kommen die Leute gerne her und fühlen sich verbunden.\" Hoeltz braucht nie über eine leere Kirche klagen. Eher werden die Räume knapp. Deshalb steht für die Jugendlichen ein Bauwagen auf der Kirchenwiese, den sie nächsten Sommer ausbauen wollen. Die Kirche sei etwas \"ganz Besonderes\", schwärmt Hoeltz. Durch ihre Riesenfenster ist sie immer hell und freundlich. Dass sie den Blick vom Altar zum Rhein ablenken, störe nicht. \"Bei uns haben Besucher die Freiheit, nach draußen zu schauen.\" Mit der Gemeinde wuchs ihr Angebot. Zu den von Reimann eingeführten Italienreisen, kamen Böhms Fahrten ins Heilige Land und die jetzigen Wanderungen auf dem Jakobsweg hinzu. An Fronleichnam verreisen jedes Jahr 100 Väter mit ihren Kindern. Zum Kindergottesdienst kommen 40 bis 50 Kinder, die Konfirmandenjahrgänge sind stabil etwa 35 groß. Zum Jubiläum will die Gemeinde endlich das schlichte, zusammengewürfelte und abgenutzte Abendmahlsgerät ersetzen. Hoeltz hofft auf Spenden: \"Wir sammeln für zwei Kelche, zwei Teller, eine Obladendose und eine Kanne etwa 15000 Euro.\"
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