Im Rahmen einer Feierstunde wurde gestern in der Staatskanzlei die Goethe-Plakette des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst an Martin Lutz vergeben. Noch während seines Studiums an der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik wurde Lutz 1972 zum Kantor der Schiersteiner Christophoruskirche berufen. Das Amt, das er im Alter von nur 22 Jahren antrat, verwaltet er nun schon 35 Jahre. Dank seines hohen Engagements und der Fähigkeit, neue Akzente zu setzen, immer wieder Raritäten aufzuspüren und der Vergessenheit zu entreißen, hat er das kirchenmusikalische Leben Wiesbadens und der Region nachhaltig bereichert und geprägt.
Die Konzerte der Schiersteiner Kantorei, deren Mitgliedszahl sich unter Lutz´ Ägide von ursprünglich 40 auf jetzt 140 Choristen erhöhte, sind aus dem musikalischen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken und in der Regel schon lange vor dem Konzerttermin ausverkauft. Allein im Jahr 2007 führte Lutz mit seinem Chor in Kloster Eberbach Händels Oratorium \"Saul\", in der Wiesbadener Marktkirche mit der \"Johannes-Passion\", der Messe in h-Moll und der sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums Werke Johann Sebastian Bachs auf, gastierte mit der Kantorei in der Pekinger Bejing Concert-Hall mit zwei Konzerten, profilierte sich auch als Dirigent von Orchesterkonzerten und wirkte bei von ihm konzipierten Kammerkonzerten mit. Die von ihm initiierten und im Abstand von zwei Jahren stattfindenden \"Wiesbadener Bach-Wochen\" mit ihrem 1977 gegründeten Orgelwettbewerb um den Bachpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden finden in Kennerkreisen hohe Beachtung, auch im Ausland sind die Schiersteiner begehrte Gäste, so in Portugal, wo Lutz mit seinen Sängern 1988 zum ersten Mal in Nordportugal Bachs Matthäuspassion aufführte.
1992 fand die erste Veranstaltung des von Lutz mit dem Sänger Scot Weir gegründeten \"Musikherbstes Wiesbaden\" statt, ein zweites Musikfestival, das seitdem mit ausgesuchter Programmgestaltung aufwartet. Der passionierte Chorleiter und Dirigent nimmt sich neben der Interpretation alter Musik auch der Moderne an, ein Höhepunkt war am 8. Mai 1995 die Aufführung von Benjamin Brittens \"War Requiem\" im Festakt der Hessischen Landesregierung zum 50. Jahrestag des Kriegsendes.
Zusätzlich zu all seinen zahlreichen Verpflichtungen nimmt Martin Lutz Lehraufträge an der Mainzer Universität und an der Frankfurter Musikhochschule wahr, findet auch noch Zeit, sich der Edition von Kompositionen des 17. bis 19. Jahrhunderts bei den Verlagen Breitkopf und Härtel (Wiesbaden) und Musica Rara (London) anzunehmen - man kann ihn unschwer als Beispiel für einen Künstler bezeichnen, bei dem das von Passion bestimmte praktische Tun auf dem reichen Fundus musikwissenschaftlichen Wissens gründet.
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