Die Vermarktung der Eltviller Burg voranzutreiben und deren Nutzung in geregelte Bahnen zu lenken, das hatte sich Bürgermeister Patrick Kunkel auf die Fahnen geschrieben. Die Stadt möchte die Kosten für die Sanierung ihres Wahrzeichens über die Vermarktung wieder in die Kasse bekommen. Der erste Schritt dazu ist gemacht, der Burgverein hatte die Bewirtschaftung an die Stadt zurückgegeben.
Alles weitere gestaltet sich allerdings schwieriger. Insbesondere bei der vom Bürgermeister und dem Magistrat gewünschten Vereinbarung mit einem wichtigen Nutzer der Burg, den Eltviller Burghofspielen, hakt´s. Der obere Burghof soll den Burghofspielen demnach wie bisher unentgeltlich zur Verfügung stehen. Auch der städtische Bauhof unterstützt sie weiterhin. Bedingung ist allerdings, dass die Burghofspiele die Bewirtung nicht mehr selbst übernehmen, sondern dem künftigen Betreiber der Burg überlassen. Weiterhin soll ein Euro von jeder Eintrittskarte an die Stadt fließen. Das Geld soll für die Burgsanierung verwendet werden.
Beide Bedingungen schmecken weder dem Geschäftsführer Bruno Brogsitter noch dem Vorstand der Burghofspiele gGmbH. Damit werde alles in Frage gestellt, was bisher gute Praxis gewesen sei, kritisiert Brogsitter. Vorstandsmitglied Siegfried Andrae spricht gar von \"Vertreibung\". Zur Unterstützung der Burgsanierung wäre der Vorstand bereit, auf den städtischen Zuschuss von 5 000 Euro zu verzichten. Vehement abgelehnt wird aber ein fremder Wirt. \"Dadurch wird das partnerschaftliche Verhältnis zum Hause Henkell nachhaltig gestört\", befürchtet Brogsitter. Das Sekthaus ist Hauptsponsor der Burghofspiele, in den Pausen wird Henkell-Sekt ausgeschenkt.
Bürgermeister Kunkel sieht das völlig anders: \"Henkell-Sekt kann auch weiterhin ausgeschenkt werden, nur auf den eigenen Caterer sollen die Burghofspiele verzichten.\" Er drängt auf Abschluss der Vereinbarung, am Dienstag wolle der Magistrat das Thema abschließen. \"Der Geschäftsführer hält uns seit August hin\", ärgert sich Kunkel.
Auch Brogsitter möchte bis 15. Dezember klare Verhältnisse. Der Regisseur, der für Shakespeares \"Romeo und Julia\" vorgesehen sei, brauche Gewissheit. Unter den bewährten Bedingungen würden die Burghofspiele vom 12. Juli bis 20. August 2008 wieder im Eltviller Burghof Theater spielen.
Wer die Bewirtschaftung der Burg übernimmt, ist noch unklar. Die ursprünglichen Pläne, dass die Eltviller Vinothek in die Burg verlegt wird und für die Bewirtschaftung sorgt, haben sich zerschlagen. Der Vorstand befürchtete, dass sich die Kunden des Fachgeschäfts durch die eher touristisch orientierten Besucher der Burg nicht mehr wohl fühlen könnten, sagte Geschäftsführer Ulrich Bachmann auf Anfrage. Außerdem seien Parkplätze und Anfahrtsmöglichkeiten problematisch. Die Kunden möchten zum Einladen des Weins in der Nähe zu parken. Dadurch würde aber unerwünschter Autoverkehr in die Burg gezogen.
Die Vinothek wird nun wie geplant in das neue Domizil im alten Rathaus in der Schmittstraße 2 einziehen. Der Bauantrag für den Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhauses wird bald gestellt. Einen kleineren Ableger der Vinothek in der Burg zu platzieren, hält Bachmann aus wirtschaftlichen Gründen nicht für machbar. Das sieht auch der Bürgermeister so. Spätestens bis Ostern will Kunkel eine Bewirtschaftungsform für die Burg finden. Die Burg bleibe auf jeden Fall im Eigentum der Stadt, betont Kunkel. Anderslautende Gerüchte kursierten bereits in Eltville.
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