Bericht - Schutzheiliger von Wiesbaden


Schätze gibt es in St. Bonifatius, der größten und ältesten katholischen Innenstadtkirche Wiesbadens, sehr viele. \"Am wertvollsten ist sicher unsere Monstranz\", sagt Kaplan Christof May. Das prunkvolle Stück ist vielen Wiesbadenern zum Beispiel von den Fronleichnamsprozessionen, bei denen es feierlich durch die Innenstadt getragen wird, bekannt. Etwas Besonderes ist auch ein Messgewand aus dem Jahr 1685, das vom Abt des Klosters Eberbach getragen wurde. Dies befinde sich zur Zeit jedoch als Leihgabe in Mainz, berichtet May, der sich für unsere Serie entschieden hat, das Reliquiar des Heiligen Mauritius zu präsentieren. Ein winziges Stück der Knochen des Heiligen ist in einem kleinen, runden Kästchen eingeschlossen. Auf einer Inschrift zu lesen ist \"St. Mauritius M\". Das M steht für den Märtyrertod. Das kleine Stück wird umschlossen von einem goldfarbenen Ostensorium, einem Schauglas mit grünen und violetten Schmucksteinen. Ein solches Gefäß steht in alter Tradition der katholischen Kirche. Kleine Reliquiensplitter werden seit dem späten Mittelalter von offiziellen kirchlichen Stellen in spezielle verglaste Kapseln eingeschlossen und anschließend versiegelt, um die Echtheit zu dokumentieren und zu verhindern, dass kleine Reliquien verloren gehen können. Eine solche Kapsel wird als Theca bezeichnet; meist befindet sich in ihr neben der Reliquie ein Zettelchen mit erklärender Beschriftung, die so genannte Cedula, wie es auch hier der Fall ist. Eine Reliquie (lateinisch Überbleibsel) ist ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen. Eine Sonderform sind Berührungsreliquien, also Gegenstände wie Kleidungsstoffe, mit denen der Heilige in Berührung kam oder gekommen sein soll, so ist im Lexikon zu lesen. Aus echtem Gold und Edelsteinen sei dieses Kirchengerät sicher nicht, meint Kaplan May. Es stammt nach seiner Einschätzung aus den fünfziger Jahren, die Gravur auf der Unterseite nennt einen Mainzer Hersteller. St. Mauritius ist der Schutzheilige von Wiesbaden, erklärt der Kaplan. Die älteste Kirche Wiesbadens sei nach ihm benannt gewesen. Noch heute erinnert der Mauritiusplatz an den Standort dieser Kirche. Mauritius war ein römischer Legionär, ein gebürtiger Ägypter. Oft wird er mit schwarzer Hautfarbe dargestellt. Er sei mit seiner Legion wohl auch in unserer Gegend gewesen, mutmaßt der Kaplan, weswegen er zum Schutzpatrons Wiesbadens auserkoren wurde. Zu Tode kam er, weil er nicht gegen andere Christen kämpfen wollte. Bei der Überquerung der Alpen meuterten die 6600 Mann seiner Thebäischen Legion im Engnis bei Agaunum. Das Ereignis fand je nach Quelle zwischen 302 oder 303 n. Chr. statt. Der römische Kaiser Maximian gab Schatzkästlein erzürnt den Befehl, die Legion zu \"dezimieren\", also jeden zehnten Mann hinzurichten. Wiederholte Dezimierungen führten nicht zum Erfolg, weshalb der Kaiser die völlige Vernichtung der Legion befahl. Ohne Gegenwehr hätten sich die Männer als Märtyrer für ihre Religion hinrichten lassen. Soweit die Geschichte des Heiligen, dessen Gedenktag am 22. September gefeiert wird. \"Dann segne ich mit diesem Ostensorium die Gemeinde\", berichtet Kaplan May. \"Sonst befindet es sich in unserem Tresor.\" Außenstehende haben oft das Gefühl eines quasi \"magischen\" Rituals, wenn es um Reliquienverehrung geht. \"Auch das Wort Aberglauben fällt gelegentlich - aber das stimmt nicht\", sagt May. Es ginge darum, den Glauben fassbar zu machen. In der Bonifatiusgemeinde wird die Reliquie hoch geschätzt, sie ist das einzige derartige Stück in Wiesbaden. Nicht jedoch die einzige Gemeinde mit besonderer Verehrung des Heiligen, sagt May und verweist auf die Kirche St. Mauritius in der Abeggstraße. Lesen Sie morgen: Die Orgel von St. Martin Idstein

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