Kloster Eberbach gilt als die Wiege des Rheingauer Weinbaus. \"Und wir sind nun an diese Wiege zurückgekehrt,\" sagt Klaus-Peter Keßler. Der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes ist sichtlich glücklich darüber, dass der Verband nun im historischen Pfortenhaus residiert.
Denn die Rheingauer Winzer haben hier nicht nur großzügige Räume für ihre Geschäftsstelle erhalten. Ab kommendem Frühjahr können sie auch jeweils 25 Weine in der neuen Vinothek der Hessischen Staatsweingüter präsentieren. \"Der Anspruch der Rheingauer Winzer auf Kloster Eberbach wird damit deutlich gemacht,\" betont Landrat Burkhard Albers. \"Kloster Eberbach gehört zum Rheingau, Wein gehört nach Eberbach und die Winzer gehören zum Rheingau.\"
Natürlich hat der Umzug des Weinbauverbandes nach Kloster Eberbach auch eine politische Dimension. Ab Frühjahr 2008 wird hier auch die Hessische Staatsweingüter-GmbH mit ihrer Verwaltung sitzen. Die Vinothek in Eberbach war ursprünglich für sie allein gedacht.
Die Staatsweingüter und das Land Hessen haben sich aber mit ihrem umstrittenen Kellerei-Projekt am Steinberg bei den übrigen Winzern kaum Freunde gemacht. Der Umzug des Verbandes ins Pfortenhaus und die gemeinsame Vinothek wirken auf Kritiker deshalb ein bisschen wie ein Trostpflaster.
Karl-Winfried Seif, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, verschwieg in seiner kurzen Ansprache nicht, dass der Weinbauverband schon lange nach einem passenden Ort für eine Rheingauer Vinothek gesucht hatte. Schloss Monrepos in Geisenheim war ein Favorit, auch der Schlosserbau, ein anderes Eberbacher Gebäude, war im Gespräch. Dann fiel die Wahl auf das Pfortenhaus, denn das Selbstbedienungsrestaurant dort lief nur schleppend.
Nun werde das Pfortenhaus \"eine wichtige Kommunikationsstelle\" sagt Seif. Klosterbesucher sollen in Zukunft hier ihren Rundgang beginnen und erhalten im Erdgeschoss nicht nur Informationen zum Kloster, sondern auch über Rheingauer Wein und Weinbaubetriebe. Harald Sperling, Geschäftsführer des Weinbauverbandes, registriert bereits jetzt häufiger Anfragen von Klosterbesuchern, die sich Informationen über Rheingauer Winzerbetriebe holen wollen.
Da der Weinbauverband 2007 auch 60 Jahre alt wurde, erinnerte Präsident Keßler in seiner Eröffnungsrede an seine Vorgänger und deren Verdienste um den Rheingauer Weinbau - an Richard Graf Matuschka-Greiffenclau, der die Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben hatte, an Jakob Graf zu Eltz, der das neue Deutsche Weingesetz mit ausgearbeitet hat, an Fritz Allendorf, Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau und Richard Nägler. Alle, so Keßler, hätten den Rheingauer Weinbau immer ein Stück weiter nach vorne gebracht.
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