Bericht - Gegen zu viele Events im Welterbe


Zahlreiche alte und neue Wanderwege durchziehen das Weltkulturerbe Mittelrheintal von Rüdesheim rheinabwärts. \"Von den Aussichtspunkten erhält man einen Eindruck von der überragenden landschaftlichen Schönheit und kann die reiche Ausstattung mit seltenen Tieren, Pflanzen und Lebensräumen ahnen, die den naturschützerischen Wert begründen\", so der Umweltdezernent des Kreises, Siegfried Müller. Er hält allerdings das Veranstaltungsprogramm in der freien Landschaft des Welterbes inzwischen für weitgehend ausgereizt. Versuche, weitere Events im Außenbereich zu veranstalten, seien der falsche Weg, dem Weltkulturerbe zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, weil damit immer die Gefahr von Beeinträchtigungen gerade derjenigen Schutzgüter verbunden ist, die den Wert des Welterbes mitbegründen. Müller plädiert dafür, das Welterbe nicht nur als kostenlose Kulisse für Großveranstaltungen zu begreifen und die darin liegenden Schutzgebiete als Hindernisse für die touristische Entwicklung, die man bekämpfen oder überwinden muss. Die Verantwortlichen für das Welterbe und den Tourismus sollten die kulturellen, landschaftlichen und naturschützerischen Güter als Werte an sich anerkennen, die es \"sanft und nachhaltig\" zu nutzen gilt. Alle Aktivitäten müssen sich an diesen Kriterien orientieren. \"Dazu gehört auch, die Öffentlichkeit über die Werthaltigkeit der Welterbe-Landschaft qualifiziert zu informieren und für die Bewahrung und Entwicklung der Schutzgüter zu werben\", betont der Dezernent. Das bedeutet aber nicht die inzwischen berühmte Käseglocke auszupacken. Gerade auch der gut genutzte Rheinsteig zeige wie sanfter Tourismus mehr Menschen die Natur näher bringe, betont Müller. Ein Konzept - ähnlich dem der \"Rheinsteig Ranger\" - werde für den Leinpfad zwischen Eltville-Erbach und Rüdesheim unter dem Arbeitstitel \"Natur- und Tourismusberater\" in der Umweltverwaltung erstellt. Er verweist auf ein vogelkundliches Gutachten, das die Rüdesheimer Tourist AG schon 2005 hat erstellen lassen, in dem das Störungspotential von Veranstaltungen auf die Schutzgüter untersucht wird. Der Kreisbeigeordnete: \"Vermeidung sensibler Gebiete ohnehin vorausgesetzt, kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass das Störungspotential im Juli am geringsten ist, weil dann die Brutzeit fast abgeschlossen ist und die Zugzeit der Vögel mit der Besetzung der Rastgebiete am Rhein noch nicht eingesetzt hat.\" Das Gutachten ermöglicht also größere Planungssicherheit. Welterbefeier und \"Rhein im Feuerzauber\" finden daher im Juli statt.

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