Sechs Propsteien zählt die EKHN mit 48 Dekanaten und 1175 Kirchengemeinden. Gemeinsam mit der katholischen Schwesterkirche stellen Christen etwa Dreiviertel der Gesamtbevölkerung dieser Region. Dem seit Jahren kontinuierlich steigenden Gottesdienstbesuch am Heiligen Abend steht das vergleichsweise geringe Besucherinteresse am klassischen Sonntagsgottesdienst gegenüber. Kein Grund also zur Euphorie. Keiner zur Verzweiflung. Die Kirchenaustritte sind immerhin rückläufig (1737). Von fünf Erwachsenen, die sich für den Eintritt entschieden haben, wählten laut Rink vier die evangelische Kirche als spirituelle Heimat und nur einer die katholische. Eine Zahl, aus der sich durchaus das positive Image der evangelischen Kirche interpretieren lasse. Trotzdem: die Evangelischen werden auch demografisch bedingt weniger: 2921 Kinder wurden 2006 in der Propstei evangelisch getauft, im Vorjahr waren es noch 3022. Zugleich wurden 3992 Mitglieder bestattet. Finanziell kam der EKHN die gute Gesamtkonjunktur zu pass. Rink sprach von einer \"Atempause\", aber Umsicht wird in finanzieller Hinsicht auch in Zukunft geboten sein. Allerdings: spätestens ab 2017 kündige sich ruhestandsbedingt ein Mangel an Pfarrernachwuchs an.
Bis dahin müssen auch die neuen Konzepte der evangelischen Kirche gegriffen haben, die im so genannten Impulspapier \"Kirche der Freiheit\" 2006 beschrieben wurden. Herausgegeben vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) stellt das Papier die Frage, wie man Menschen künftig besser mit volkskirchlichen Angeboten erreichen kann. Ein Weg in die Zukunft sei die enge Zusammenarbeit der Gemeinden. Deren Zusammenlegung markiere aber den letzten Schritt, bevor gar nichts mehr geht. Zugleich befürworte man in Wiesbaden, wie Rink mitteilte, die Annäherung zwischen der Ringkirche und Stephanuskirche. Pläne, ein Sozialkaufhaus in den Räumen der Stephanusgemeinde zu errichten, werden hoffentlich umgesetzt, sagte Roger Töpelmann vom Dekanat Wiesbaden. Mit der Entscheidung wird im Januar 2008 gerechnet.
Möglichen Strukturängsten soll auch in Wiesbaden mit Mut und Kreativität entgegen gewirkt werden. In Verkündigung, Diakonie, Mitarbeit und Selbstorganisation sollen regionalbezogene \"Leuchttürme\" entstehen. Zu den Ausstrahlungspunktenzählen die Basilika des Klosters Eberbach und die Wiesbadener Marktkirche. Mit Konzerten, Festgottesdiensten und Events kann ein stetiger Besucherzuwachs verzeichnet werden. Für diakonisches Handeln steht exemplarisch der Campus Klarenthal. In Trägerschaft des Evangelischen Vereins für innere Mission tritt der Campus mit einem \"reformpädagogischen Konzept für das Leben und Lernen von Schülern\" an. Ganzheitliches Lernen, Förderung und Orientierung an christlichen Werten zählt zu den Zielen. Man wolle \"zunehmend in den Schulsektor gehen\", so Rink.Viel lässt man sich einfallen, damit die selbsternannte \"Kirche der Freiheit\" nicht ihre Bindungskraft verliert.
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