Bericht - Gotteslob aus Winzerherzen


Erntedank im Advent ist nur vordergründig spät im Jahr, denn nach der Lese beginnt für Winzer die Arbeit im Keller, und da darf es zum Danken auch Dezember werden. Der Andrang gestern war wie in den Vorjahren ungebrochen. Das Traditionsfest im Kloster hat seinen festen Platz im gesellschaftlichen Leben etabliert. Wer glücklich einen Parkplatz gefunden hatte, konnte, so er Ehrengast war, am Empfang teilnehmen, den die Einladenden ausrichten: der Rheingauer Weinbauverband zusammen mit dem Rheingau-Taunus-Kreis. Den Ausschank hatten wie immer die örtlichen Weinmajestäten übernommen. Große Aufstellung dann zum Einzug in die Basilika: vorneweg die Fahnenträger, danach Weinköniginnen aus der Region, die beiden Geistlichen, der katholische Wiesbadener Stadtdekan Johannes zu Eltz und die evangelische Pfarrerin Clarissa Graz, Eltville/Kiedrich. Im Innern der Basilika gedämpftes Licht, Bütten der einzelnen Weinbaugemeinden an den Wänden, mit Fichtenreisig geschmückt, über jeder eine dicke Kerze. Mehr Licht gab es vorn im Altarraum, wo ein riesiger Adventskranz von der Decke hängt und die Sängervereinigung Kiedrich sowie der Evangelische Posaunenchor Bornich Aufstellung genommen hatten. Seit 1960 danken die Rheingauer Winzer in einem ökumenischen Gottesdienst ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Urban, für eine gute Ernte. Nach diesem ist auch die Spende der Winzer benannt, die in Form von Wein diesmal an soziale Einrichtungen der Stadt Frankfurt und des Rheingau-Taunus-Kreises gegeben wird, die damit vorwiegend älteren Menschen die Feiertage verschönern soll. Die Kollekte kommt in diesem Jahr den Kindergärten der Stadt Rüdesheim zugute. Gutes empfangen und Gutes teilen, lautete für den Stadtdekan das Motto des Tages, eine weitere, sich in nüchterner Trunkenheit über die verheißene Ankunft Jesu im Advent zu freuen. \"Nüchterne Trunkenheit steht auch christlichen Winzern und ihren Kunden gut an. Im Advent ist keine Schunkelstimmung angesagt.\" Welchen christlichen Sinngehalt der Advent ausstrahlt, bildete den Schwerpunkt seiner Predigt: dass Jesus Gott in die Welt gebracht hat, der darauf warte, in die Herzen der Menschen eingelassen zu werden. Der dort ein Gegengewicht setzt gegen Sinnenlehre und denen zur Seite steht, die sich die Hoffnung auf ein besseres Morgen erhalten haben. Nach der Segnung von Trauben und Wein, den Spendenübergaben und dem Segen ging es, wiederum in festlichem Aufzug, hinüber ins Laiendormitorium. Dort ließ sich, gestärkt mit Brot und Wein, dem Festvortrag des Eltviller Weinjournalisten Ingo Swoboda über sein Thema \"Wein-Bau-Verband\" lauschen. Aus Anlass dieses besonderen Tages hatte zudem die Deutsche Weinkönigin Evelyn Schmidt aus Sachsen einen Gruß entboten.

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