Eigentlich sei er bisher nicht davon überzeugt gewesen, dass eine Lage so großen Einfluss auf den Wein habe, meinte der hessische Weinbauminister Wilhelm Dietzel (CDU), als er im Kloster Eberbach die neue Broschüre des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie (HLUG) an die Weinbauverbände Rheingau und Bergstraße überreichte.
Beim jüngsten Wiesbadener Weinfest änderte er aber seine Meinung. Der Minister machte am Stand der Forschungsanstalt die Terroir-Probe mit, bei der sechs Rieslingweine, die auf unterschiedlichen Böden wuchsen, beurteilt werden sollten. \"Der Unterschied der Weine war sensationell\", sagte Dietzel. Für den HLUG-Präsidenten Thomas Schmid ist klar: \"Die sehr heterogene Ausprägung der Böden im Rheingau lässt sich über den Wein trefflich transportieren.\"
Deutsche Weinqualität wird immer noch über Oechslegrade definiert. Aber unabhängig davon gewinnen Charakter und Stil eines Weins mit mineralischen Komponenten und Aromenintensität mehr und mehr an Bedeutung. Der Terroir-Begriff ziele auf die Abgrenzung eines Gebiets im Unterschied zum Rebsorten-Weinbau, sagte Professor Otmar Löhnertz, der das Terroir-Projekt an der Forschungsanstalt Geisenheim leitet. Über das Terroir lasse sich eine stärkere Bindung des Konsumenten zum Produkt herstellen, betonte der Direktor der Forschungsanstalt, Klaus Schaller. Die Vertreter der Weinbauverbände sehen es genauso. \"Das ist der Renner schlechthin\", meinte der Geschäftsführer des Rheingauer Verbands, Harald Sperling. Insbesondere im Export sei die Terroir-Orientierung gefragt. Auch Otto Guthier, Weinbaupräsident an der Bergstraße, sieht ein wachsendes Interesse der Kunden an der Frage: \"Kann man Boden schmecken?\"
Dass man Boden tatsächlich schmecken kann, bewies die Weinprobe. Peter Böhm, der mit Stefan Muskat und Johann Seckler im Terroir-Projekt mitarbeitet, präsentierte zuerst einen schlanken Riesling mit starker Säure und mineralischem Ton. Dagegen war der zweite fruchtbetont und körperreich. Der erste war auf nährstoffarmem Quarzitboden im Lorcher Bodenthal-Steinberg gewachsen, der zweite auf kalkhaltigem nährstoffreichen Löss im Winkeler Hasensprung. Beide Weine hatten die gleichen Reifegrade der Trauben und Säurewerte. Aber der Löss hat dem Riesling Fülle gegeben, der Kalk die Säure abgepuffert.
Schon innerhalb eines Wingerts gebe es unterschiedliche Bodenverhältnisse, sagte Klaus Friedrich vom HLUG. Er wies darauf hin, dass die Böden der hessischen Weinbaugebiete weltweit mit am besten erforscht seien. Von 1950 bis 1994 sei eine aufwendige Kartierung geleistet worden, deren Ergebnisse unter anderem in den Weinbaustandortatlas und in die Klassifizierung des Ersten Gewächses einflossen.
Die Lagen seien bisher \"nicht authentisch genug\" dargestellt worden, sagt Wilhelm Weil, Präsident des VDP Rheingau. Für den Weinfreund \"muss nachvollziehbar sein, was auf dem Etikett steht\".
Die Broschüre \"Die Weinbergsböden von Hessen\" ist über das Landesamt für Umwelt und Geologie, vertrieb@hlug.de, zu beziehen. Internet-Download über:
www.hlug.de/medien/boden/dokumente/heft7.pdf
Infos zum \"Terroir Hessen\":
www.campus-geisenheim.de/Intrasdisziplinaere projekte.1906.0html
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de