Bericht - Kellergeister sind stimmlich auf der Höhe


Nicht in einem Gewölbe tief unter der Erde, sondern im ersten Obergeschoss des Gasthauses \"Altes Holztor\" proben die Eltviller Kellergeister. Dieser Tage geht es bei dem ambitionierten Männerchor besonders konzentriert zu, denn am nächsten Sonntag, 18. November, geben die Sänger ab 16 Uhr ein Konzert im Hotel Kloster Johannisberg. \"So etwas hat es seit Jahren nicht mehr gegeben\", sagt Volker Nassenstein, der Vorsitzende der Kellergeister. Er selbst, Manfred Weißer und Jochen Färber werden als Vereinssolisten auftreten. Dazu kommen der Tenor Patrick Siegrist sowie Kreischorleiterin Isabella Mischok-Schenk am Klavier. Die Moderation übernimmt Hermann Becker, Restkarten für die Veranstaltung sind an der Tageskasse erhältlich. Die Gesamtleitung liegt in Händen von Chorleiter Bernd Hans Gietz, der sich seit bereits 34 Jahren ehrenamtlich um die musikalischen Geschicke der Eltviller Kellergeister kümmert. Ein Jahr älter noch ist der Chor selbst, 35 Jahre Bestehen bilden den Anlass für das Konzert in Johannisberg. Vorher trat die Formation als \"Eltviller Hofsänger\" in Erscheinung. Vor allem im Karneval sorgten die Männer mit den klangvollen Stimmen für Furore. 2006 endete diese Tradition. Eine \"Generationenfrage\" sei der Entschluss zum Rückzug gewesen, sagen Nassenstein und Gietz. Zudem hätten einige Aktive unter \"enormem Stress\" gelitten und bis zu fünf Proben in einer Woche hinter sich bringen müssen. Alle Kellergeister singen nämlich zusätzlich in anderen Eltviller oder Hattenheimer Gesangvereinen. Die Schar, die nun im \"Alten Holztor\" zusammen gekommen ist, versteht sich eher als beständiger Projektchor und nicht als Verein. Ein wenig \"Kammerchorcharakter\" bescheinigt Gietz dem Ensemble, das mit 20 Sängern voll besetzt ist. Derzeit fehlt lediglich ein Tenor, da müsse man \"die Augen aufhalten\" doch große Nachwuchsprobleme plagen die Eltviller nicht. Einige gehören dem Chor schon 35 Jahre lang an. \"Der Zusammenhalt ist ausgeprägt wie in einer großen Familie\", schwärmt Gietz und auch die Gattinnen werden in gesellige Veranstaltungen eingebunden. Bei aller Gemütlichkeit soll die Qualität stimmen. \"Wir zählen durchaus zu den besten Chören im Rheingau\", ist sich Gietz sicher, der das \"Stimmpotenzial\" als großen Pluspunkt der Kellergeister bezeichnet. Geistliche Chorliteratur, Volkslieder, Stücke aus der Romantik, Schlagerbearbeitungen, Spirituals und Musicalpassagen machen ihr Repertoire aus. Franz Schubert und Friedrich Silcher sind häufig gesungene Komponisten. Instrumentalbegleitung und Halbplayback machen gelegentlich den Chor \"ein bisschen leichtfüßiger\" wie der Leiter sagt. Weinlieder wie \"Aus der Traube in die Tonne\" fehlen natürlich nicht und das \"Eltviller Lied\" hat Bernd Hans Gietz selbst geschrieben. Bis ins Fernsehen und nach Übersee hat ihr Gesang die Kellergeister geführt. 1996 standen 14 Tage USA und Kanada auf dem Programm - Auftritte in Cincinnati und Cleveland inklusive. Bei der Krönung der deutschen Weinkönigin in Neustadt und dem Jubiläum \"1000 Jahre Rheingau\" 1983 im Kloster Eberbach hat der Chor ebenso mitgewirkt. \"1000 Jahre Straußwirtschaft\" waren weiterhin eine passende Gelegenheit zum Singen. Die dabei in den eigenen Reihen entstandenen Freundschaften schätzen Nassenstein und Gietz besonders. Als der Chorleiter aus Oestrich-Winkel, der auch als Jazz-Pianist bekannt ist, 2005 das Bundesverdienstkreuz erhielt, fungierten die Eltviller Kellergeister ganz selbstverständlich als Ausrichter der Feier.

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