„Einer atemberaubenden Qualitätssteigerung in den letzten fünf, sechs Jahren“, so die Autoren Armin Diel und Joel Payne, verdanken Frank und Marc Adeneuer aus Ahrweiler die Ernennung zum Aufsteiger des Jahres im Gault Millau-Weinguide. Die bisher beste Kollektion aus dem Familiengut verkosteten die Tester und bescheinigen den Brüdern deshalb den Aufschluss zur „Formel 1“ an der Ahr - den Weingütern Deutzerhof, Meyer-Näkel und Jean Stodden.
Seit 500 Jahren haben die Adeneuers Wein angebaut, aber erst im vorigen Jahrhundert auch im eigenen Keller verarbeitet. 23 Jahre teilen sich die Brüder die Arbeit: Frank in Weinberg und Keller, Marc fürs Marketing. Anders als viele Ahr-Winzer setzte der Betrieb ausschließlich auf die Top-Reben für Rotwein mit 80 Prozent Spätburgunder und 20 Prozent Frühburgunder. Portugieser und Dornfelder mit ihren üppigeren Erträgen haben bei Frank Adeneuer keine Chance.
Den laut Gault Millau besten Spätburgunder 2005 hat er aus der Walporzheimer Gärkammer gekeltert, einen der zehn besten deutschen Rotweine des Jahrgangs. Marc Adeneuers Marketing umfasste den schmucken Ausbau des Ahrweiler Weinguts: einer gelungenen „Cuvée“ aus großräumiger Moderne und Nostalgie-Elementen. Mit vier Trauben ergänzen die Adeneuers die Ahr-Winzer zum Spitzen-Quartett, das sich zu den „exzellenten, besten deutschen Weingütern“ zählen kann. Als Ahr-Pionier würdigten die Prüfer wieder Werner Näkel aus Dernau, registrierten allerdings beim Jahrgang 2005 einen überraschenden Tannin-Gehalt, der den Weinen „mehr Rückgrat verleiht“ - was auch bei den ersten 2006ern schon zu wittern sei, dem ersten Jahrgang, den Tochter Meike Näkel verantwortet. Spitzen-Jahrgänge bestätigen die Profis an der Ahr wieder Gerd Stodden aus Rech, erwähnen gutes Alterungspotenzial ebenso wie bei Wolfgang Hehle vom Deutzerhof in Mayschoß. Über zwei statt bisher einer Traube kann sich in Altenahr das Weingut Sermann-Kreuzberg freuen.
Reicht\'s für die Ahr-Winzer auch in der Spitze gerade für vier Trauben, so gibt\'s die fünfte für „weltbeste Winzer“, die die Tester allerdings bislang ausschließlich für Riesling-Spezialisten vergeben haben - von Mosel und Nahe, aus dem Rheingau, der Pfalz und Rheinhessen. Überraschung diesmal: die fünfte Traube für Bernhard Huber aus Baden, der zudem zum Winzer des Jahres gekürt wurde, weil seine „Rotweine zum Feinsten gehören, was es in Deutschland zu verkosten gibt.“
Die Kollektion des Jahres hat für die Bewerter das schon vielfach geehrte Weingut Fritz Haag aus Brauneberg an der Mosel in die Flasche gebracht. Eine sensationelle Trockenbeerenauslese von der Juffer-Sonnenuhr war den Testern die Traumnote von hundert Punkten wert - ein Riesling natürlich. Die Rebsorte dominiert auch bei Michael Trenz in Johannisburg im Rheingau, der sich als Entdeckung des Jahres preisen lassen konnte.
Für Kontinuität steht der Gutsverwalter Karl-Heinz Rebitzer, der seit Jahrzehnten das Fürstlich Castellsche Domänenamt in Franken betreut. Als Sommelier erntet Stephane Thuriot vom Königshof in München Lorbeeren dafür, dass er als Franzose deutsche Weine empfiehlt. Josef Laufer aus dem „Krug“ in Hattenheim müsste im Rheingau dazu nicht überredet werden - und genießt deshalb Lob für die Weinkarte des Jahres.
Die Jahrgänge 2006 bei den Weißweinen und 2005 bei den Roten sind bewertet. 50 neue Betriebe habe man aufgenommen, bemerkte Joel Payne - was die ungeheuer positive Entwicklung im deutschen Weinbau bestätige. Aus 6600 Weinen haben die Tester mehr als 100 besonders kostengünstige herausgefiltert.
Weingut Adeneuer, Max-Planck-Str. 8, 53474 Ahrweiler, Tel. (02641) 34473. Geöffnet Mo-Fr 9-12, 13.30-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de