Bericht - Baufällig und nicht benutzbar


\"Die Klaus´ steht immer noch leer\" lautete vor sieben Jahren die Schlagzeile in der Tageszeitung. Es gebe Verhandlungen mit Interessenten für eine gastronomische Nutzung, hieß es damals im Hause Schönborn. Im vergangenen Jahr hatte Eigentümer Paul Graf von Schönborn erneut von einem gastronomischen Konzept gesprochen, aber auch deutlich gemacht, dass ein Verkauf des denkmalgeschützten Kleinods nicht in Frage komme, das schon seit 400 Jahren Eigentum der Familie ist. Schon seit Jahren wächst aber der Unmut insbesondere in der Johannisberger Bevölkerung. \"Uns geht es vor allem um die Kirche\", sagt Engelbert Schwanke, der sich noch an Prozessionen zur \"Klaus´\" und an Gottesdienste erinnert. Heute sieht es schlimm aus in der Kirche, die nach Angaben des Oestrich-Winkeler Pfarrers Stefan Gras noch geweiht ist. \"Baufällig, verschmutzt und nicht benutzbar\", sagt er. Die Wände sind von Graffiti-Schmierereien überzogen, die Fenster sind eingeschlagen worden. Inzwischen hat der Eigentümer Fenster und Türen richtig sichern lassen, um wenigstens Vandalismus Einhalt zu gebieten. Wie sein Schulfreund Engelbert Schwanke will auch Hermann Kirchner, der in Johannisberg aufgewachsen ist und als Kind in der damals an die Familie Faust verpachtete Klaus´ gespielt und Messen in der Kirche besucht hat, den weiteren Verfall der \"Klaus´\" nicht mehr länger mit ansehen. Er spricht von \"Kulturschande\" und \"Barbarei\". Das Mitglied der Rheingauer Heimatforscher und des Rheingauer Weinkonvents gehört zu der Interessengemeinschaft, die Druck machen will, zunächst einmal Unterschriften von Gleichgesinnten sammelt und dann möglicherweise einen Förderkreis gründet, der sich um die Instandsetzung des ehemaligen Klosters kümmert. \"Still ruht der See\", so die Erfahrung des Geisenheimer Bürgermeisters Manfred Federhen seit vielen Jahren. Beschwerdeführer muss er aber immer wieder an Graf von Schönborn und an seinen Kollegen Paul Weimann verweisen. Kirche und Gutshaus sind zwar unter dem Namen \"Johannisberger Klaus´\" bekannt, liegen aber auf Oestrich-Winkeler Gemarkung. Bürgermeister Weimann verweist darauf, Graf von Schönborn habe auf sein Drängen zu verstehen gegeben, über sein Eigentum könne er selbst bestimmen. Der Betriebsleiter des Schönborn´schen Weinguts in Hattenheim, Peter Barth, spricht von einer \"relativ konkreten Planung\" für die künftige Nutzung. Das Dach sei instandgesetzt, das Gebäude gesichert. Im Übrigen habe das Haus Schönborn viele Kulturgüter, die mit großem finanziellen Aufwand saniert werden müssten. \"Wir sind mit Baudenkmälern gesegnet\", erklärt Franz Kiesel von der Hauptverwaltung im fränkischen Wiesentheid. Er spricht von einem Interessenten, mit dem Kosten- und Vertragsverhandlungen geführt werden. Dieser wolle die Klaus\' privat nutzen, ein Gastronomie-Konzept werde nicht mehr weiter verfolgt. Graf von Schönborn betont: \"Die wirtschaftliche Basis muss funktionieren.\" Er könne nur das Geld ausgeben, das auch erwirtschaftet werde, und es gebe viele denkmalsgeschützte Güter der Familie. Den Interessenten für die \"Klaus´\" könne er selbst bei den Investitionen unterstützen, zum Beispiel mit Holz aus dem eigenen Wald. Aber aufgrund der Familiengeschichte komme kein Verkauf in Frage.

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