Die Rekordjagd des Euro bringt die Europäische Zentralbank (EZB) nicht aus der Ruhe.
Mehrere EZB-Ratsmitglieder stellten sich am Freitag zwar hinter ihren Präsidenten Jean-Claude Trichet, der tags zuvor vor \"brutalen Wechselkursschwankungen\" gewarnt hatte. Das Wort \"brutal\" wollte jedoch nur der Luxemburger Zentralbankchef Yves Mersch in den Mund nehmen. Bundesbankchef Axel Weber und sein finnischer Amtskollege Erkki Liikanen vermieden dies. Alle drei betonten allerdings, dass sie sich mit Trichet in der Lagebeurteilung einig seien.
Der Euro, der in der Nacht auf ein neues Rekordhoch von 1,4752 Dollar geklettert war, wertet seit Wochen kräftig auf. Dadurch werden Exporte europäischer Unternehmen in den Dollarraum teurer. Trichet hatte mit dem Wort \"brutal\" zuletzt 2004 verbal am Devisenmarkt interveniert und damit die damalige Abwertung des Dollars vorübergehend gebremst. Am Donnerstag wiederholte er diese Formulierung erst auf Nachfrage von Journalisten und erklärte, \"brutale Wechselkursschwankungen\" seien \"nie willkommen\". In seiner vorbereiteten Erklärung ging er dagegen gar nicht auf den Euro ein.
Weber und Liikanen erklärten am Rande einer Bundesbank-Konferenz in Eltville bei Wiesbaden, sie stimmten mit Trichet überein. Mersch sagte in Luxemburg, es sollte keine brutalen Bewegungen geben, allerdings verfolge die EZB kein Wechselkursziel. Ihre Geldpolitik ziele vielmehr auf Preisstabilität. Der Euro sei nur einer von vielen Faktoren, den die EZB bei ihrer Zinspolitik berücksichtige.
Analyst Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort wertete die Aussagen der Notenbanker als eher zaghafte Versuche, den Euro-Kurs nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen. \"Die EZB scheint die Euro-Stärke akzeptiert zu haben.\" Ein Eingriff in den Devisenmarkt sei unwahrscheinlich. \"Andere Notenbanken sind derzeit auch nicht bereit, solche Interventionen zu unterstützen.\" Auch bei der EZB sei die Neigung dazu gering ausgeprägt, weil sich der Inflationsdruck dann noch erhöhen könnte.
Die stark gestiegene Teuerung macht den Notenbankern deutlich größere Sorgen als der starke Euro. \"Die Inflation wird in diesem Jahr und bis weit ins nächste Jahr hoch bleiben\", sagte Bundesbankchef Weber. Für das Jahr 2009 hänge die Inflationsprognose am Ölpreis, der der wesentliche Treiber für die aktuelle Teuerung sei. Weber betonte, die Inflation sei aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) ein ernstes Problem. Die Lage habe sich seit den letzten Inflationsprognosen der EZB im September verschärft. \"Es besteht das Risiko, dass sie auch 2009 nicht unter zwei Prozent fällt\", sagte Weber.
Liikanen sagte, die Lage an den internationalen Finanzmärkten bleibe angesichts der anhaltenden Kreditkrise in den USA angespannt. Der Markt durchlaufe eine notwendige Korrekturphase. \"Es ist sehr klar, dass die Risikoprämien für eine lange Zeit unnatürlich niedrig waren. In Zukunft werden die auf einem gesünderen Niveau liegen\", sagte der Finne.
Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler erklärte, die Geldmärkte hätten sich von den durch die amerikanische Kreditkrise ausgelösten Turbulenzen mittlerweile etwas erholt. \"Der Geldmarkt ist auf dem Weg zur Normalisierung\", sagte Zeitler in Frankfurt. Die Kreditkrise in den USA sei nicht geradlinig verlaufen, sondern in Wellen. \"Die Schockwellen waren zunächst an den Geldmärkten zu spüren und sind nun - wenn auch in unterschiedlicher Form - in den Bilanzen und Börsenkursen großer Kreditinstitute angekommen.\"
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