Bericht - Lieder von Liebe und Stärke


Afrojazz-Sängerin Sonja Kandels hatte mit den 50 Schülerinnen und Schülern der Eltviller Gutenberg-Realschule das Viertelstundenprogramm zum Warming Up des Präsidenten-Programms in Kloster Eberbach intensiv eingeübt. Immer wieder aufs Neue korrigiert und verfeinert, so dass jetzt alles saß und die klösterliche Kühle spürbar erwärmt wurde. Das Medienspektakel fiel deutlich kleiner aus als beim Putin-Besuch. Wer den prominenten Gästen in der ersten Reihe in die Augen schaute, sah verklärte, bewegte, erfreute Gesichter, waren die Besucher doch tatsächlich verblüfft, dass ihnen von gastgebender deutscher Seite ein Spiegel ihrer eigenen Kultur entgegen schwebte, lächelnd in der Mimik, rasant in den Bein- und Armbewegungen, nahezu authentisch im fremden Zungenschlag bei Kisuaheli, Zulu und Wolo. Natürlich fehlte auch ein deutsches Volkslied nicht. \"Der Mond ist aufgegangen\" dürfte den meisten bekannt sein, aber in moderner, flotter, fast afrikanisch angehauchter Form für viele wohl ein Novum. Und darum ging es schließlich bei der Konferenz später und zuvor in der Ansprache von Bundespräsident Horst Köhler: Traditionen nicht zu vergessen, sich mit ihnen im Gepäck aufzumachen und zu schauen, was es anderswo gibt, wie Menschen Globalisierung nicht als über sie hereinbrechend, sondern als Bereicherung des eigenen Lebens erfahren können. Kraft und Neues gewinnen in der Auseinandersetzung mit Kulturen anderer Länder ist ihm wichtig, denn \"wir wissen noch viel zu wenig voneinander\". Dabei gehe es ihm mehr darum, Fragen zu formulieren, als schon gleich Antworten parat zu haben. Der Begriff von der Weltgemeinschaft fiel, und diese zu schaffen angesichts des noch vielfach bestehenden sozialen Elends in zahlreichen Regionen dieses Kontinents war Gegenstand der zweitägigen Gespräche. Nicht ausgeklammert, sondern angesprochen wurde von Köhler ein notwendiger fairer Interessensausgleich industrialisierter und entwickelter Völker. Wohl schwierig, aber gerade deshalb notwendig, darüber ins Gespräch zu kommen. Darüber, dass Afrika die Not kennt, sie zurücklassen möchte und diese Bewegungen bei uns Ängste auslöse. \"Wir müssen damit umgehen lernen und gemeinsame Ideen finden für eine gerechte Gestaltung von Globalisierung.\"

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