Bericht - Matthias Hannes


Gemessen am Beifall der Delegierten im Kiedricher Bürgerhaus hätte eigentlich der Juso-Vorsitzende im Rheingau-Taunus-Kreis, Carsten Sinß, der Direktkandidat sein müssen. Der 23-jährige Student aus Oestrich-Winkel erreichte mit 96 Prozent der Stimmen ein glänzendes Ergebnis als Stellvertreter, während sich der 43-Jährige Matthias Hannes mit knapp 60 Prozent zufrieden geben musste. Versammlungsleiter Klaus-Christian Stöckel gab folgendes Ergebnis bekannt: Von 47 Genossinnen und Genossen stimmten bei der Direktkandidaten-Wahl 15 mit Nein, außerdem gab es vier Enthaltungen. Der selbstständige Rechtsanwalt aus Hattenheim ist ein alter Hase, der sich seit 20 Jahren politisch stark engagiert und fest in der Rheingauer Kommunalpolitik verankert ist. Dass Hannes nicht mit uneingeschränkter Zustimmung rechnen konnte, zeichnete sich nach dem Redebeitrag von Georg Mahr ab, der sich 2003 bei der Wahl des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gegen Hannes durchgesetzt hatte: Mahr bedauerte es, dass es keine Alternativen gab. Er sei mit dem Eltviller Bewerber nicht immer einer Meinung und verwies darauf, dass die SPD im Rheingau "zweimal gut punkten" konnte: mit ihrer strikten Gegnerschaft zu Ex-Landrat Bernd Röttger (CDU) und der konsequenten Ablehnung "des aberwitzigen Steinberg-Projekts", der neuen Kellerei der Staatsweingüter. In beiden Punkten habe Hannes "zumindest zu Beginn eine Mindermeinung vertreten". Mahr verfolgte eine strikte Abgrenzung zu Röttger und zur CDU. Beim Steinberg-Projekt hatte Hannes ganz am Anfang, als das Vorhaben noch nicht in Einzelheiten bekannt war, Zustimmung signalisiert, sich dann aber dann schnell als Kellerei-Gegner hervorgetan. Mahr wollte weiter wissen, wie der Eltviller zu einem Golfplatz unterhalb von Kloster Eberbach stehe, nachdem es so aussehe, dass aus einer Golfanlage bei Rüdesheim nichts werde. Aus strukturpolitischen Gründen komme ein Golfplatz nur in Rüdesheim oder Lorch in Frage, keinesfalls im oberen Rheingau, so die eindeutige Position von Hannes. Der Eltviller Ortsverein hatte zuvor um Unterstützung für den Hattenheimer geworben. Hannes hatte sich im Ortsverein gegen die Parteivorsitzende Wendy Penk durchgesetzt, die daraufhin ihren Vorsitz und ihr Mandat im Stadtparlament niederlegte. Die stellvertretende Vorsitzende im SPD-Unterbezirk gehörte ebenfalls zu den Delegierten in Kiedrich. Als "nicht so dramatisch" bezeichnete Parteichef Martin Rabanus das Ergebnis: "Manchmal funktioniert eine Partei so." In seiner Bewerbungsrede attackierte Hannes seine CDU-Konkurrentin Petra Müller-Klepper als "Verkündungsabgeordnete", die nicht die Interessen der Region, sondern von Ministerpräsident Roland Koch vertrete. Neben oft vorgebrachten Kritikpunkten an der CDU-Landesregierung sprach sich der Kandidat für ein Bildungssystem mit einer größeren Durchlässigkeit zwischen den Schulformen aus. Dass die Steinberg-Kellerei ein Thema im Wahlkampf sein wird, darauf wiesen jetzt schon der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Günter Rudolph, sowie die Rheingauer SPD-Abgeordnete Christel Hoffmann hin, die "Verfahrenstricks" und Verletzung rechtsstaatlicher Prinzipien anprangerte, mit denen die Landesregierung die Baugenehmigung durchgesetzt habe. Hoffmann, die sich aus der Landespolitik verabschiedet, erhielt von allen Seiten viel Lob und Beifall für ihre bald 19-jährige Arbeit in der Landtagsfraktion. Kritik an Studiengebühren, fehlenden Ausbildungsplätzen und der hessischen Schulpolitik waren die Themen von Carsten Sinß, der zum Ersatzbewerber für Matthias Hannes gewählt wurde. Wie berichtet, geht es nun darum, welcher SPD-Kandidat einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste erhält: der Idsteiner Marius Weiß (32), der im Untertaunus-Wahlkreis 29 kandidiert und sich gegen den früheren Parteivorsitzenden Benno Pörtner durchgesetzt hatte, oder der Eltviller Matthias Hannes. Ob der SPD-Unterbezirk eine Reihenfolge für die Listenempfehlung des Bezirks Hessen-Süd vorschlage, werde in den UB-Gremien noch beraten, so Parteichef Rabanus. Die Bezirksreihenfolge ist maßgebbend für die Position auf der Landesliste.

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