Bericht - Sein Auftritt war eine Wucht


Der Künstler hatte seinen ersten Auftritt im Kurhaus noch im selben Jahr, in dem es Kaiser Wilhelm II. einweihte. Das Publikum empfing ihn mit hochgespannten Erwartungen, ein Jahr später war er zum zweiten Mal da. Die Zeitungen berichteten von einem "enthusiasmierten" Publikum, was wir als Freunde seiner Musik nur zu gut nachvollziehen können. Der Gesuchte kam damals nach Wiesbaden aus einer Stadt angereist, in der kurz danach einer lebte, der später dafür sorgte, dass die Musik des im Kurhaus Umjubelten wegen dessen Herkunft eine Zeitlang nicht mehr aufgeführt werden durfte. Seit 1945 gehört sie wieder zum festen Repertoire, vor allem des Rheingau Musik Festivals. In diesem Sommer kommen im Kloster Eberbach von ihm komponierte Lieder zur Aufführung, deren Dichter sich gelegentlich in der Nachbarschaft aufhielt. Die Ausbildung der Gesuchten begann mit vier Jahren auf einem Instrument, mit dem später auch ein anderer Kurhausmusiker, Paul Kuhn, groß geworden ist. Zurzeit seines Auftritts in Wiesbaden hatte der Musiker eine in Europa herausragende Stellung, es gab kaum einen berühmten Konzertsaal, in dem er nicht auftrat. Ein Vierteljahrhundert vorher war er Kapellmeister in der Stadt, die 1977 Wiesbadens Partnerstadt und 1991 Hauptstadt eines selbstständigen Staates wurde. Unser Tonkünstler taucht wieder auf in der Verfilmung einer Novelle über einen Schriftsteller, der im Film mit seiner unverwechselbaren Melancholie spür- und hörbar Züge des Gesuchten trägt. Seine Frau, die später zwei weitere Künstler heiratete, ließ sich bis an ihr Lebensende als Witwe des Gesuchten feiern. Er starb vier Jahre nach der Kurhaus-Einweihung.

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