Die Kinder formen, kneten, drücken ein, drücken sich aus und hinterlassen ihre Spuren im Ton" sagt Künstler Thomas Benirschke bei den Kinder-Kultur-Tagen im Schloss Freudenberg. Mit vereinten Kräften, viel Kreativität und reichlich Spaß bauen die Kinder ein Tonbeet in den Schlossgarten.
Der Kiedricher Keramiker Benirschke ist genau wie seine Projektpartnerin Daniela Daub ein alter Hase bei dem kulturellen Ereignis. Insgesamt lockten zehn Kunstwerkstätten und 14 Kindertheaterprojekte Kinder, Eltern, Omas, Opas sowie Künstler und Pädagogen in das Wiesbadener Schloss.
Auf der weitläufigen Wiese findet man den Arbeitsbereich von Benirschke und der Jongleurin Daub. Die beiden Künstler sitzen barfüßig auf dem Boden und schneiden zusammen mit den Kindern hauchdünne Tonscheiben zurecht. "Es soll eine möglichst große Fläche entstehen, unser Tonbeet" sagt Daub und Benirschke lacht: "Das wächst wie es wächst. Ich sehe das Beet einmal als Spielfeld für das Kunstschaffen aller Mitmachenden, aber auch als Plattform für weitere Aktivitäten. Es kann aber zudem als Denkmal zur Erinnerung an die verschwundene Passignano-Kugel verstanden werden."
Wenn Benirschke von verschwunden spricht, meint er damit nicht, dass ein Kunstwerk mysteriös in der Versenkung verschollen ist. Vielmehr erinnert sich Benirschke an sein kunstpädagogisches Projekt im Rahmen einer Stadtranderholung der Arbeiterwohlfahrt in Eltville vor fast zehn Jahren. Aus Zivilisationsspuren entstand eine Kugel. Im Jahre 1998 wurde dieses Kunstwerk, das zusammen mit Kindern gebaut worden ist, am helllichten Tag aus Benirschkes Garten in der Helmrichs Mühle in Kiedrich entwendet.
Benirschke informierte darauf hin die Presse, was dann eine Reihe von Artikeln über diesen Kunstraub zur Folge hatte. Nach all den Jahren kam nun Licht ins Dunkel.
Der Verdacht auf die Täter bestand damals schon, denn das Auto der Diebe war eindeutig identifiziert worden, und es gab weitere Hinweise. Benirschke berichtet: "Vor kurzem erleichterte einer der beiden Täter sein Gewissen." Dieser gab an, die Kugel damals zusammen mit einem Aktivisten und Potentat der Interkulturellen Liga geklaut zu haben. Der andere habe sie dann nach Passignano in Italien, der jetzigen Partnerstadt von Eltville gebracht.
Heute gewinnt Benirschke dieser kleinen Räuberpistole viel Positives ab: Die Kinder-Kunst-Kugel habe dadurch erheblich an Bedeutung und Öffentlichkeitswert gewonnen. Man schaue jetzt genauer hin. Die Passignano-Kugel sei geradezu ein Symbol für grenzüberschreitenden Kulturaustausch. Und noch dazu hat sie ihn zu weiteren Projekten inspiriert, wie eben zu seinem Tonbeet im Schloss Freudenberg.
Gemeinsam mit Daub ließ Benirschke Kugeln fliegen und Kunstlicht
baute ein Kugeldenkmal. Dafür errichteten die Künstler eine hölzerne Pyramide, die an den Kanten mit Tonkugeln versehen wurde.
Die Kinder behängen sich mit Tonscheiben. Über den Schultern, den Armen, sogar auf dem Kopf tragen die kleinen Künstler die erdigen Platten. Eine wunderbare Abkühlung und zugleich Möglichkeit sich zu verkleiden, zu verwandeln und auszudrücken. "Die Kinder kneten Pfannkuchen und arbeiten diese in den Boden ein. Dann fühlen sie mit nackten Füßen den Ton und tanzen stampfende Bewegungen. Manche Stellen sind schon ganz trocken und pieksen an den Füßen, sie werden zertreten. Andere sind noch weich und werden von den Kindern mit Wasser wieder in geschmeidige Spuren verwandelt, hat Benirschke beobachtet.
Es fliegen Tonkugeln durch die Luft, es wird jongliert, geknetet und modelliert. Die Kinder haben sichtlich Spaß an ihrem Projekt und wurden nicht müde das Beet um weitere Pfade, Mosaike und Pfannkuchen zu erweitern.
Auch die Erwachsenen lassen es sich nicht nehmen am großen Geknete und Geforme teilzunehmen. "Wir brauchen noch Kugeln, wir brauchen noch mindestens hundert bis tausend Kugeln" ruft Benirschke und die Kinder rollen den Ton. "Die muss noch runder werden" ruft Paul und Leonie lacht: "Meine Kugel sieht aus wie der Mond." Die Eltern freuen sich über die Heilerde, die ihre Kinder so aktiv und glücklich macht.
Am Montag, 25. Juni ist Benirschke nachmittags auf dem Kiedricher Rieslingfest mit seiner wohl bekannten Zaubertöpferscheibe vertreten. Alle Kinder sind eingeladen mit ihm vierhändig ihre zuvor selbst entworfenen Gefäße und Figuren zu drehen.
Weitere Infos im Internet unter www.kunstaspekte.de/thomas-benirschke. Mit Benirschke können unter Telefon 06123- 3955 Termine für Einzel- oder Gruppenstunden, Töpfern auf dem Kindergeburtstag oder Events vereinbart werden. Nach individuellen Wünschen und Interessen organisiert der Künstler eine garantiert unvergessliche Töpferstunde für Jung und Alt
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de