Während Ludwig van Beethovens neunte Sinfonie landauf, landab zum bevorzugten Jubel- und Jubiläums-Werk avanciert ist, haftet seiner Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 der Hang zum Heroischen schon im Beinamen an. Die damit verbundene ideologische Vereinnahmung des Werks vor allem im Nationalsozialismus, aber auch durch die Oberen der DDR, stellte der aufschlussreiche Programmheft-Text zum Konzert des Bach-Ensembles Wiesbaden in Kloster Eberbach ausführlich dar.
Martin Lutz und die in verschiedenen Orchestern der Region engagierten Musiker des Bach-Ensembles erinnerten mit ihrer Aufführung der "Eroica" daran, dass gerade diesem Werk mit seiner nicht ungetrübten Rezeptionsgeschichte die Rückbesinnung auf den Originalklang besonders gut bekommt: Selbst der Trauermarsch des zweiten Satzes war in der Interpretation der Sinfonie, die in Eberbach auf zwei Werke Carl Maria von Webers folgte, keine überpathetisch weihevolle zelebrierte Angelegenheit, sondern von Lutz im Grundton schlank, fast schon bewegt gehalten. Und dass Lutz mit der hallreichen Akustik der Basilika bestmöglich und vielleicht besser als mancher hereinjettende Festival-Gastdirigent umzugehen weiß, war bereits im Durchführungsteil des ersten Satzes deutlich geworden: Ganz fein und ganz transparent ließ er hier Beethovens motivische Arbeit ausspielen. Eine gewisse, ebenfalls von der Akustik begünstigte Dominanz der Bläser würzte den Klangeindruck, zumal gerade die Spieler der Naturhörner ihre heiklen Passagen im Trio-Teil des Scherzos tadellos bewältigten - nur ein Beispiel für das hohe musikalische Niveau, auf dem das 1975 gegründete Bach-Ensemble auch hier wieder agierte.
Ebenfalls seit längerer Zeit arbeitet Martin Lutz, etwa im Ensemble Parnassi musici, mit dem 1967 geborenen Fagottisten Sergio Azzolini zusammen. In Eberbach war er mit einem der ganz wenigen Solo-Konzerte für sein Instrument zu erleben, die einen gewissen Repertoirewert haben: Carl Maria von Webers 1811 entstandenes und elf Jahre später noch einmal überarbeitetes Konzert für Fagott und Orchester F-Dur op. 75 ist für das Instrument ein Bravourstück, als das Azzolini es auch bestens zu nutzen verstand, in den Rahmensätzen bis in die satte Tiefe hoch beweglich, lyrisch und gesanglich im mittleren Adagio. Auf Weber eingestimmt hatte das Bach-Ensemble mit der Ouvertüre zu dessen letzter Oper "Oberon", in der vor allem die äußerst variable, bis ins Detail fein differenzierte Tempo-Gestaltung durch Martin Lutz belebend wirkte.
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