Bericht - Kapitelälteste ist 25 Jahre


Mit der feierlichen Investitur von 26 neuen Mitgliedern in der Basilika und einer festlichen Weinprobe im Laiendormitorium des Klosters Eberbach erlebten die Großen Konventstage des Rheingauer Weinkonvents ihre Höhepunkte. An der Spitze der 1971 gegründeten Vereinigung, die "das Wissen um den Wein im allgemeinen und um den Rheingauer Wein im besonderen vertiefen" will, ergab sich ein Generationenwechsel. Als Kapitelälteste amtiert künftig die ehemalige Rheingauer Weinkönigin und deutsche Weinprinzessin Nadine Jäger. Der geschäftsführende Direktor der Stiftung Kloster Eberbach, Markus Hebgen, ist ihr Vertreter. Beide wurden satzungsgemäß in der ersten Kapitelsitzung nach der Mitgliederversammlung von den Kapitularen einstimmig gewählt. Sie sind Nachfolger des bisherigen Kapitelältesten Karl-Heinz Zerbe und seines Stellvertreters Josef Hirschmann, die beide aus Altersgründen ausschieden. Zerbe und Hirschmann wurden zu Ehrenmtitgliedern ernannt. Während der Großen Weinprobe dankte der Präsident der Deutschen Weinbruderschaften, Wolfgang Narjes aus Siegen, den beiden langjährigen Kapitelältesten für ihre großen Verdienste. Die Weinprobe selbst erwies sich als kleine Sensation: Nicht weniger als drei Damen moderierten die 20 Proben umfassende Präsentation. Die Probenleitung übernahm charmant und mit überquellendem Redefluss die neue Kapitelälteste Nadine Jäger. Unterstützt wurde sie von der amtierenden Rheingauer Weinkönigin Maresa Breuer und der früheren Rheingauer und Deutschen Weinkönigin Marika Andres. "Ich habe keine Angst vor meinem Amt als Kapitelälteste, aber sehr wohl Respekt vor meinen Vorgängern", sagte die 25-jährige Nadine Jäger. Sie freue sich auf ihre neue Arbeit und betrachte das Amt als "eine riesige Herausforderung". In Hochachtung vor der Arbeit des Winzers und "in tiefer Liebe zum Riesling" wolle sie den Dialog zum Winzer suchen, die Außenwerbung verstärken und den Konvent auch "für junge Leute attraktiver machen". Schließlich verriet sie noch ihren "Traum, mal ein eigenes Weingut zu haben". Neben Kreszenzen der Jahrgänge 2004 bis 2006 konnten bei der festlichen Probe auch Raritäten aus "alten Zeiten" verkostet werden. Der Konvent servierte Gewächse aus seiner Schatzkammer. Die 150 Gäste staunten nicht schlecht, als sie eine 25 Jahre alte Johannisberger Klaus Riesling Auslese vom Weingut Prinz von Hessen in Johannisberg und gar eine 31 Jahre alte Martinsthaler Wildsau Riesling Auslese vom Weingut Keßler in Martinsthal eingeschenkt bekamen. Zuvor gab´s genügend fruchtig-frische Riesling-Klassiker, überwiegend Kabinett und Spätlese, Trocken oder Halbtrocken. Nicht nur Investitur und Weinprobe boten die Konventstage. Das sechstägige Programm umfasste Fahrten zum Airport Frankfurt und zum Unesco-Welterbe "Fossiliengrube Messel", eine Wanderung, eine Schiffsfahrt, Fachvorträge und Kellereibesichtigungen. In der Mitgliederversammmlung berichtete Geschäftsführer Wolfgang H. Ludwig aus Walluf, dass 821 Mitglieder dem Konvent angehören. Davon leben 27 im Ausland, 96 sind Winzer. Im Rhein-Main-Gebiet wohnen etwa 250, der Rest kommt aus dem übrigen Deutschland. "Mit einem weinenden und einem lachenden Auge" gab Ludwig seinen Posten als Geschäftsführer nach achtjähriger Tätigkeit auf, weil er seine "privaten Belange wieder mehr in den Vordergrund stellen möchte". Jutta Scholl ist seine Nachfolgerin.

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