Zwei Begriffe stehen symbolisch wie eine Schlagzeile über der 11. Ausbildungsmesse in den Rhein-Main-Hallen: Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit. Vor allem diese beiden Eigenschaften sind von den künftigen Berufseinsteigern gefordert, so die einhellige Meinung der Ausbilder an den etwa 70 Ständen, an denen sich gestern Schüler über die unterschiedlichsten Ausbildungsmöglichkeiten informieren konnten. Hinzu kommen gute Noten in den Schlüsselfächern Mathematik und Deutsch, in einigen Berufen auch in den naturwissenschaftlichen Fächern.
Den ganzen Tag über tummelten sich Massen von Schülern zwischen den Ständen, ließen sich über Wunschberufe informieren, verfolgten die Darbietungen auf der Bühne oder beteiligten sich an den unterschiedlichsten Gewinnspielen. "Die Schüler sind deutlich interessierter als im vergangenen Jahr", sagt Rechtsanwalt Gerrit van Velsen, der für den Wiesbadener Anwalt- und Notarverein über die Ausbildung zum Rechtsanwaltfachangestellten informierte. Es seien sogar schon komplette Bewerbungen bei ihm am Stand abgegeben worden. "Das kannten wir so bislang nicht", sagt van Velsen, der ein solches Engagement von Ausbildungsplatzsuchenden hoch einschätzt. "Mit so einer Aktion hat man schon gute Chancen."
Auch Gerd Kolb, Ausbilder für Mediengestalter bei der Verlagsgruppe Rhein Main, zu der auch der Kurier gehört, stellt ein gestiegenes Niveau fest. "Im vergangenen Jahr sind die Schüler durch die Reihen geschlendert und haben Werbegeschenke mitgenommen", sagt Kolb. In diesem Jahr hingegen würde gezielt nach den Ausbildungsberufen innerhalb der Verlagsgruppe gefragt, welche Anforderungen gestellt würden. Besonders begehrt sei der Beruf des Mediengestalters. "Da haben wir die meisten Nachfragen", so Kolb. Voraussetzung sei ein guter Realschulabschluss und Kreativität.
Wieder Zulauf erleben derzeit die Berufe im Baugewerbe, dem es zunehmend an Facharbeitern mangelt. Johannes Herber hat sich ganz gezielt für eine Lehre als Maurer entschieden, nachdem er zuvor sein Fachabitur gemacht hat. "Ein Job im Büro ist für mich nichts", sagt er. Er liebe die Vielfalt auf der Baustelle und habe die Berufswahl nicht bereut, meint er. Zusammen mit Armen Saliji mauerte er gestern Fensterstürze und informierte die Schüler aus erster Hand über die Lehre, die erhebliche Aufstiegsmöglichkeiten auch für Hauptschüler bietet. Denn Facharbeiter mit einem deutschen Gesellenbrief sind gefragt, auch international. Interessiert waren übrigens auch Mädchen. Die haben aber kaum eine Chance, eine Lehre als Maurer zu machen. Das Problem: Sobald auch nur eine Frau auf der Baustelle arbeitet, sieht der Gesetzgeber für sie eigene sanitäre Anlagen vor. Ein Aufwand, der derzeit noch gescheut wird.
Gute Arbeitschancen, auch weltweit, bietet der Beruf des Kochs. "Ich würde meinen Beruf immer wieder lernen", sagt Jakob Brabetz vom Kronenschlösschen in Hattenheim. Brabetz schließt derzeit seine Ausbildung ab, danach hat er schon einen Job in der Nähe von New York. "Da sieht man die Welt", sagt der Jungkoch.
Gute Noten in der Schule seien hilfreich, heißt es fast unisono von den Informationsständen. Aber sie seien nicht alles. Man hat erkannt, dass ein motivierter Lehrling mit einem anderen Schulabschluss durchaus für den Betrieb geeigneter sein kann, als ein Abiturient. Eine Empfehlung, die man gestern öfters hörte: Wer eine Ausbildungsstelle sucht, sollte in den Betrieben vorher Praktika machen. Ausbilder und möglicher Auszubildender merken dann sehr schnell, ob sie zueinander passen oder nicht. Dann lässt es sich besser über die ein oder andere schlechte Note hinwegsehen.
Die Ausbildungsmesse wird von der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden, der Handwerkskammer Wiesbaden, der Kreishandwerkerschaft Wiesbaden-Rheingau-Taunus und der Agentur für Arbeit veranstaltet. Am frühen Abend fand gestern zudem einen Abiturientreff für Oberstufenschüler statt (Bericht folgt).
Die Messe ist heute noch einmal von 9 bis 14 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de