Lustlos? Von wegen. Frustriert? Schon gar nicht. Die allmorgendliche Strecke zur Arbeit erinnert bei Liane Loechel wenig an die Art von Fahrt, die viele von uns kennen. Raus aus der Wiesbadener Innenstadt führt ihr Weg, tief in den Wald hinein. Ins malerische Kloster Eberbach. Seit März ist die 36 Jahre alte Berlinerin dort Bauleiterin für die Gestaltung der Freianlagen. Sozusagen jede Pflanze auf dem acht Hektar großen Areal liegt in ihrem Verantwortungsbereich. "Es ist natürlich einen riesiger Kontrast zu Berlin", erklärt Loechel, die ihre neue Wirkungsstätte jedoch bereits fest ins Herz geschlossen hat.
Da stört es sie auch nicht, jeden Freitag zurück in die Bundeshauptstadt zu fahren, wo sie sich bis montags unter anderem noch um ihren Sohn kümmert. "Die Aufgabe im Kloster ist für mich eine Bereicherung", meint Loechel. Ein Glücksfall, an den man sich noch lange nach Karriereende erinnert. Zumal das ständige Pendeln im Sommer auch ein Ende nimmt, wenn der zehnjährige Sprössling nämlich in einer Wiesbadener Schule aufgenommen wird. Dann, so hofft Loechel, werde sie auch endlich etwas Zeit haben, die weiteren Schönheiten der Kurstadt und des Rheingaus in Augenschein zu nehmen.
Das Kloster hat es ihr jedenfalls von Beginn an angetan. Jeden Schritt plante sie mit, während sich ihr Landschaftsarchitekturbüro Bernard Sattler vor einigen Jahren um das Projekt bemühte. Als das Büro den Zuschlag erhielt, war die Frage "Wer wird denn nun eigentlich vor Ort sein?" recht schnell beantwortet. "Als ich das erste Mal hier war, fand ich es unglaublich stimmungsvoll", beschreibt Loechel. Es erschien ihr fast zu schade, etwas gegen die "romantischen Verwilderungen" auf dem Gelände zu unternehmen. Täte man das allerdings nicht, "hätte man in zehn Jahren nichts mehr davon", weiß Loechel.
Sie selbst kam über Umwege zu ihrem heutigen Beruf: Eine Ausbildung zur Krankenschwester hatte sie hinter sich, als sie das Abitur nachholte "und ich eigentlich auch etwas mit Pflege studieren wollte". Ihre große Leidenschaft, die Botanik, führte sie jedoch zum Studium der Landschaftsarchitektur. Und nun ins Kloster Eberbach. Positiv überrascht ist sie jedes Mal, wenn in Berlin die Leute etwas mit den ehrwürdigen Gemäuern in der Ferne anfangen können. "Durch den Weinbau und das Musikfestival kennen es auch bei uns recht viele", erläutert Loechel.
Das Spannende an ihrem Job: Immer wieder führen neue Entdeckungen im Erdreich dazu, dass die Pläne neu erarbeitet werden müssen, immer eng verzahnt mit der Denkmalpflege, versteht sich. Die Weltfernheit zu spüren, das ist ihr Anliegen. Wie einst die Zisterzienser-Mönche lebten, dass soll wieder erlebbar sein: Mit Kräuter- und Obstgärten, einem Prälatengarten und vielem mehr. Um sich in die damaligen Zeiten zu versetzen, beschäftigt sich Loechel abends extra noch mit historischen Schriften. Jene Weltfernheit genießt sie aber auch selbst gerne: "Sich einfach mal fünf Minuten in die Basilika setzen, wenn man denkt, um einen herum ist nur Stress. Das hilft einem ungemein, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen." Auf das bislang größte Projekt ihrer Laufbahn erst recht.
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