Seit wenigen Tagen haben es die Schlangenbader Eltern schriftlich: Ihre Kinder mit dem Erstwunsch Eltville können im nächsten Schuljahr das dortige Gymnasium besuchen. Die "Elterninitiative Gymnasium Eltville für Kinder der Grundschule Bärstadt" feiert dies als ihren Erfolg. Ulrich Kirchen, Gymnasialdezernent beim Staatlichen Schulamt, betont dagegen, dass die fünfte Klasse nicht für die Schlangenbader Kinder eingerichtet worden sei. Das Staatliche Schulamt sei um die Bildung einer weiteren Klasse nicht umhingekommen, weil sonst auch Kinder aus dem Nahbereich Eltvilles keinen Platz an der Schule gefunden hätten.
Dass er genug Räume in der Schule hat, habe der Schulleiter Bernward Messer in einer dienstlichen Erklärung versichert, erklärt die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Ute Schmidt. Deshalb habe die Schulbehörde auch auf die Teilnahme an einer Begehung mit dem Schulträger - dem Rheingau-Taunus-Kreis - , der Schule und Elternvertretern in der vergangenen Woche verzichtet. Dass Schule, Schulamt und Eltern akzeptieren, dass aus Fachräumen Unterrichtsräume werden und Räume zum Unterricht genutzt werden, die nur ein Oberlicht haben, hatte Landrat Burkhard Albers zur Bedingung dafür gemacht, dass der Kreis ein Auge zudrücke.
Eigentlich sollten in Eltville nämlich nur noch vier Eingangsklassen gebildet werden, auch um die Existenz anderer Gymnasien nicht zu gefährden. Das hatte der Kreistag im Dezember vergangenen Jahres beschlossen. Das Staatliche Schulamt hatte der Schule bei der Verteilungskonferenz jedoch 152 Schüler zugewiesen, viel zu viele für vier Klassen. Albers kündigte deshalb an, notfalls vor Gericht prüfen zu lassen, ob sich das Schulamt über den Kreistagsbeschluss einfach hinwegsetzen könne. Davon könne keine Rede sein, betont die Schulamtsleiterin. Nach der Verordnung über die Festlegung der Aufnahmekapazität habe das Staatliche Schulamt die alleinige Entscheidungskompetenz darüber, ob nur eine begrenzte Zahl von Klassen eingerichtet wird. Der Schulträger könne eine Kapazitätsbegrenzung beantragen, so wie dies auch geschehen sei, die Entscheidung treffe jedoch das Schulamt, wobei großer Wert auf Zusammenarbeit mit dem Schulträger gelegt werde, betont Schmidt. Ihr Vorgänger Sigurd Bender hatte seine Zustimmung bereits signalisiert. Sie habe ebenfalls nichts gegen eine Kapazitätsfestlegung, im vorliegenden Fall sei sie jedoch nicht möglich gewesen. Nicht nur weil dann Schüler nicht wohnortnah hätten verteilt werden können, sondern auch deshalb weil den Eltern dadurch Klagemöglichkeiten eröffnet worden wären. Nach den Rechtsvorschriften muss die Aufnahmekapazität vor Beginn des Anmelde- und Aufnahmeverfahrens für das kommende Schuljahr, spätestens bis zum 30. November festgelegt werden. Gehört werden müssten zudem Kreiselternbeirat und Schulkonferenz. Der Termin sei nicht eingehalten, das Anhörungsverfahren stehe noch aus. Jetzt sei bis zum 30. November Zeit, um das Verfahren für das Schuljahr 2008/2009 sauber abzuwickeln. Die Schlangenbader Elterninitiative will dagegen erreichen, dass die Kapazitäten in Eltville erweitert werden, damit dort auf Dauer ihre Kinder unterrichtet werden können.
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