Seit Anfang April leitet der 27-jährige Frankfurter Gerhard Löffler den Männergesangverein "Liederkranz". Die 44, im Schnitt 67 Jahre alten Sänger sind von ihm so begeistert, wie er von ihnen. Gemeinsam wollen sie den Chor erhalten und Nachwuchs gewinnen.
"Wir haben eine gute Wahl getroffen", sagt Vorsitzender Josef Wenz bei der Dienstagabendprobe im Gasthof "Altes Holztor". Mittlerweile zum sechsten Mal hat der neue Dirigent die Proben geleitet. Entdeckt hatte der Chor ihn bei Hattenheims Männerchor. Einen so guten Nachfolger für Bernd Hans Gietz, der "uns 35 Jahre lang gut leitete", hatte keiner im Chor erwartet: "Wir sind sehr zufrieden, die Probe ist sogar kurzweiliger geworden", sagen die Sänger. Ebenso einhellig stehen alle hinter den Veränderungen, mit denen Löffler den Chor qualitativ steigern und neue Sänger gewinnen will. Zuerst führte er Disziplin ein: Jetzt beginnt die Probe Punkt 20 Uhr statt irgendwann, es gibt eine feste Pause und es wird konzentriert gesungen.
Die Disziplin tue auch ihm gut, verrät der Lehrerssohn aus Wächtersbach, der seit 15 Jahren Orgel spielt und seit 1995 Chöre leitet - zurzeit neben den Männerchören in Eltville und Hattenheim den katholischen Kirchenchor Kelsterbach. Vier bis fünf Stunden übt der mehrfache Preisträger täglich an der Orgel Werke aller Stilepochen. Dazu gibt er in ganz Deutschland, Osteuropa und den USA Konzerte. Er korrepetiert Aufführungen und ist Organist der evangelischen Gemeinde in Schwanheim mit eigenem Konzertzyklus. Nebenbei legt Gerhard Löffler parallel zum Aufbaustudium in Stuttgart letzte Hochschulprüfungen in Frankfurt ab. Insgesamt umfasst sein Studium, das er vorzeitig als Gymnasiast begann, Kirchenmusik, Orgel, Klavier, Liturgisches Spiel, Künstlerische Ausbildung, Opernklassen-Gesang, Orchester- und Chorleitung.
"Mein Terminkalender ist randvoll", gibt Löffler zu, bereut aber "absolut nicht", mit dem "Liederkranz" noch einen Gietz-Chor übernommen zu haben. Das habe sich geradezu angeboten, da beide Chöre gute Kontakte pflegen, auch gemeinsam die "Kellergeister" bilden und für ihn die Chorarbeit "ein guter Ausgleich" zum vielen alleine Üben sei. "Das sehr tradierte, Jahrzehnte gewachsene Repertoire" von Volks-, Wein- und Trinkliedern über Evergreens bis zu anspruchsvoller klassischer Chorliteratur "will ich nicht sofort ändern, sondern neu beleuchten, einzelne Aspekte hinterfragen, verbessern und es langfristig zu einem konzertanten Repertoire ausweiten", sagt Löffler. Denn wegen der Vielfalt an "Liederkranz"-Auftritten "ziehen wir an mehreren Strängen", erklärt Löffler die Gratwanderung zwischen "Kompromiss und Fortschritt."
Ihm gehe es darum, die uralte Tradition des Männerchorgesangs vor dem Aussterben zu bewahren und durch moderne Impulse so gut aufzutreten, "dass wir neue Sänger gewinnen". Umgekehrt will der Chor durch "den jungen, dynamischen Leiter qualitativ weiterkommen, die Freude am Gesang und die sehr gute Gemeinschaft erhalten". Jetzt hoffen alle Sänger auf Nachwuchs: "Wir freuen uns über jeden, ob mit oder ohne Vorkenntnisse, der sich uns anschließen will."
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