Der "Verein zur Bewahrung und Entwicklung der Rheingauer Landschaft" will die jahrhundertealte "Klosterlandschaft" um Eberbach mehr in den Blick rücken. Eine weitere Idee ist ein Informationszentrum über die Kulturlandschaft Rheingau.
Zur Eröffnung der Themenreihe "Region aktiv - Rheingauer Landschaft" hatte der Verein nach Eltville eingeladen, der sich im November vorigen Jahres gegründet hat. "Wir möchten den Menschen die Vielfalt und Eigenheit der Rheingauer Landschaft näher bringen - und zwar ohne ideologische Scheuklappen", umschrieb Vorsitzender Norbert Wolter die Ziele. Als erste Projekte stehen ein Landschaftszentrum für den Rheingau und Wege durch die Klosterlandschaft von Eberbach zur Diskussion.
Dagmar Söder, Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalpflege, die auch das Verzeichnis der Rheingauer Denkmäler zusammenstellt, ist Vorstandsmitglied des neuen Vereins. Anhand historischer Karten, alter Bilder, Fotos und Luftaufnahmen zeigte sie, wie Kloster Eberbach über 800 Jahre hinweg im großen Umkreis die Landschaft geprägt hat. Das betrifft - etwa am Steinheimer Hof zwischen Eltville und Walluf - den Zuschnitt landwirtschaftlicher Flächen und ihre Nutzung, vor allem den Verlauf und Beschaffenheit der Wege zwischen Eberbach, den Ortschaften am Rhein und hinauf zum Mapper Hof.
In einem ersten Schritt will der Verein historische Alleen und Hohlwege wiederherstellen, etwa in Verlängerung der Eberbacher Straße in Erbach. Noch heute stehen vereinzelt Walnussbäume am Rand des Feldwegs, der in alten Karten "Nussbaumallee" hieß, eine Hauptverbindung zu dem gewaltigen Wirtschaftsbetrieb, der das Kloster ehemals war. Verfallende Hohlwege am Kloster will der Verein begehbar machen und als Rundweg ausweisen.
Alte Abbildungen zeigen die Landschaft am Kisselbach freier, weniger zugewachsen. Perspektiven, wie sie in Stichen aus dem 19. Jahrhundert noch zu sehen sind, sollen wieder entstehen. "Das Freischneiden und Freihalten der Sichtbeziehungen zur Klosteranlage ist den Vereinsaktiven wichtig", erklärt Wolter.
Entlang restaurierter historischer Wege sollen Grenzsteine, Bildstöcke, zugewucherte Brücken über den Kisselbach und andere Zeugnisse der ehemaligen Zisterzienserabtei nicht mehr dem Verfall preisgegeben, sondern "gesichert und herausgestellt werden", sagt Wolter. Wandern auf diesen Wegen soll ein Erlebnis werden, bei dem Hinweise am Wegesrand den Blick und das Gespür für die vergangenen Jahrhunderte schärfen.
Auf einem Teil der alten Weideflächen, so eine weitere Idee, könnten Tiere weiden - und zwar Rassen, die in früheren Jahrhunderten verbreitet waren und heute selten geworden sind. Wolter sieht den Verein nach Gesprächen mit Eigentümern solcher Flächen in dieser Idee bestärkt.
Ein "Landschaftszentrum Rheingau" ist ein weiteres Projekt. Den Besuchern würde dort die Rheingauer Kulturlandschaft nahe gebracht, historische und naturkundliche Wege und andere Sehenswürdigkeiten würden gezeigt. Das Landschaftszentrum könnte, wie Wolter meint, auch Ziel von Schulklassen sein. Sinnvoll sei die Angliederung eines Biohofes, ein Kinder- und Jugendbauernhof.
In einem solchen Zentrum könnten regionale Produkte aus dem Landbau und Wild aus dem Hinterlandeswald vermarktet, sogar die Verwertung von Biomasse zu Energie dort vorgeführt werden, schlägt Wolter vor. Es sei naheliegend, ein solches Zentrum in einer Landesdomäne unterzubringen. Im Blick sind die Domäne Neuhof und der Steinheimer Hof.
Ein weiterer Baustein eines solchen Zentrums sei eine Mobilitätszentrale. Fahrradverleih, Landschaftsexkursionen und andere Arten der Freizeitgestaltung, die sich speziell in dieser Landschaft anbieten und zu "sanftem Tourismus" passen.
"Unsere Vorhaben vertragen sich ausgezeichnet mit dem Zweckverband Rheingau", meint Wolter. Sein Verein will Teil des Zweckverbandes werden und hätte gern, das seine Vorhaben Leitprojekte des Regionalparks werden. Alle Projekte würden so konzipiert, dass sie mit Geldern der Europäischen Union gefördert werden können.
Kontakt: Norbert Wolter, Telefon 06123/605379, Dagmar Söder, Telefon 0611/6906161, E-Mail: norbert.wolter@tiscalinet.de
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de