Bericht - Tradition neben Uraufführung


Stark geprägt wird das kulturelle Leben in Wiesbaden von der Kirchenmusik. Die zum Teil weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Kirchenmusiker bieten auch 2007 ein reiches Programm. "Ein guter Zeitpunkt, um jetzt einzusteigen", sagt der Bergkirchen-Kantor Christian Pfeifer mit Blick auf seinen Chor und die Werke, die die Kantorei sich vorgenommen hat. Am 18. März steht die Kantate "Fürwahr, er trug unsere Krankheit" von Dietrich Buxtehude auf dem Programm. Weiterer Höhepunkt ist die Wiesbadener Erstaufführung von Händels Oratorium "Esther" am 23. Juni. Traditionell steht in der Bergkirche viel Kammermusik auf dem Programm. Außerdem beteiligt sich Pfeifer mit seinen Ensembles an den Bachwochen und bietet im September vier "Sommer-Nacht-Klänge" zu später Stunde an. Mit Kantor Hans Kielblock hat die Ringkirche einen tatkräftigen Neuzugang bekommen. Jeden ersten Mittwoch im Monat bietet er ein Orgelkonzert an. "Für dieses Jahr wünsche ich mir, dass wir die begonnene Arbeit ausbauen können", skizziert Kielblock seine Pläne. Dabei geht es ihm um das neu gegründete Orchester, die "Kirchenstreicher", und um die Stabilisierung des Chores. Das erste größere Projekt in diesem Jahr ist die Johannespassion von Heinrich Schütz, die am 31. März aufgeführt wird. Kontinuität ist an der Lutherkirche angesagt. Hier gehören die Sonntags-Matineen nach dem Gottesdienst ein Mal im Monat zur Tradition. "In diesem Jahr stehen Jubilare bei den Komponisten und den Dichtern im Mittelpunkt", kündigt Kirchenmusikdirektor Klaus Uwe Ludwig an. "Besonders wichtig sind mir die Bach-Kantaten, die wir seit 1979 regelmäßig in Gottesdiensten aufführen", nennt er einen Schwerpunkt. Den Zyklus "Die besondere Orgel" setzt er in diesem Jahr unter dem Titel "Dichtung, Träume, Emotionen" fort und umreißt darin bei drei Konzerten Ende Februar und Anfang März die "Ausdruckswelten der Orgel". Am Karfreitag, 5. April, steht eine veritable Uraufführung auf dem Programm: "Die Seligpreisungen", ein Kammer-Oratorium aus der Feder von Florian Ludwig, dem Sohn des Kirchenmusikdirektors. Gemeinsam mit der Royal Cambridge Wells Choral Society führt der Bach-Chor am 24. November das Oratorium "The Kingdom" von Edvard Elgar auf. Martin Lutz ist mit seiner Schiersteiner Kantorei einer der aktivsten Kirchenmusiker der Stadt: "Ich versuche immer, ein möglichst breites Angebot zusammen zu stellen". Durch die gesunde Struktur seines Chores hat er die Möglichkeit, vom kleinen Vokalensemble bis zu den groß besetzten Romantikern auszuwählen. Zu den regelmäßigen Terminen gehören die "Schiersteiner Vespermusiken" in der Christophoruskirche. Die Kantorei selbst hat sich unter anderem Bachs Johannespassion (24. März, Marktkirche) und Händels "Saul" (16. September, Kloster Eberbach) vorgenommen. In den Verantwortungsbereich von Martin Lutz fallen auch die Bachwochen, die in diesem Herbst zum 17. Mal stattfinden. Auf katholischer Seite ragt die Bonifatiuskirche nicht nur architektonisch heraus. Hier finden zahlreiche Orgel- und Chorkonzerte statt. Dazu gehören die "Boni-Musikwochen zum Jahr des Historismus". Zwischen dem 30. Juni und 15. Juli hat Kantor Gabriel Dessauer Organisten aus Frankfurt, Berlin und Seattle eingeladen, am 8. Juli setzt er sich selbst an den Spieltisch. Am Tag der deutschen Einheit leitet er mit Hermann Suters Oratorium "Le Laudi" ein gemeinsames Konzert von Chor, Kinderchor und Orchester. Kirchenmusik hat auch in den kleineren Gemeinden der Stadt ihren Platz. So bietet die Kreuzkirche am 1. April unter der Leitung von Petra Mohr ein Passionskonzert mit Charpentiers "Totenmesse" an. Auch im Wiesbadener Osten proben wöchentlich Chöre und Instrumentalensembles. "Mit der Chorgemeinschaft `Cantate Domino' planen wir für das zweite Halbjahr Haydns Schöpfung", sagt Dekanatskirchenmusiker Thomas Schwarz. Außerdem beteiligen sich die Sänger am Paul-Gerhardt-Chortag, der am 30. Juni in der Ringkirche stattfindet.

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