Das Erntedankfest stellt sich Pfarrer Robert Nandkisore im Rheingau ganz anders als in seiner alten Gemeinde in Frankfurt Rödelheim vor: Das ist schon was Besonderes, nach der Weinlese der Winzer, das Erntedankfest zu feiern. In Rödelheim haben wir nur Aldi und Lidl." Am 1. Februar ist es soweit. Dann übernimmt der 41-Jährige die Pfarrei in Eltville und damit auch die Gemeinden in Kiedrich, Hattenheim und Erbach.
Was ist "der Neue" für ein Mensch? Er selbst bezeichnet sich als "Grenzgänger". Ein Grenzgänger zwischen zwei Welten: Der geistlichen auf der einen und der weltlichen auf der anderen Seite. Ein Pfarrer, der auf der ständigen Suche nach Gott sei, wie er sagt. "Das zeichnet mein Verhältnis zu Gott aus - so bewahrt mich Gott vor der Herzverfettung." Auch mit seiner Herkunft steht der 41-jährige Frankfurter zwischen zwei Welten. Seine Mutter ist Deutsche katholischen Glaubens und sein Vater ist ein Hindu indischer Abstammung. Ein Gegensatz, der den gebürtigen Frankfurter geprägt hat. Zwar habe er sich als Kind nie ausgegrenzt gefühlt, "doch musste man mir deutlich sagen, dass ich dazu gehöre." So erklärt sich mitunter auch die Faszination, die die katholische Kirche in jungen Jahren auf ihn ausgeübt hat. Als er sein in St. Georgen/Frankfurt begonnenes Studium auf Einladung hin in Rom fortsetzte, machte er die Erfahrung: "Die Kirche ist uns allen - egal wo du herkommst."
Elf Jahre hat Nandkisore am Priesterseminar "Pontificum Collegium Germanicum et Hungaricum" in Rom studiert und promoviert. Einst galt das deutschsprachige Seminar an der von Jesuiten geleiteten Eliteuniversität als Bischofsschmiede. Soweit denke der Theologe Nandkisore in seiner Zukunftsplanung aber nicht.
Nach seiner Priesterweihe in Rom war der Sohn einer Kindergartenleiterin (Montessori) und eines leitenden Bankangestellten fünf Jahre lang Domkaplan in seiner Heimatstadt Frankfurt. Im Jahr 2000 übernahm er dann als Pfarrer die St. Antoniusgemeinde im Frankfurter Stadtteil Rödelheim.
Nun richtet sich Nandkisores Blick gen Rheingau, um dort das Amt als "Leiter des pastoralen Raumes Eltville" zu übernehmen. Ein Job auf den er sich nicht beworben hat, er wurde vom Generalvikar des Bistums Limburg gefragt. Und nahm an.
Nandkisore unterstehen in seinem neuen Pfarrgebiet vier Kirchen, die den 41-Jährigen zum Schwärmen bringen: "Es sind mit die schönsten Kirchen des Bistums." Er freut sich auf den Rheingau und möchte "ein Pfarrer für alle" sein. Jedoch macht er klar: "Es wäre eine Augenwischerei, zu meinen, ich könnte vier selbstständige Pfarrer ersetzen." Ihm stehen jedoch drei Mitarbeiter zu Verfügung, die auch Gottesdienste übernehmen werden. Er selbst wird abwechselnd in allen Kirchen Messen feiern. Und in dieser Hinsicht eilt Nandkisore ein guter Ruf voraus. So legt er großen Wert auf einen anspruchsvollen, gut vorbereiteten und gut gestalteten Gottesdienst. Seine Messen in Frankfurt waren über seine Gemeinde hinaus beliebt und deshalb auch gut besucht.
Mit seinem neuen Einsatzgebiet hofft der Priester, "das Hektische und Kranke der Großstadt hinter mir zu lassen." Er hat beobachtet, wie sich die Menschen und die Atmosphäre verändern, "es ist anonymer, die Menschen sind rücksichtsloser geworden." Nandkisore ist einer, der Werte verteidigt. Und einer, der sich einen Abend lang darüber aufregen kann, dass Profifußballer Millionen von Euro verdienen. Er scheut die Auseinandersetzung nicht, provoziert auch mal gerne, eckt sicherlich hier und da mal an und verfügt über einen durchaus scharfzüngigen Humor. Er schafft es auch einen bekennenden Atheisten zum Gottesdienstbesuch zu überreden. Den Eindruck eines weltfremden Weltverbesserers macht Nandkisore aber nicht. In der Frankfurter Gemeinde ging es schon ganz weltlich zu - gleich ob Nandkisore als Cityseelsorger unterwegs war oder sich mit seinem Nachbarn stritt, der ohne zu fragen den Fliederbaum im Kirchengarten absägt hatte.
Mit Robert Nandkisore als Pfarrer bekommt der Rheingau ein intellektuelles Schwergewicht. Erst im vergangenen Jahr lehrte der "Professore" für sechs Wochen an der Universitas Gregoriana in Rom. Sein Thema: der heilige Bernhard, der - wie der Zufall so will - Kloster Eberbach gegründet hat. Und eben dieser Ort weckt auch das Interesse des Priesters. Gut könne sich Nandkisore eine Zusammenarbeit bei Veranstaltungen, etwa mit der "Akademie Kloster Eberbach", vorstellen. Seinen Schwerpunkt als Pfarrer sieht er aber in Gottesdiensten und der Seelsorge. Bisher lag ihm auch die Jugendarbeit am Herzen, die in Rödelheim sehr erfolgreich war.
Dennoch will der neue Eltviller Pfarrer seine akademische Tätigkeit nicht ruhen lassen, eine weitere Gastprofessur würde er nicht ablehnen.
Derzeit muss er sich aber mit ganz praktischen Dingen plagen, nämlich Kisten packen und den Umzug planen. Doch zum 1. Februar wird er sein neues Heim noch nicht beziehen können, das Pfarrhaus in Eltville muss erst renoviert werden.
Seinen ersten "Auftritt" hat Pfarrer Robert Nandkisore beim Gottesdienst am Donnerstag, 1. Februar, in der Eltviller Kirche. Am Sonntag, 4. Februar, wird er um 15 Uhr offiziell in St. Peter und Paul eingeführt.
Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de