Bericht - Zum Musizieren ist es nie zu spät


"Die offensive Präsentation nach außen macht das Profil dieser Einrichtungen aus", ist sich Rita Thies sicher. Die Kulturdezernentin ist Vorsitzende des Vereins, der die Wiesbadener Musik- und Kunstschule (WMK) trägt. Der Direktor der WMK und ihres berufsbildenden Zweiges, der Wiesbadener Musik-Akademie (WMA) ist Christoph Nielbock. Über die Entwicklung der Institutionen sind sowohl Thies als auch Nielbock mehr als zufrieden. Die Dezernentin verleiht umstandslos das Prädikat "ausgezeichnet". Die Zahlen sprechen für sich. Die Akademie bietet 87 Studienplätze, und jährlich bewerben sich bis zu 150 junge Menschen auf die maximal 20 frei werdenden Plätze. Und auch die WMK würde mehr Musikschüler aufnehmen, wenn sie denn könnte. In den Einzel- und Gruppenstunden werden derzeit 2 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterrichtet, 1 200 weitere Interessenten warten auf einen Platz. "Sehr lange Wartezeiten gibt es gerade im Fach Gesang", berichtet Nielbock. Wer Akkordeon oder Saxofon lernen möchte, könnte dagegen sofort anfangen. "Man wendet sich an eine Institution, wenn man von deren Qualität überzeugt ist", meint Nielbock. Und er weiß: "Musizieren gehört immer noch zu den elementaren Aspekten des Lebens." Das gemeinsame Programm der beiden Einrichtungen demonstriert in gedruckter Form die enge Verzahnung der Institutionen und ihrer Akteure. Das Programm seiner Schüler, Studenten und Dozenten unterteilt Nielbock in "Standards, Raritäten und Garnierungen", ohne damit gleich vorab ein Urteil über das zu erwartende Niveau abzugeben. Zu den Standards zählen all die Veranstaltungen, die regelmäßig stattfinden oder auch Klassenabende in unmittelbarer Folge des Unterrichtsprogramms. In der Reihe "Musik im Zentrum" etwa wird jeden Donnerstag um 19 Uhr im Studio eine "musikalische Wundertüte" aufgemacht. "Vormittags wissen wir oft nicht, was abends passiert", schmunzelt Nielbock und freut sich auch in diesem Jahr wieder auf "junge Menschen, die sich aufrichtig und engagiert mit der Musik auseinander setzen". Einen besonderen Schwerpunkt setzen beide Häuser bereits seit längerem auf die Sinfonische Blasmusik. Das Blechbläser-Ensemble besteht seit 25 Jahren, und aus diesem Anlass gibt es am 19. Mai ein "Open air"-Konzert im Kurpark, am folgenden Tag ein festliches Jubiläumskonzert in Kloster Eberbach und am 30. September ein Konzert mit Klassik, Filmmusik und Blues im Kulturforum. "Florale Kompositionen aus allen Jahrhunderten" verspricht ein Konzert am 19. April mit Studierenden der Blockflöten- und Akkordeon-Klassen, am 8. Mai beteiligt sich die WMA mit einem Konzert unter dem Titel "Am schönen Rhein gedenk ich Dein" am Jahr des Historismus. "Das Programm wird die Atmosphäre der Salonkultur des 19. Jahrhunderts widerspiegeln", verspricht Nielbock. Zunehmend verantwortlich fühlt sich die WMK für Quer- und Wiedereinsteiger. Am 4. März sind Laienmusiker zum zweiten Mal dazu eingeladen, sich spontan zu Streichquartetten zusammen zu finden, vom 1. bis 3. Juni sind beide Institute federführend an einem öffentlichen Kongress des Deutschen Musikrates im Kurhaus unter dem Titel "Es ist nie zu spät - Musizieren mit 50plus" beteiligt. Kleinkunst und populäres steht ebenfalls auf dem Programm: Am 15. Juni gibt es Tanz- und Filmmusik der 20-er und 30-er Jahre zu hören, am 27. November halten Scherz, Satire und Ironie planmäßig Einzug im Kulturforum.

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