Bericht - Nacht und Traum


Noch bevor das diesjährige Rheingau Musik Festival (RMF) am 23. Juni eröffnet wird, soll an ein doppeltes Jubiläum erinnert werden. 100 Jahre Wiesbadener Kurhaus und 20 Jahre Rheingau Musik Festival feiert man mit einem Gastspiel des London Symphony Orchestra, das am 17. Mai unter der Leitung von Valery Gergiev ein russisches Programm im Kurhaus aufführen wird. Und bereits am 10. Februar findet in der Alten Oper Frankfurt ein noch nicht ausverkauftes Benefizkonzert mit Anne-Sophie Mutter statt, dessen Erlös einem Mädchenheim in Rumänien zu Gute kommen soll. Auftritt Anne Sophie Mutter Anne Sophie Mutter war auch in den Rheingau gekommen, als RMF-Intendant Michael Herrmann jetzt in Oestrich-Winkel das neue Festivalprogramm vorstellte. Besonders freute er sich, dass die Geigerin nach fünf Jahren auch wieder in Wiesbaden auftritt. Am 13. Juli spielt sie im Kurhaus gemeinsam mit Lambert Orkis Violinsonaten von Mozart sowie Virtuoses von Kreisler und Brahms - sicherlich ein Höhepunkt der 148 Konzerte, die das Festival in den zehn Wochen zwischen dem 23. Juni und dem 2. September veranstaltet. Die Eröffnung übernimmt auch in diesem Jahr das hr-Sinfonieorchester, das in Kloster Eberbach erstmals unter seinem neuen Chefdirigenten Paavo Järvi zu hören sein wird. Gemeinsam mit der Mezzopranistin Waltraud Meier, dem MDR-Rundfunkchor und den Limburger Domsingknaben wird an zwei Abenden die dritte Sinfonie von Gustav Mahler aufgeführt. Insgesamt 130 000 Karten werden für die Konzerte an 40 unterschiedlichen Spielstätten angeboten; die meisten Veranstaltungen finden in Kloster Eberbach, in Schloss Johannisberg sowie im Wiesbadener Kurhaus statt. "Von Herrschern und Majestäten" sowie "Nacht und Traum" heißen die eher weiten Programmschwerpunkte. Zu den namhaften Orchestern, die in Wiesbaden gastieren, zählen beispielsweise das Deutsche Sinfonie-Orchester Berlin oder das Orchestre National de Strasbourg. Die Bamberger Sinfoniker setzen ihren Schubert-Zyklus mit den fünften Sinfonien von Schubert und Mahler fort, Eliahu Inbal und das WDR-Sinfonieorchester widmen sich in Eberbach wieder Bruckner, dessen Achte am 17. August erklingen wird. Nicht fortgesetzt wird dagegen der Schostakowitsch-Zyklus des hr-Sinfonieorchesters, das bei einem weiteren RMF-Auftritt im August ein populäres romantisches Programm mit Mendelssohn Violinkonzert und Dvoráks 9. Sinfonie beisteuert. Weitere Höhepunkte versprechen die beiden Konzerte des San Francisco Symphony Orchestra unter Michael Tilson Thomas, die in der Alten Oper Werke von Prokofjew und Tschaikowski sowie die 7. Sinfonie von Gustav Mahler aufführen werden. Diese Konzerte finden eine Woche nach der eigentlichen Abschlussveranstaltung am 1. September statt, bei dem Enoch zu Guttenberg Verdis Requiem leiten wird. Wie die meisten Chorkonzerte findet diese Veranstaltung in der Eberbacher Basilika statt; zuvor sind dort seltener aufgeführte Oratorien wie Händels "Saul" oder Vivaldis "Juditha triumphans" zu hören. Aber auch populäre Werke wie Bach h-Moll-Messe oder Mozarts "Krönungsmesse" stehen in Eberbach auf dem Programm. Besonders aufwändig dürfte die von Helmuth Rilling geleitete Aufführung des pazifistisch motivierten "War Requiem" von Benjamin Britten am 31. August werden. Porträt Heinz HolligerFreunde der Kammermusik können sich etwa auf das Artemis-Quartett und das Londoner Nash-Ensemble freuen, Klavierliebhaber auf Anna Gourari, Alfred Brendel, Tzimon Barto oder Martha Argerich, die im Kurhaus mit dem Russischen Nationalorchester Beethovens erstes Klavierkonzert spielt (30.8.). Das Komponistenporträt gilt in diesem Jahr Heinz Holliger. Erstmals findet gemeinsam mit der Frankfurter Musikhochschule eine "Eberbacher Barocknacht" statt, zu deren Finale am 19. August Monteverdis Oper "L´Orfeo" gegeben wird. Im Jazz-Sektor gastieren etwa der Trompeter Till Brönner, Tim Fischer sowie das Jacques-Loussier-Trio. Und Veranstaltungen wie die Chansonabende mit Ulrike Neradt oder die "Fahrenden Musiker in Weingütern" bleiben auch nach 20 Jahren Konstanten des Programms.

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