Bericht - Düstere Zeiten


"Das Wichtigste sind die Finanzen", sagt der Kiedricher Bürgermeister Winfried Steinmacher prompt. Denn die Gemeinde Kiedrich steht, so der SPD-Mann, bei einem Fehlbetrag von rund zwei Millionen Euro "mit dem Rücken an der Wand". Rund 100 000 Euro will der 44-Jährige bei den Personalkosten der Gemeinde einsparen. Das habe nicht nur in der Verwaltung massive Auswirkungen. "Auch die Bürger", prognostiziert der Verwaltungschef, "müssen sich beim Service in Kiedrich umstellen". Zur Verbesserung der Finanzsituation bietet sich für den Rathauschef insbesondere eine Lösung an: Damit mehr Einnahmen in die Gemeindekasse fließen, muss sich immissionsarmes und umweltverträgliches Gewerbe ansiedeln und so Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Visier hat der Bürgermeister das Misch- und Gewerbegebiet an der Eltviller Straße. Steinmacher hat folgenden Plan für dieses Jahr: Die Gemeinde kauft das Gelände für 60 Euro pro Quadratmeter an. Nach der Erschließungsmaßnahme und dem Verkauf des Grunds an einen Investor teilt sich die Gemeinde den Restbetrag nach Abzug des bereits bezahlten Preises von 60 Euro und der Erschließungskosten mit den Grundstückseigentümern zu jeweils 50 Prozent. Für die Gemeinde entstehen keine Finanzierungskosten, auch behält sie die Planungshoheit: Für Steinmacher zwei elementare Gründe, das Projekt voranzutreiben, Gespräche mit den Grundstückseigentümern zu führen und Investoren für das Gebiet am Ortseingang von Kiedrich zu gewinnen. Mit der Erschließung des Gewerbe- und Mischgebiets an der Eltviller Straße, das laut Steinmacher das größte Projekt in 2007 wäre, soll im Mai kommenden Jahres begonnen werden. Allein das Genehmigungsverfahren, so Winfried Steinmacher, nimmt ein Jahr in Anspruch. Für dieses Jahr hofft Steinmacher, dass Bewegung in das leer stehende Ploenzke-Gelände kommt. Gespräche mit Interessenten laufen. Allerdings habe bisher keiner angebissen. Der Verwaltungschef kann sich für das Areal ein Tagungshotel mit Wellness-Angeboten vorstellen. Noch in diesem Jahr soll am Kloster Eberbach eine zweite Waldkindergruppe eingerichtet werden. Außerdem möchte Steinmacher ("Das mache ich zur Chefsache") einen Weinstand in Kiedrich fest etablieren und damit den gotischen Ort für Besucher noch attraktiver machen. Schließlich führt der Rheinsteig in Kiedrich als einziger Gemeinde im Rheingau quer durch den Ort. Eine Tafel mit Angaben zur Gastronomie soll ebenfalls aufgebaut werden. Außerdem will Steinmacher mit den Kiedricher Winzern und Restaurantbesitzern sicherstellen, dass wenigstens ein Betrieb eine kleine Mahlzeit am Mittag anbietet. Denn eins möchte Winfried Steinmacher nicht mehr erleben: Fremden Wanderern begegnen, die mit knurrendem Magen tagsüber händeringend ein Lokal suchen.

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de