Bericht - Nicht alle Vorsätze sind gut


Mehr Sport treiben, mehr Zeit für die Familie und mehr Zeit für sich selbst. Laut einer aktuellen Forsa- Umfrage standen diese guten Vorsätze der Bundesbürger für das Jahr 2007 ganz oben auf der Liste. Aber auch Klassiker wie das Rauchen aufgeben oder Abnehmen waren unter den Top-Ten zu finden. Wie unterschiedlich Zielsetzungen sein können und ob man gute Vorsätze überhaupt braucht, damit beschäftigte sich der Psychotherapeut Nikolaus Geberth in seinem Vortrag "Zur Bedeutung guter Vorsätze für die Lebensgestaltung". Impulse fürs LebenDer Vortrag in der Hospitalstube im Kloster Eberbach reihte sich in die Veranstaltungen ein, die seit Mai 2006 regelmäßig am ersten Mittwoch des Monats von der Akademie Kloster Eberbach angeboten werden. "Die Vorträge, die im Kern immer mit christlichen Werten zu tun haben, sollen den Menschen Impulse fürs Leben mitgeben", sagt Vereinsvorsitzender Marcus Lübbering. Passend zum Jahresanfang drehte sich die Veranstaltung um gute Vorsätze. Einer der Zuhörer, Günther Weber-Degen, hat sich selbst eine Reihe positiver Veränderungen vorgenommen und ist deshalb an dem Vortrag interessiert. "Ich wünsche mir für das neue Jahr, mehr Kontakte zu anderen Menschen knüpfen zu können." Dass er dieses Ziel gerade an Neujahr in Angriff nehme, sei Zufall gewesen. Dennoch sei er im Nachhinein sehr froh darüber, da sich am Jahreswechsel viele andere Menschen ähnliche Ziele setzten. "Das verbindet und motiviert", so Weber- Degen. Diplom-Psychologe Geberth ist da skeptisch. Nicht jeder Vorsatz sei ernst gemeint und führe zu echten Verbesserungen. Er unterscheidet zwischen drei Kategorien. Erstens den Vorsatz als völlig unverbindliche Aussage. Vorhaben wie zum Beispiel "Ich sollte mehr Sport machen" entsprächen eher diffusen Wünschen als ernst gemeinten Absichten. Dann gebe es noch unzureichende Versuche. Hierbei sei zwar eine ehrliche Absicht vorhanden, etwas zu ändern, doch unklare Motivation, fehlende Information oder unrealistische Planung führten zum Scheitern des guten Vorsatzes. Zuletzt der feste Entschluss. Voraussetzung sei ein durchdachter Plan zur Umsetzung. Solche Vorsätze, die mit aller Kraft realisiert werden wollen, führen, laut Geberth, sehr wahrscheinlich zur gewünschten Verhaltensänderung. Zur Durchsetzung guter Vorsätze sei zunächst eine Bestandsaufnahme wichtig. Warum hat die Realisierung meiner Pläne in der Vergangenheit oft nicht funktioniert? Aus welchen Motiven will ich eine Veränderung herbeiführen? Neben der eigenen Motivation seien auch Symbole wichtig. "Symbole können zum Beispiel das Wegwerfen der restliche Zigaretten oder der Eintritt in einen Sportverein sein. Auf diese Weise wird das eigene Ziel nach außen sichtbar gemacht", erklärt Geberth. Sich selbst akzeptierenZwar sei es unbestreitbar, dass ein Leben ohne Vorsätze kaum vorstellbar ist, da jeder alltäglichen Handlung eine Zielsetzung vorausgeht. Doch wenn durch den Impulsvortrag von Geberth eine Gewissheit mit nach Hause genommen werden konnte, dann die, dass viele Vorsätze genau hinterfragt werden sollten. Und so lautete der wohl schönste Ratschlag des Abends, der sich vor allem auf Äußerlichkeiten bezog: "Vielleicht sollten wir zunächst versuchen, uns selbst so zu akzeptieren wie wir sind und nicht ständig Dinge verändern wollen", sagte Geberth.

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