Bericht - Dieser Platz hat auf St. Martin gewartet


\"Dieser Platz scheint auf ihn gewartet zu haben\", sagte Pfarrer Robert Nandkisore bei der Einweihung der beeindruckenden Sandsteinstatue. Im feierlichen Rahmen einer kleinen Messe, beleuchtet von Fackellicht und vielen Martins-Laternen, segnete Pfarrer Nandkisore die Statue und freute sich, denn \"die Gelegenheit, etwas einzuweihen, ergibt sich für einen Pfarrer leider nicht mehr sehr oft\". Zwischen zwei Grabkapellen auf dem Kirchhof der katholischen Pfarrkirche hat die Martins-Statue ihren Platz gefunden. Als Motiv wählte der Künstler Karl Winter die Schlüsselszene in der Martinsgeschichte: Sankt Martin sitzt auf seinem Pferd und beugt sich zu einem knienden Bettler hinab und teilt seinen Mantel mit dem Schwert. Diese Szene wird von nun an das ganze Jahr über an \"das christliche Handeln des Teilens erinnern\", so Pfarrer Nandkisore. Doch es geht nicht nur um das Teilen von materiellen Dingen, wie der Pfarrer den vielen Kindern erklärte, die mit ihren selbst gebastelten Laternen in der Hand aufmerksam die Predigt verfolgen. \"Wenn ihr seht, dass jemand auf dem Schulhof einsam ist, dann teilt eure Zeit mit ihm\", nannte Nandkisore ein Beispiel für ein Teilen ganz anderer Art. Er forderte die Kinder auf, Phantasie zu zeigen, wenn es darum geht, anderen Menschen aus der Not zu helfen. Ursprünglich wurde Sankt Martin als Patron für die Eltviller Kirche ausgewählt, wie der Pfarrer den Besuchern erklärte. Dass dieser Heilige nun eine hervorgehobene Position auf dem Kirchengelände einnimmt, findet Nandkisore daher sehr passend. Die Gemeinde finanzierte die Martinsstatue vollständig aus Spenden. Den Auftrag dafür vergab Pfarrer Gereon Rehberg, der inzwischen nicht mehr in Eltville tätig ist. \"Es hat mich sehr geehrt, diese Figur gestalten zu dürfen\", sagte Bildhauer Karl Winter. Da der Limburger Künstler auch den Altar der Kirche hergestellt hat, konnte er sich schnell in den Stil der Statue einfinden. Die Gestaltung war dem Künstler völlig freigestellt, lediglich das Material Sandstein, den man auch beim Kirchenbau verwendete, wurde vorgegeben. Vom ersten Entwurf bis zur Einweihung ist ein Jahr vergangen und Winter blickt gerne auf den Schaffensprozess zurück, denn \"figürlich arbeiten zu dürfen, motiviert sehr, auch wenn Sandstein ein eher störrischer Stoff ist\". Auf den ersten Blick scheint eine typische Figur am Kunstwerk zu fehlen: die Martinsgans. Wer aber auf das niedrige Podest klettert und einen Blick hinter das Pferd wirft, entdeckt dort das Federvieh.

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