Was würde sich für eine Feier dieser Dimension besser eignen als die klösterliche Basilika? Die bietet nicht nur vielen hundert Besuchern Platz, sondern als Gotteshaus mitten in den Weinbergen gelegen den passenden Rahmen schlechthin, lief doch der Weinbau im Rheingau an dieser Stelle im Laufe der Jahrhunderte zur Hochform auf.
Gute Gründe also, nach dem Einzug der Winzer mit Herbstfahnen, der Weinmajestäten, der Geistlichen und der Lokalprominenz Gott für den eingebrachten Wein im Keller in einer ökumenischen Feier zu danken und dabei die Akustik der Basilika in sich aufzunehmen: beim gemeinsam gesungenen Lied "Nun danket all und bringet Ehr", beim Posaunenchor Bornich mit seinem "Intrade", bei der Segnung der Fahne des Rheingauer Weinbauverbandes mit dem Männergesangverein "Cäcilia" Johannisberg.
Diese feierliche Handlung bildete den Höhepunkt des Gottesdienstes, feiert der Verein im nächsten Jahr sein 60-jähriges Bestehen, wobei die Fahne nicht nur Symbolwert hat als Richtungsweiser, sondern mit dem Bekenntnis zu den Rheingauer Wurzeln auf Marktstrategie und politische Ziele ausgerichtet ist. Vorgenommen wurde die Weihe von Domkapitular Johannes zu Eltz, Stadtdekan in Wiesbaden, der zusammen mit seinem evangelischen Kollegen, Pfarrer Johannes Hoeltz aus Oestrich-Winkel, den Gottesdienst gestaltete.
Hoeltz hatte den Part der Predigt übernommen und diese, dem Anlass entsprechend, Bibelstellen gewidmet, die sich mit dem Wein befassen. Zahlreich sind sie zu finden, und so ließen sich in der Auslegung viele Verknüpfungen zwischen Weinbau und Gottesliebe herstellen, angefangen von Noah als erstem Winzer über das Abendmahl beziehungsweise die Wandlung bis hin zum Bild von Jesus als dem Weinstock, Gottvater als dem Gärtner und dem Text aus dem Johannesevangelium "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben."
Typisch für den Erntedank der Winzer ist deren Spende für soziale Einrichtungen, symbolisch zu sehen als Teilen des Empfangenen. Einrichtungen im Rheingau-Taunus-Kreis werden bedacht wie der Partnerbezirk des Landkreises, der Bezirk Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf. Benannt ist die Spende nach dem Schutzpatron der Winzer, dem Heiligen St. Urban, und besteht aus einem Weinkontingent, das den Empfängern, älteren und bedürftigen Menschen, die Feiertage verschönern soll. Die Kollekte der vielhundertköpfigen Besucherschar wird diesmal dem katholischen Kindergarten "Mariä Himmelfahrt" in Hallgarten zugute kommen.
Nach der kirchlichen Feier ging es zum weltlichen Fest ins Laiendormitorium. Dort konnten die Gäste dem neuen Geschäftsführer der Stiftung des Klosters, Markus Hebgen, bei seinem Vortrag über Eberbach und den Rheingau lauschen. Bei Brot und Wein sowie musikalischer Unterhaltung klang der Nachmittag aus.
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