Bericht - Frau Holle


Die Hexe ist Judith, Emil und Paul nicht geheuer. Bedrohlich wirkt die Frau mit der hässlichen langen Nase, der tiefen Stimme, dem wuscheligen, dunklen, tief im Gesicht hängenden Haar. Für ein buntes Tages-Make-up vertrauen sich die drei Kleinen lieber dem blonden Dornröschen, Frau Holle mit der flotten Witwe-Bolte-Schleife oder der Elfe mit den lustigen Ohren an. Bettina Krause, Mutter des schüchternen Paul, schmunzelt: "Sie halten die Hexe für echt." Das gibt auf jeden Fall einen Pluspunkt für das Festival der Märchen, das auch am Wochenende dem Kloster Eberbach einen gewissen Zauber verleiht. Nicht nur der Nachwuchs lässt sich von aufgeführten Wundern und Zaubereien verführen. Auch Mütter, Väter und Großeltern ziehen begeistert "bei der perfekten Kulisse" von einer Vorführung zur nächsten. Der Besuch der dreitägigen Veranstaltung, die die Wiesbadener Zoffel Steiger Gruppe Event-Agentur zum ersten Mal konzipierte und organisierte, kommt scheinbar einer Reise in die eigene Kindheit gleich. Für Abwechslung ist auf jeden Fall gesorgt. Kleine und große Besucher haben die Wahl zwischen Kino mit dem Film "Aschenputtel", dem Theaterstück "Rotkäppchen", gespielt von der "Aichacher Puppenstube" oder sie erkunden das Laiendormitorium, das zur Straße der Märchen umgestaltet ist. Im ehemaligen Schlafsaal der Mönche warten auf die Kinder allerlei Geschicklichkeitsspiele, die teils erstaunlich einfach konstruiert sind und auf die Kleinen große Faszination ausüben. Beim Froschkönig, der wie die Hexe oder Frau Holle aus Haut und Haaren besteht, werfen sie Stofftiere in einen Brunnen oder bauen (nicht mit Playmobil- oder Legosteinchen) sondern mit einfachen Holzklötzchen Türme, Häuser, Rondells. Oder es geht in die himmlische Weihnachtsbackstube, die einen ebensolchen Duft verströmt und wo Mädchen und Jungen in rot-weiß-karierten Schürzen Förmchen in den Teig drücken. Nicht zu überhören ist der Weihnachtsclown, der mit Haushaltsartikeln, die in jedem Küchenschrank liegen, eine tolle Show mit Pustefix hinlegt. Die Fliegenklatsche verwandelt die Seifenblasen in ein Schneegestöber, den Tortenuntersetzer in ein bizarres Gebilde. Der Nachwuchs jauchzt. Die Großen staunen: So erzielt man also mit einfachen Mitteln große Wirkung. Im Hof tuckert der Orient-Express. Mit pinkfarbenen Bommeln dekorierte Lamas schauen vorwitzig hinter der Absperrung hervor. Seife, Mütze, Kinderbücher liegen in den Auslagen der nostalgischen Stände des kleinen Weihnachtsmarkts. Auf dem Grill brutzeln Würstchen. Drei schmale Steppkes lachen sich kaputt, weil sie in dem verzerrenden Spiegel wie Sumo-Ringer aussehen. Prominenter Besuch kam am Freitagabend: John Kelly, einst Frontman der Kelly-Family, präsentierte mit seiner Ehefrau Maite Auszüge des Projekts "Tales From The Secret Forest". Nicht minder bekannt sind die fabelhaften Wesen, die am Wochenende das Kloster fest in ihrer Hand haben: Aladin kommt, natürlich mit Wunderlampe. Kalif Storch ist da. Rotkäppchen und Aschenputtel geben sich ein Stelldichein. Und natürlich geht es auch zum Abschluss in der himmlischen Backstube heiß her. Das Festival der Märchen im Kloster Eberbach ist am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Nähere Informationen auch im Internet unter www.festivaldermaerchen.de

Weitere Informationen zu Hattenheim finden Sie unter: http://www.hattenheim.de