Bericht - Funde werden gesichert


Auf der Grünfläche zwischen der östlichen Zufahrt und der Klosterkirche klaffen frische Gruben - exakt rechteckig, die Seiten genau senkrecht und mit einer Schnur zur Vermessung versehen. Schneller als erwartet, sagt der Archäologe Klaus Schmitt am vierten Tag dieser Arbeiten, sind in geringer Tiefe alte Grabstätten und Skelette aufgefunden worden. Dass der geplante Kanal, der das Kloster vor einer erneuten Überschwemmung bewahren soll, durch einen mindestens bis 1803 existierenden Friedhof verlaufen wird, ist nicht überraschend. Ein Lageplan von 1804 zeigt den Zustand der weitläufigen Anlage nach ihrer Aufhebung als Kirchenbesitz und Zisterzienserabtei bei ihrem Übergang in den Besitz des Herzogtums Nassau. Auf der gesamten Fläche zwischen der heutigen Ostzufahrt und dem Kisselbach ist auf der Karte von Amtsgeometer Hock "der Kirchhof" eingezeichnet. Später wurden Friedhöfe etwas weiter im Norden, bis heute sichtbar talaufwärts auch außerhalb der Klostermauern angelegt. Klaus Schmitt, dessen Firma die Klostersanierung archäologisch begleitet, vermutet, dass im Boden von Kloster Eberbach tausende Tote liegen: Gebeine aus fast 700 Jahren, in denen dem Konvent zeitweise mehrere hundert Brüder angehörten, außerdem Handwerker und andere Laien. Markus Hebgen, der geschäftsführende Vorstand der Stiftung Kloster Eberbach, versichert, dass die bei der Kanalverlegung aufgefundenen Gebeine auf dem Klostergelände wieder würdig beigesetzt werden. Zuvor ist Aufklärung nötig. Sind es die sterblichen Überreste von Mönchen oder anderen Klosterbewohnern, bis zur Säkularisierung im Jahre 1803 in der Abtei lebten? Stammen sie von Sträflingen der "Korrektionsanstalt" nach 1813? Oder von Insassen der Landes-Irrenanstalt zwischen 1815 und 1849? Eine wissenschaftliche Untersuchung, so Hebgen, soll Aufschluss geben. Die bisher entdeckten Gräber und Skelette liegen in Ost-West-Richtung und überraschend nah am Kisselbach. Ihre Lage, vor allem die der Hände, zeigt, dass die Toten in Särgen bestattet wurden und nicht in Leichentücher eingenäht waren. So fanden die Mitarbeiter des Archäologen Klaus Schmitt auch Sargnägel im Erdreich. Archäologische Voruntersuchungen finden zurzeit auch auf der gegenüberliegenden Seite der Basilika statt. An ihrer Westmauer und am angrenzenden Saugraben sind Reste aus romanischer Zeit sichtbar, vermutlich eine Pforte, meint Hebgen. Der Eingang auf der Westseite des 1116 gegründeten Klosters war ursprünglich der einzige. Am Fuß des Pfortenhauses ist er noch vorhanden und führt in den Saugraben. Dort ist die Wiederherstellung des romanischen Klostereingangs beabsichtigt, sagt der Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach. Zu archäologischen Untersuchungen gibt auch die Sanierung des Hospitals Anlass. Klaus Schmitt zeigt buntes Fensterglas, ein Bruchstück einer Eberbacher Bodenfließe und einen Keramik-Torso, anscheinend Rest des Modells für ein geplantes Bauwerk. Dies alles fand sich in dem Schutt über den Gewölbebögen des um 1220 errichteten Hospitals.

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